Off-Topic: Die Kirchturmgalerie

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass ich gerne Kirchtürme aus der Froschperspektive fotografiere, wenn ich sehr nah vor ihnen stehe? Mir schon. Ich fahre durch sehr viele Dörfer und fotografiere sehr viele Kirchen, denn sie sind Teil der Kulturgeschichte (Das heißt aber nicht, dass man deren religiöse Symbole in staatlichen Verwaltungsgebäuden an die Wand tackern muss.). Leider verfüge ich wohl nicht über genügend Lebenszeit, um über jedes idyllische Dorf mit einer hübschen Dorfkirche zu bloggen. Deshalb kommt hier meine Kirchturmgalerie, in der nicht nur Provinzkirchen ihren Platz finden, sondern auch einige aus größeren Städten. Denn menschliche Siedlungsräume mit mehr als 100.000 Einwohnern kommen auf diesem Blog ja immer etwas zu kurz, was aber nicht heißt, dass ich sie mir nicht auch ab und zu anschaue. Und jetzt viel Spaß mit meiner Fotosammlung. Die Auflistung erfolgt alphabetisch und wird beständig fortgesetzt.

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Mühlberg an der Elbe

Mühlberg an der Elbe
Geburtstag: 1230
Einwohner: 3856
Bekannt für: die Entscheidungsschlacht im Schmalkaldischen Krieg (1546/47), die in der Nähe stattfand
 
Mühlberg ist eine Station des Elberadwegs.
 
 Manchmal hat man es als Kleinstadt wirklich nicht leicht. Erst wird man der Veranstaltungsort einer berühmten Schlacht im 16. Jahrhundert und dann muss man auch noch zu Brandenburg gehören, obwohl sich die Mehrheit der Einwohner für die Zugehörigkeit zum Land Sachsen ausgesprochen hat (so viel zur Sinnhaftigkeit von Volksentscheiden). Aber Mühlberg an der Elbe macht trotzdem das Beste aus dem zweifelhaften Schlachtenruhm.
Das Museum zum Thema ist im Gebäude der ehemaligen Propstei untergebracht. Neben der obligatorischen Aufarbeitung der Reformation und des Schmalkaldischen Krieges, finden sich noch Bereiche zur Stadtgeschichte und -entwicklung und zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stammlager IV B, welches in der Nähe der Stadt lag.
 
Die Propstei wurde um 1530 als Wohn- und Amtshaus mit zwei Maßwerkgiebeln errichten.
 
Es gibt praktisch keine Ausstellungsstücke zur Schlacht bei Mühlberg, die am 24. April 1547 stattfand. In diesem Fall ist der Ort an sich das Ausstellungsstück. Dieser Umstand wird im Museum sehr elegant mit Medienstationen überbrückt, an denen man sich den Verlauf der Schlacht ansehen und Zeitzeugenberichte anhören kann. Die Stadtgeschichte hat es da schon ein bisschen einfacher. Zur Veranschaulichung des Handwerks werden Pokale und andere Gegenstände der ehemaligen Innungen ausgestellt.
 
1554 erwarb der Landadelige Sigismund Pflug das Gebäude und ließ es ausbauen.

 

Die vorreformatorische Bemalung der Innenräume blieb zum Teil erhalten und zeigt biblische Szenen.

 

Seit 1926 befindet sich das Stadtmuseum in dem Gebäude, welches zwischen 1991 und 1995 umfangreich saniert wurde.

 

Der Maler Hans Kretschmann legte Teile der historischen Ausmalung frei.

 

 

 

Diese Deckenausmalung wurde 1930 bei Baumaßnahmen entdeckt, freigelegt und zum Teil erneuert.
Einen großen Einfluss auf das Leben im Ort hat und hatte natürlich die Elbe und die damit verbundene Fischerei. Die Stadt war einst durch einen Nebenarm der Elbe in eine Neustadt und eine Altstadt geteilt. Auch heute gibt es noch einen kleinen Hafen. Bei den Elbehochwasser 2002 und 2013 hielten die Deiche und die Stadt wurde nicht überschwemmt.
Mühlberg war schon immer eine Kleinstadt und auch die Industrialisierung veränderte die Stadt kaum. Noch heute kann man die fehlende wirtschaftliche Entwicklung an der grundlegenden Architektur der Häuser sehen. Größere Gebäude findet man eher am Stadtrand. Zum einen wäre da die Villa Güldenstern, die 1898 bis 1900 vom damaligen Besitzer des Rittergutes, dem Geheimen Justizrat Max Winterfeld, errichtet wurde. Heute befindet sie sich in Privatbesitz.
Zum anderen gäbe es dann noch das Schloss. Der heutige Bau aus dem 16. Jahrhundert befindet sich an der Stelle einer Wasserburg, die wahrscheinlich auch schon einen slawischen Vorgänger hatte. Die Vierflügelanlage, die von Moritz von Sachsen noch vor der Schlacht, zu einem Jagdschloss umgebaut wurde, ist wohl eines der ältesten Gebäude der Stadt. Heute befindet es sich in Privatbesitz und steht leer. Und da haben wir mal wieder die Misere mit einem leerstehenden Schloss. Es ist wirklich ein schönes Gebäude und würde rundum erneuert bestimmt noch besser aussehen. Aber natürlich hat es so zugewachsen und verfallen auch einen gewissen Charme. Es ist nicht auszuschließen, dass in den Innenräumen ein schlafender Hofstaat zu finden ist oder ein Prinz, der sich vor der Außenwelt versteckt, weil er vor Jahren in ein Monster verwandelt wurde. Vielleicht lag die Gruselstimmung auch an dem regnerischen Herbstwetter, denn dann wirkt selbst so ein hübscher kleiner Ort wie Mühlberg, wie eine Anfangssequenz eines Horrorfilms.
 

 

Das Torhaus auf dem ehemaligen Klostergelände diente auch als Gästehaus. Daher rührt die Bezeichnung als Hospiz.

 

Die Villa Güldenstern

 

Die Klosterkirche ist ein backsteingotisches Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert.

 

Erbaut wurde es als einschiffiges, kreuzförmiges Gebäude.
Nach der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und die Klosterkirche 1565 zur Pfarrkirche der Altstadt geweiht. Der Kreuzgang wurde in moderner Gestalt wieder aufgebaut.

 

Die Ausstattung stammt aus mehreren Jahrhunderten.

 

Heute dient die Klosterkirche als Ökumenischer Begegnungs- und Veranstaltungsort.

 

Das Klostermausoleum

 

Ich habe leider nicht herausgefunden, wer oder ob da überhaupt noch jemand drinnen liegt.

 

Die Löwenapotheke am Altstädter Markt ist eine der ältesten Apotheken des Landes Brandenburg. In den Jahren 1837/38 arbeitete der Vater Theodor Fontanes hier. Seine Schwester Elise wurde 1838 in Mühlberg geboren.

 

 

In Mühlberg kann man tatsächlich im Himmelreich wohnen.

 

Das Bürgerhaus wurde wohl um 1543 errichtet und gehört damit zu einem der ältesten erhaltenen Wohnhäuser in Brandenburg.

 

Das Rathaus wurde zwischen 1543 bis 1549 anstelle des abgebrannten Vorgängerbaus errichtet.

 

Die evangelische Frauenkirche war die Pfarrkirche der Neustadt und wurde zwischen 1487 und 1525 errichtet.
Der Kirchturm wurde 1691 erhöht.

 

Endlich mal ein Denkmal, dass an etwas Positives erinnert. Nämlich daran, dass der Deich beim Hochwasser 2002 nicht gebrochen ist.

 

1853 verlor Mühlberg durch die künstliche Begradigung des Flusses seine unmittelbare Lage an der Elbe. Der bestehende Elbarm wurde 1883 zum Hafen ausgebaut.

 

Brandenburgische Idylle. Bonjour tristesse.

 

Dieser Findling wurde 1937 aufgestellt und bezeichnet die Stelle, an der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen gezeltet haben soll. Man spürt förmlich die historische Authentizität dieses Ortes…nicht.

 

Das (überhaupt nicht gruselige) Schloss