Hoyerswerda

Einwohner: 32.636

Geburtstag: 1268

Bekannt für: einstürzende Platten, fremdenfeindliche Ausschreitungen, umgekehrtes Wachstum

Wenn man HoyWoy oberflächlich betrachtet, vereint der Ort alle Klischees, die einem zu einer mittelgroßen Stadt im Osten Deutschlands einfallen. Noch eine Prise Landtagswahlergebnisse darüber und fertig ist die abgehängte Schrumpfstadt, die man besser meidet, weil da ja sowieso nix los ist. Und wie das so ist mit Vorurteilen, pflegen sie sich am besten aus der Ferne. In der direkten Auseinandersetzung vor Ort sieht dann alles nur noch halb so schlimm aus.

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Ziegenfauze

Geburtstag: 1908
Einwohner: 13
Bekannt für: einen Ortsnamen, der ein Lächeln (und ein paar Fragezeichen) auf jedes müde Gesicht zaubert
Zum Glück wurde der Meilenstein noch nicht gestohlen.
Der Sinn dieses Blogs ist immer noch, schöne, lustige oder auch obskure kleine Sehenswürdigkeiten in der Provinz zu finden. Alle Orte, über die ich schreibe, habe ich auch besucht. Ich habe sie oft selbst entdeckt oder einen heißen Tipp bekommen. So war es auch, als ich zum ersten Mal von einem Ort namens Ziegenfauze hörte. Dieser kleine Ort bzw. Anbau, bestehend aus fünf Häusern und dreizehn Bewohnern, liegt nordöstlich von Bautzen und heißt eigentlich offiziell Neu-Lömischau. Eine bestätigte Herleitung des Namens Ziegenfauze gibt es nicht. Eine örtliche Legende besagt, dass ein Mann mit einer ungedeckten Ziege wieder nach Hause kam, weil er das Geld für die Deckung im Wirtshaus ausgegeben hatte. Daraufhin bekam er von seiner Frau eine Fauze. Das ist ein veralteter sächsischer Ausdruck für ‚Ohrfeige‘. Vielleicht hat auch die Ziege eine Ohrfeige bekommen. Oder die Ziege hat den Mann geschlagen. Oder die ortsansässigen Ziegen haben sich geprügelt und die Besitzer haben darauf gewettet. Wer weiß. Wie auch immer der Ort zu seinem Namen kam, dem ortsansässigen Bauunternehmer war er irgendwann zu albern, weshalb er ihn in Neu-Lömischau ändern ließ. Dieser neue Name konnte sich jedoch nie so richtig durchsetzen.
Im Jahr 1998 beschlossen die Gemeindemitglieder ihrem schönen Ortsnamen alle Ehre zu machen und errichteten ein eigenes Ortsschild, welches eine Ziege ziert. Einmal im Jahr, am 2. Oktober, findet sogar ein Schildfest statt. Dieses originelle Schild wollte ich mir nun mal ansehen. Meistens recherchiere ich im Vorfeld zu den Dingen und Orten, die ich besuchen möchte, manchmal aber eben auch nicht. Hätte ich dieses Mal vorher recherchiert, wäre ich nämlich darauf gestoßen, dass das besagte Schild schon im Jahr 2016 geklaut wurde. Es ist schon das zweite Mal, dass das passiert ist. Zwei Jahre nach seiner Aufstellung im Jahr 1998 wurde es schon einmal stibitzt. Kinder, so kann ich echt nicht arbeiten (oder bloggen)! Ich fahre liebend gerne stundenlang durchs Hinterland und freue mich auch, wenn es andere tun, aber lasst bitte die Sehenswürdigkeiten da, wo sie sind.
Ich hoffe, die Einwohner von Ziegenfauze und der Nachbargemeinde Lömischau werden sich ein drittes Mal zusammentun und ein neues Schild aufstellen. Und obwohl ich diesen Blog frei von Fäkalsprache halten möchte, da ich kein ungebildeter Schlechtmensch bin, möchte ich den Dieben folgendes sagen: Möge euch der Blitz beim Scheißen treffen!
Enttäuschung Level 3000

 

Durch den Ort führt übrigens der Spreeradweg.

 

Neschwitz

Einwohner: 824
Geburtstag: 1268 (erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen „Nyzwas“)
Bekannt für: ein Schloss aus einer Zeit, als alles noch barock war
 
Hach, diese ländliche Idylle…
 
 
Auf manchen Fahrten über buckelige Landstraßen, wenn auch mein Navi mich verlässt, frage ich mich oft, ob es das Ziel wert ist. Bis jetzt war die Antwort zum Glück immer ‚ja‘. So auch im Falle des Örtchens Neschwitz, welches über ein wunderhübsches kleines Barockschloss und den obligatorischen Park im französischen Stil verfügt, sowie nette Menschen, die sich mit einem unterhalten, wenn man möchte. (Wie in jedem Dorf gibt es wahrscheinlich auch ein paar unfreundliche Menschen, die sich nicht unterhalten möchten, aber solche sind mir nicht über den Weg gelaufen.)
Das Schloss aus dem Jahre 1723 hat, nach der Enteignung des letzten Schlossherrn Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch, die für solche Gebäude in der DDR übliche Karriere eingeschlagen und wurde als Schule, Kindergarten und Wohnung genutzt. Es diente aber auch als Vogelschutzwarte, denn der letzte Besitzer war nicht nur adelig, sondern auch Forstwissenschaftler und Ornithologe. Die Sächsische Vogelschutzwarte ist inzwischen in einen der drei sanierten Pavillons neben dem Schloss eingezogen. Bevor die Sanierung kam, drohte jedoch der Verfall. Denn während der DDR-Zeit wurde nur das Nötigste zur Instandhaltung unternommen.
Das Hauptgebäude des 5, 5 ha großen Areals ist das sogenannte „Alte Schloss“. Es wurde in den Jahren 1721 bis 1723 unter dem damaligen Besitzer Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Winnental auf dem mittelalterlichen Kellergewölbe des Vorgängerbaus errichtet. Der barocke Bau diente als Sommerresidenz für den Herzog und seine Ehefrau Ursula Katharina von Altenbockum, Reichsfürstin von Teschen, ehemalige Mätresse Friedrich Augusts I. (Gibt es auch nur einen Ort in Sachsen, der nicht irgendwie irgendetwas mit August dem Starken zu tun hat? Tipps werden angenommen.)
Das „Neue Schloss“ wurde 1766 bis 1775 erbaut. Im Mai 1945 wurde das Gebäude zur Plünderung freigegeben und angezündet. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. Auf diesem Gelände befindet sich heute die Grundschule von Neschwitz.
Dass das Schloss und das Parkgelände so gut erhalten wurde und wird, liegt hauptsächlich am dort ansässigen Heimat- und Kulturverein. Das dort an den Tag gelegte Engagement ist wirklich bewundernswert und es zahlt sich aus. Da können sich andere Heimatvereine wirklich mal eine Scheibe abschneiden. (Das soll keine Kritik an mir bekannten Heimatvereinen sein. Oder vielleicht doch.)
Das Heimatmuseum, welches vom selben Verein betrieben wird, ist auch ganz herzallerliebst. Es ist nicht viel, aber es ist eben ein kleiner Ort. Außerdem trifft man auch hier, die eingangs erwähnten netten Menschen. Ein bisschen Wehmut und Ratlosigkeit hängt in der Luft, wenn man vor der Wand mit den Wappen der Gewerbe steht, die einst im Dorf ansässig waren. Aber wie mir zum Schluss versichert wurde, gibt es in Neschwitz keinen Monat in dem nichts los ist. Das heißt im Umkehrschluss, es gibt immer einen Grund mal wieder Neschwitz zu besuchen.
 
Historischer Abriss
 
1454
Umbau der schon bestehenden Wasserburg zu einem Renaissanceschloss
1572-1595
im Besitz von Hans Haubold von Schleinitz
1595-1600
im Besitz von Friedrich von Pannewitz
1600-1620
im Besitz der Familie von Ponickau
1620-1709
im Besitz der Familie von Theler
1709-1721
im Besitz von Schack von Rumohr
1721-1737
im Besitz von Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Winnental und Ursula Katherina von Altenbockum;
Abriss des alten Schlosses und Neubau und Ausbau im barocken Stil;
1737-1757
im Besitz von Aleksander Józef Sułkowski
1757-1763
im Besitz von Johann Heinrich Simonis
1763-1945
im Besitz der Familie von Riesch bzw. ab 1866 von Vietinghoff-Riesch
1766-1775
Bau des Neuen Schlosses und Erweiterung der Parkanlage im englischen Stil
1930-1945
Gründung der Vogelschutzwarte unter der Leitung von Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch
1945
das Neue Schloss wurde komplett abgebrannt;
Nutzung des Alten Schlosses u. a. als Kindergarten und Schule
1950
Bau der neuen Schule auf Grundmauern des Neuen Schlosses
1953-1970
Nutzung des Alten Schlosses als Sitz der Vogelschutzwarte
seit 1961
Nutzung des Barocksaals als Konzertsaal
seit 1978
Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Schloss
1970-1991
Nutzung durch das Institut für Forstwissenschaften Eberswalde
seit 1998
historische Dauerausstellung im Schloss
 
 
Beim Neubau der jetzigen Anlage wurden neben dem Schloss und dem Park noch vier Pavillons, eine Balustrade mit Sandsteinverzierungen, zwei Torhäuschen, ein Jagdpavillon mit Wildpark, zwei Springbrunnen und ein Wirtschaftshof mit Brauhaus und Marstall errichtet.
 

 

Meleagros

 

Atalante
Die Sandsteinverzierungen vor dem Pavillon des ehemaligen Rentamtes und Archivs, heute Naturschutzstation

 

2015-2017 Sanierung der Parkwege und Springbrunnen durch Fördermittel und Spendengelder

 

Das blaue Tor

 

Baumliebe

 

Der Obelisk wurde 1788 zu Ehren von Wolfgang Freiherr von Riesch von seinem Sohn errichtet.

 

 

Ich hoffe, die Reliefplatte wurde zur Restaurierung entnommen.

 

Von 1988 bis 1990 wurde die Außenfassade restauriert.

 

 
Das Gewölbe der alten Wasserburg

 

 

 

 
Der Barocksaal im Erdgeschoss

 

 

Die Malerei wurde 1958 zum letzten Mal restauriert

 

 

In den angrenzenden Räumen des Erdgeschosses gibt es eine kleine Ausstellung über die Familie von Vietinghoff-Riesch

 

Eine nette Teegesellschaft

 

Ein ganz besonderes Bücherregal

 

 

 

Ich wünschte, mein Schreibtisch sähe so ordentlich aus.

 

Wenn man keine originalen Ausstellungsstücke mehr hat, muss man sich anders helfen. Besonders kleine Sehenswürdigkeiten bzw. Museen legen dabei oft eine bewundernswerte Kreativität an den Tag. Das Wandbild über dem Bett zeigt einen Ausschnitt des ursprünglichen Himmelbettvorhangs aus dem Alten Schloss der Ursula Katharina, Reichsfürstin von Teschen. 

 

Die Räume des oberen Geschosses dienen als kleine Galerie und zeigen Arbeiten von lokalen Künstlern.

 

 

 

 

 

Der Schlossteich.
Neschwitz war einst eins der Zentren der Karpfenproduktion in der Oberlausitz.

 

 

 

Über die Entstehung der Kirche ist nichts genaues bekannt. Im 17. Jahrhundert wurden einige bauliche Veränderungen, sowohl innen als auch außen vorgenommen.

 

Der Kirchturm wurde 1693 errichtet. Er wurde 1945 zerstört und verlor dabei auch seine Turmhaube. Seit 2009 hat der Turm wieder eine Haube, die das Landschaftsbild prägt.

 

 

Das Heimatmuseum.
Bis jetzt das von-außen-am-wenigsten-nach-Museum-aussehende Museum in dem ich je war.

 

Eine Sonderausstellung über medizinische Geräte und Zubehör aus einer Privatsammlung. Das Gerät links neben dem Krankenschwesteroutfit ist eine Tretbohrmaschine aus einer Zahnarztpraxis. Früher war definitiv nicht alles besser.

 

Die Wappen der Gerwerbe, die einst im Ort ansässig waren.

 

Nachgefertigte sorbische Trachten.

 

Modelle historischer Gebäude, die von Schülern der Umgebung im Werkunterricht angefertigt wurden. Die Mittelschule von Neschwitz wurde im Jahr 2009 geschlossen. Die anderen Schulen der Umgebung haben traurigerweise kein Interesse an der Fortführung dieses Projektes.

 

Neben dem Gelände der heutigen Grundschule steht am Ende der Kastanienallee noch ein zum Schlosskomplex gehörendes Gebäude.

 

Der zwischen 1721 und 1723 errichtete Jagdpavillon gehört heute mit zum Geländer der Jugendherberge Neschwitz. Von familiären Zeitzeugen konnte ich in Erfahrung bringen, dass es dort schon vor 40 Jahren sehr schön war.

 

Knappenrode

Knappenrode
Einwohner: 705
Geburtstag: 1913 (nein, ich habe die Zahl der Einwohner nicht mit dem Gründungsdatum verwechselt)
Bekannt für: einen Haufen Braunkohle und einen See

 

Werminghoff war bis 1921 nur eine Arbeiterkolonie und erst ab jenem Jahr erlangte es den Status einer Gemeinde. Im Jahr 1950 wurde die Gemeinde in Knappenrode umbenannt, da ein Ort der nach einem pösen kapitalistischen Großindustriellen benannt war, nicht in den Sozialismus passte

Genauso drängend wie die Frage der Nutzung von alten Schlössern ist die Frage der Nutzung von alten Industriestandorten.  Abreißen oder zum Museum umgestalten? Nur weil ich gerne in Museen gehe, heißt das nicht automatisch, dass ich immer dafür bin aus jedem alten Gemäuer ein Museum zu machen, oder es in irgendeiner anderen Form zu erhalten. Das klingt jetzt natürlich sehr hart und einige werden sich fragen, wie ein kulturaffiner Mensch so etwas sagen/schreiben kann.

Ich sehe es einfach so, dass man nicht alles erhalten kann, nur weil es alt ist. Es kommt immer darauf an, in welchem Zustand sich die Gebäude bzw. Anlagen befinden und ob ein öffentliches Interesse daran besteht, diese zu erhalten. Wenn dem so ist, finde ich das natürlich toll, aber wenn es nicht so ist, kann ich, wenn auch oft zähneknirschend, damit leben. Denn das was zur Erhaltung historischer Stätten nötig ist, ist oft nicht in dem Maße vorhanden, in dem es nötig wäre. Gemeint ist natürlich Geld. Was sonst? Ein Rohstoff, der in der Kulturbranche sehr oft sehr knapp ist.
Wer aber über ein paar Einheiten des besagten Rohstoffes verfügt, kann ihn zum Beispiel in einen Besuch der Energiefabrik Knappenrode investieren, um etwas über einen anderen Rohstoff zu lernen. Gemeint ist die Braunkohle, deren Abbau die Lausitz landschaftlich geprägt hat und es immer noch tut.
Die Energiefabrik nutzt das Areal der ehemaligen Brikettfabrik, welches sich über 25 ha erstreckt. Die Anlage ist also definitiv nichts für Fußlahme. Für alle, die von einem Museumsbesuch mehr erwarten, als das bloße Ablaufen von Objekten, ist es die richtige Adresse. Ehe ich jetzt hier alles aufzähle, was es zu entdecken gibt und am Ende doch noch etwas vergesse, folgen hier nur meine Highlights.
Es gibt einen Schaustollen den man durchlaufen und sich wie ein richtiger Bergarbeiter fühlen kann. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie es ist, den ganzen Tag kaum Sonnenlicht zu sehen. Wenn man über 1, 60 m groß ist, ist auch die Stollenhöhe nicht gerade optimal für eine gesunde Körperhaltung. Die erwartete Kontaktaufnahme meiner Stirn mit den Stützbalken blieb glücklicherweise aus. Und falls sie doch eingetreten wäre, hätte mich der an der Kasse ausgegebene Schutzhelm hoffentlich vor Beulen bewahrt. Den Schutzhelm benötigt man auch beim sogenannten FabrikErlebnisRundgang. Auf sieben Etagen erfährt man, welche industriellen Schritte notwendig sind, damit aus der abgebauten Braunkohle ein Brikett wird. Neben den immer noch funktionstüchtigen Maschinen stehen Hörstationen mit Zeitzeugenberichten der ehemaligen Arbeiter. Die authentische Zeitreise wird abgerundet durch den Fabrikgeruch, welcher immer noch in der Luft hängt und wohl nie verschwinden wird.
Sehr niedlich ist auch die Ausstellung „Heiß geliebt“, in der Sachsens größte Öfen- und Feuerstättensammlung präsentiert wird. Es handelt sich dabei um die Privatsammlung eines ehemaligen Schornsteinfegermeisters, die ca. 700 Objekte umfasst, von denen 120 ausgestellt werden. Es gibt wahrscheinlich nichts, was man nicht sammeln kann. Darin sind Deutsche ja irgendwie Meister, habe ich mal gehört. Nichtsdestotrotz ist die Sammlung wirklich sehr schön und Kamin und Ofen sind als Heizgeräte gerade wieder en vogue. Wer also noch stilistische Anregungen braucht, kann da ruhig mal hineinschauen.
Die vielen Räume und Häuser der Anlage werden noch für andere Ausstellungen genutzt und bieten auch der Kunst ihren Raum.
Es wird sich aber auch mit der Geschichte der Region beschäftigt, kurz bevor hier Kohle abgebaut werden konnte. Von 1928 bis 1983 wurden acht Ortschaften umgesiedelt und abgerissen, um u. a. die Tagebaue Werminghoff I und II zu eröffnen. Es waren zum großen Teil Bauern, die dann später in den Gruben arbeiteten. Gerade die Thematik der umgesiedelten Ortschaften aus wirtschaftlichen Gründen lässt die Problematik des Heimatbegriffs mal wieder aufleuchten. Wie muss das sein, wenn einem die Existenzgrundlage entzogen wird oder die Abrissbirne durch das Haus schwingt, in dem man sein Leben lang gewohnt hat? Ist es die Zerstörung einer ganzen Kulturlandschaft und von Flora und Fauna wert, wenn dadurch im Gegenzug viele neue Jobs entstehen und die Region einen wirtschaftlichen und technischen Aufschwung erfährt? Über diese und viele andere Fragen kann man sich gerne mal den Kopf zerbrechen, wenn man an einem der vielen gefluteten Restlöcher sitzt, die inzwischen zum Lausitzer Seenland gehören.
In diesem Sinne, Glück auf.

 

 

Historischer Abriss

 

01. Januar 1887
Gründung der Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG durch Joseph Werminghoff in Berlin
1913/14
Gründung der Arbeitersiedlung Werminghoff mit Grube, Brikettfabrik und Bahnhof; eingeleitete Maßnahmen zum Aufschluss des Tagebaus durch 1. WK unterbrochen
August 1917
Förderung der ersten Rohkohle aus Werminghoff I
1938
Förderung der ersten Rohkohle aus Werminghoff II
März 1945
Werminghoff I ausgekohlt
1951 – 1953
gezielte Flutung von Werminghoff I führte zu Entstehung des Knappensees
1950
Umbenennung der Ortschaft in Knappenrode
25. Januar 1993
Stilllegung der Brikettfabrik
18. Juni 1994
Eröffnung der Energiefabrik Knappenrode

 

Die Energiefabrik gehört zum Zweckverband Sächsisches Industriemuseum und ist Teil der Europäischen Route der Industriekultur.

 

Die Heilige Barbara ist heute zumeist als Schutzpatronin der Bergleute bekannt. Ihr Gedenktag ist der 4. Dezember.

 

Die Schaufelradbagger am Rand des ehemaligen Tagebaus Werminghoff I

 

Ein Blick in den Schaustollen

 

 

 

Förderturm

 

Die ehemalige Brikettfabrik

 

Die Ofen- und Feuerstättenausstellung „Heiß geliebt“

 

Kohleherd, um 1910
Hersteller: Küppersbusch, Gelsenkirchen/Nordrhein-Westfalen
Material: Eisen – gegossen, Eisenblech – emailliert
Brennstoff: Kohle, Holz

 

Kombinierter Gas-Kohle-Herd, um 1910
Hersteller: unbekannt
Material: Eisen – gegossen, Eisenblech – emailliert
Brennstoff: Gas und Kohle
Notofen, um 1945
Hersteller: Eigenbau
Material: Eisen – gegossen, geschwärzt
Brennstoff: Holz und Kohle

 

 

Was bleibt? – Ausstellung über die devastierten Ortschaften…

 

… im ehemaligen Turbinensaal

 

 

Jazorina. Die Lausitz im Wandel…

 

… eine Fotoausstellung von Freya Najade

 

Der FabrikErlebnisRundgang

 

Die Doppel-Schwingsiebe klassifizierten das feuchte Kohlegut: Stücke unter sieben Millimetern fielen durch die Sieböffnungen und gelangten über die Förderbänder auf den Feinkohleboden. Die groben Stücke gelangten vom Überlauf in die darunter liegenden Hammermühlen.

 

Im Ofenhaus herrschte ein Lärmpegel von 90 bis 94 Dezibel, was in etwa dem Lärm eines Presslufthammers entspricht.
Die Temperatur auf der Arbeitsebene lag ungefähr bei 50° Celsius, direkt an den Trockenöfen bei 70° Celsius.

 

 

Etwa ein Kilogramm Rohfeinkohle wurde benötigt, um daraus ein pfundschweres Brikett zu pressen.

 

Die Waschkaue bietet einer weiteren Fotoausstellung Platz:

 

Die Zukunft der Arbeit von Olaf  Martens

 

 

Neben der Fotoausstellung findet man in diesen Räumen auch die Dauerausstellung „Schätze der Erde – Minerale der Lausitz“.