Schleswig

Einwohner: 24.266
Geburtstag: 804
Bekannt für: die namensgebende Hälfte des nördlichsten deutschen Bundeslandes, ein Schloss, Männer mit Bärten
a. k. a. Wikinger
Wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man an die Nord- oder Ostsee fahren soll und das Wetter auch keine große Hilfe ist, wie wär’s dann mal mit der Mitte? Die Stadt Schleswig liegt so günstig, dass man zu jeder Küste weniger als eine Stunde unterwegs ist. Empfehlenswert ist aber zunächst die Stadt selbst kennenzulernen. Die Wikingerstadt liegt an der Schlei, an welcher man auch entspannt langspazieren oder auf einem der Stege sitzen und den Sonnenuntergang genießen kann.
Vor 850 Jahren war Schloss Gottorf eine mittelalterliche Wasserburg.

 

Der Herzog von Schleswig und König von Dänemark Friedrich I. baute es zu einer Renaissancefestung aus.

 

Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten.
Der Skulpturenpark

 

Die Reithalle

 

 

Historischer Abriss des Schlosses Gottorf
1161
Errichtung unter Bischof Occo
1268
Gottorf geht im Tausch an Herzog Erich I. von Schleswig
1340
Gottorf im Besitz der in Holstein regierenden Schauenburger Grafen
1460
Vertrag von Ripen: König Christian I. von Dänemark, Norwegen und Schweden wird Graf von Schleswig und Holstein; Personalunion zwischen dänischem König und schleswig-holsteinischem Herzog bis 1864
1492
Brand der mittelalterlichen Burg, Wiederaufbau des Südflügels
1523
Herzog Friedrich I. wird dänischer König; Gottorf bleibt Hauptresidenz
1616-1659
unter Herzog Friedrich III. kulturelles Zentrum Nordeuropas; Ausbau der Bibliothek; Errichtung der Kunstkammer
1665
Vollendung des Neuwerkgartens und des Globushauses
1697-1703
barocker Umbau des Schlosses
ab 1731
Residenz der dänischen Statthalter
1848-1851
während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung Nutzung als Lazarett
1852
Nutzung als dänische Kaserne
1864
Nutzung als preußische Kaserne; Verlust der ursprünglichen Ausstattung und Einrichtung; Errichtung von Stallungen und einer Exerzierhalle
1871
Explosion des großen Standerkers
ab 1945
Auffanglager für Flüchtlinge; teilweise Vermietung
ab 1948
Sitz der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen
1985-1987
Wiederaufbau des großen Standerkers
Das Schloss Gottorf ist neben dem Wikingerdorf Haithabu wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit. Es steht auf einer eigenen Insel umgeben von einem Burgsee und beherbergt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und das Archäologische Landesmuseum.
Wie in vielen anderen Kulturmuseen beginnt die Zeitachse im Mittelalter und arbeitet sich dann bis zur Gegenwart vor. Neben den üblichen Verdächtigen wie Altaraufsätzen, Möbeln, Waffen und diverser Volkskunst, gibt es eine Gruppe von Werken von Lucas Cranach d. Ä. und die Rendsburger Gutenberg-Bibel zu sehen.
Hervorzuheben ist außerdem die barocke Sammlung bzw. Raumausstattung. Die Stuckdecken im Weißen und Blauen Saal sind wunderschön und der Hirschsaal mit seinen Hochreliefs ist schon sehr speziell (das ist nicht negativ gemeint).
Das Archäologische Landesmuseum ist bis auf die Moorleichen und das sehr eindrucksvolle Nydam-Boot leider etwas dröge. Wenn man nicht gerade ein leidenschaftliches Interesse für die Archäologie hat, läuft man nur durch, um zu den vorgenannten Highlights zu kommen. Das Nydam-Boot ist in einer eigenen Halle zu besichtigen. Auch die Kunstsammlungen und die Sonderausstellungen sind in den umliegenden ehemaligen Wirtschaftsgebäuden des Schlosses zu finden. Diese Aufteilung führt dazu, dass die Ausstellungsräume nicht zu überladen sind, weder an Besuchern noch an Objekten.
Wenn man nach der Schlossbesichtigung immer noch nicht fußlahm ist, kann man anschließend durch den barocken Neuwerkgarten flanieren. Der Terrassengarten beherbergt auch das Globushaus, indem sich ein Planetarium aus dem 17. Jahrhundert in Form eines Riesenglobus befindet, der es einem erlaubt in acht Minuten um die Welt zu reisen.
Die Kunst und Kultur des Mittelalters im Erdgeschoss

 

Umkreis Meister Bertram von Minden (um 1340-1414/15, Hamburg)
Altaraufsatz mit Flügeln
um 1380, Eiche vergoldet, farbig gefasst

 

Der mehrgeschossige Standerker, genannt „Laterne“,  wurde 1530 mit dem neuen Westflügel errichtet. Die Wappenscheiben der Fenster stammen aus Kirchen und Rathäusern des Landes Schleswig-Holstein.

 

Und ist es nicht barock, so kriege keinen Schock.

 

Es hängen viele Portätgemälde von schlechtgelaunten Adeligen im Schloss. Deshalb hier ein Familienportät. Da gucken zwar auch nicht alle fröhlich, aber das ist ja heutzutage auch nicht anders.
Unbekannter norddeutscher Maler
Familienbild aus Rüllschau bei Glücksburg
um 1620/30, Öl auf Leinwand

 

Die Lübecker Weinstube von 1644 wurde um 1900 aufgegeben und danach in das Landesmuseum überführt.

 

Durch die Fenster fiel der Blick früher auf den Hafen.

 

 

Die Barocksuite ist ein Eckraum der ab 1624 mit Stuckaturen ausgestattet wurde.

 

Der weiße Saal
Die Stuckdecke wird Hans Georg Ritteln zugeschrieben.

 

Der blaue Saal
Er erhielt seine heutige Farbfassung im 18. Jahrhundert.

 

Im Zentrum findet man Medaillons mit Fruchtgehängen umrahmt von Knorpelwerk aus Voluten, Vögeln und Masken.

 

Die Schlosskapelle
Sie ist der am besten erhaltene Raum des Schlosses.

 

Die Kapelle wurde in Jahren 1585 bis 1590 im Stil der Renaissance gebaut.
Die Empore und die Kanzel wurden vom Flensburger Meister Heinrich Kreienberg geschnitzt.

 

Detail aus der Betstube, die in den Jahren 1610 bis 1613 errichtet wurde und beheizbar war.
Der Hirschsaal
Dieser Raum wurde am Ende des 16. Jahrhunderts als Fest- und Speisesaal errichtet.

 

Die Stuckplastiken der Hirsche wurden vermutlich von der Wanderkünstlerfamilie Parr geschaffen.

 

Wahrscheinlich trugen ursprünglich alle Tierfiguren Geweihe.

 

Spätbarock und Rokoko

 

 

Klassizismus und Biedermeier

 

Archäologisches Landesmuseum 
Sehr interessantes Kunstwerk über den Müll den zukünftige Archäologen mal von uns ausgraben dürfen.
 
Steinzeitliche Jäger

 

Hier sehen sie den Archäologen in seiner natürliche Umgebung. Um ihn nicht zu verschrecken, vermeiden sie bitte plötzliche Bewegungen.

 

 

Und wo genau sind die Moorleichen jetzt?

 

Der Schlosshof mit Renaissancefassade

 

Der Brunnen auf dem Schlosshof

 

Das Nydam-Boot

 

Der Blick auf den Burgsee

 

Der Neuwerkgarten mit dem Globushaus

 

Der Gottorfer Herkules steht als Nachbildung mitten des extra angelegten Teiches. Der 6m hohe Originaltorso befindet sich im Schloss.

 

Von 1650 bis 1768 stand an dieser Stelle ein Lustschloss. Der jetzige Neubau wurde 2008 errichtet.

 

 

 

 

Die kleine Kaskade mit Tempel und Delfinen
Die Stadt Schleswig bietet an sich leider nicht so viel, wie sie könnte. Die Innenstadt stinkt gegen die zwei großen kulturellen Magneten Schloss und Wikingerdorf ein bisschen ab. Und das müsste ja nun wirklich nicht sein. Wenn es eine positive Entwicklung der Konsumgesellschaft gibt, die ich vollends unterstütze, dann die der finanziellen Ausbeutung von Touristen. Und ehe sich jetzt wieder jemand empört, weil das ja total fies ist, muss ich darauf hinweisen, dass ich zwischen Besuchern und Touristen unterscheide. Erstere haben Sinn für Kunst und Kultur und besuchen einen Ort, um danach im Internet überklug darüber zu bloggen. Die zweite Gruppe besteht meiner Beobachtung nach hauptsächlich aus erwachsenen AK’s (Wer nicht weiß was ein AK ist, hat wahrscheinlich keines. Herzlichen Glückwunsch!). Am Ende darf jeder gerne selbst entscheiden zu welcher Gruppe er sich zugehörig fühlt.
Also Schleswig, du hast das Potenzial, ran an den Speck!
Stadtpark Königswiesen

 

Blick vom Aussichtsturm am Wiesendamm

 

 

Es folgen Bilder von hübschen Häuschen.

 

 

 

 

Der achteckige Wikingturm ist 90m hoch.

 

 

Der Turm hat 27 Stockwerke und 241 Appartements.

 

An der Schlei

 

Jede Nacht, jeden Tag auf der Jagd, denn das Rudel tollt, wenn der Rubel rollt!
P. S.: Dem geneigten Leser mag aufgefallen sein, dass in diesem Beitrag sehr wenig Wikinger-Action zu finden ist. Das liegt daran, dass ich nicht in Haithabu war. Dieser Besuch wird zu einem geeigneteren Zeitpunkt nachgeholt. Versprochen.