Großgörschen

Geburtstag: 1277 (urkundliche Ersterwähnung)

Einwohner: 819

Bekannt für: eine Schlacht aus der ein Volksfest wurde

Wie viele Erinnerungsstücke braucht es im öffentlichen Raum, um ein historisches Ereignis im kollektiven Gedächtnis zu halten? Und in welcher Form sollte dies gemacht werden? Genügt ein Monument aus Stein? Oder sind in den Gehweg eingelassene Grabplatten besser? Braucht eine Gesellschaft Gedenktage, an denen man mehr oder weniger pathetisch Blumenkränze niederlegt?

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Röcken

Einwohner: 170
Geburtstag: 1232 (erstmals urkundlich erwähnt)
Bekannt für: den Geburtstort und die letzte Ruhestätte von Friedrich Nietzsche
Am 15. Oktober 1844 wurde Friedrich Nietzsche in dem kleinen Ort Röcken in der Nähe von Lützen als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren. Dort verbrachte er die ersten Jahre seiner Kindheit, bis er nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Naumburg zog. Doch nicht nur sein Geburtshaus findet man in der kleinen Gemeinde, sondern auch Nietzsches letzte Ruhestätte im Familiengrab an der Dorfkirche. Eigentlich wollte er auf der Halbinsel Chasté am Silser See bestattet werden, was seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche, die sich um seinen Nachlass kümmerte, von den Weimarer Behörden verwehrt wurde. Sie selbst wollte ihren Bruder am liebsten in Weimar bestatten, um das von ihr dort gestaltete Nietzsche-Archiv zu einem Pilgerort zu machen. Letztendlich verbrachte sie seinen Leichnam nach Röcken und nach einer großzügigen Spende konnte der Pfarrer überredet werden, die Beisetzung auf dem alten Friedhof der Dorfkirche zuzulassen. Der Pfarrer selbst war nicht zugegen, da Friedrich Nietzsche kein Gemeindemitglied war und sich in seinen Schriften kritisch zum Christentum und zur Religion im Allgemeinen geäußert hatte. Zu der nicht-kirchlichen Beerdigung erschienen Verwandte und Weggefährten Nietzsches die aus „Also sprach Zarathustra“ zitierten, anstatt aus der Bibel.
In der Folgezeit zog das Grab immer wieder Besucher an. Durch Nietzsches starke Rezeption während der Zeit des Nationalsozialismus, galt er in der DDR (und nicht nur dort) als Nazi-Philosoph und wurde in der Forschung weitgehend ignoriert. Trotzdem wurde die Grabstätte immer wieder besucht und letztendlich 1986 unter Denkmalschutz gestellt. Auch die Beurteilung des Werkes Nietzsches erfuhr neue Perspektiven. (Über die Bedeutung von Friedrich Nietzsche innerhalb der Philosophie kann ich nichts sagen, da ich davon überhaupt keine Ahnung habe und mir nur oberflächliches Halbwissen angelesen habe. – Anm. der Autorin)
Anlässlich seines 100.Todestages im Jahr 2000 wurde die Skulpturengruppe „Röckener Bacchanal“ des Künstlers Klaus F. Messerschmidt eingeweiht. Dabei handelt es sich um Bronzen mit einem weißen Überzug, die Nietzsche dreimal und seine Mutter einmal an seinem eigenen Grab zeigen. Die Idee zu diesem Ensemble geht auf einen Traum zurück, den Nietzsche seinem Freund Jacob Burckhardt 1889 in einem Brief beschrieb. Im Jahr 2003 wurde die ganze Gedenkstätte bestehend aus dem Geburtshaus, der Taufkirche, der Dorfschule und des Familiengrabs aufwendig saniert und die jetzige Ausstellung eingerichtet, die Nietzsches Lebensstationen zeigt, aber dabei besonders auf seine ersten Lebensjahre und seine familiären Verbindungen in und um Röcken eingeht.
Die Dorfkirche
Die ältesten Bauteile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Im 15. und 16. Jahrhundert folgte ein Ausbau, da die Gemeinde anwuchs.

 

Das Grab Friedrich Nietzsches neben seiner Schwester und seinen Eltern.

 

 

Zwei Epitaphien der letzten Ritter von Kratzsch aus dem 17. Jahrhundert

 

Die Orgel wurde im Jahr 1788 aufgestellt. Über ihr genaues Alter oder die Herkunft ist nichts bekannt.

 

Das Röckener Bacchanal
von Klaus F. Messerschmidt

 

 

Der Ausstellungsraum im Nebengebäude des Geburtshauses

 

 

Das Geburts- und Pfarrhaus
Röcken

Zeitz

Zeitz
Geburtstag: 967 (erstmals urkundlich als Cici erwähnt)
Einwohnerzahl: 23.973
Bekannt für: einen Dom und viele produzierte Kinderwagen (kein direkter Zusammenhang)
Bonjour tristesse! Es hat bei meinen Besuchen in Zeitz übrigens jedes Mal geregnet, aber es unterstreicht ganz gut das traurige Gesamtbild.
Kinderwagen oder Tragetuch? Dies ist die Fragestellung mit der sich werdende Eltern unter anderem auseinandersetzen und mit der man hitzig geführte Debatten in Elternforen auslösen kann. Wenn man sich der Frage historisch nähert ist die Antwort ziemlich einfach. Das Tragetuch war zuerst da. Wie es zur Kinderwagenentwicklung kam und wieso man den am Anfang noch hinter sich hergezogen hat, beantwortet das Deutsche Kinderwagenmuseum in Zeitz. Es befindet sich im Schloss Moritzburg, der ehemaligen Residenz der Herzöge von Sachsen-Zeitz. Diese sogenannte Sekundogenitur bestand von 1656/57 bis 1718. Die wettinische Nebenlinie starb nach 69 Jahren im Mannesstamm aus und das Herzogtum fiel wieder zurück an die kursächsische Hauptlinie. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Zeitz auf Beschluss Preußen zugeteilt und das Schloss diente bis 1920 als Landarmen- und Korrektionsanstalt. Im Jahr 1931 wurde bereits ein Museum eingerichtet, das ab 1946 wieder öffnete. Während des Krieges diente es als Lager für Zwangsarbeiter. Das Deutsche Kinderwagenmuseum hat seinen Platz seit 1996 im Schloss und wurde nach Renovierungsarbeiten 2016 wiedereröffnet. Am Beginn der Kinderwagenproduktion in Zeitz steht der gelernte Stellmacher Ernst Albert Naether, der neben Pferdewagen auch Gestelle für Kinderwagen fertigte und diese 1852 erstmals auf der Leipziger Messe anbot. Angekurbelt durch den Erfolg konzentrierte sich das Unternehmen E. A. Naether auf die Serienproduktion von Kinderwagen (später auch Puppenwagen, Rodelschlitten usw.) und gab den Großwagenbau auf. Die Arbeitsräume fand man ab 1860 zunächst im Schloss Moritzburg. Ernst Albert Naether war nicht der einzige Kinderwagenproduzent in der Stadt und während der Gründerzeit siedelten sich viele andere Unternehmer an. Bis zur Enteignung 1946 befand sich das Unternehmen unter der Leitung der Familie Naether. Im Jahr 1950 wurden gingen die Produktionsanlagen in der neugegründeten VEB Zeitzer Kinderwagenindustrie (ZEKIWA) auf.
Das Torhaus wurde 1661 bis 1672 errichtet und zwischen 1996 bis 2004 umfassend saniert.
Auf den Grundmauern der zerstörten Bischofsburg wurde zwischen 1656 bis 1678 das Schloss Moritzburg gebaut.
Seit den 1990er Jahren bis 2004 wurde das gesamte Schloss- und Schlossparkensemble umfassend saniert. 2004 fand hier die Landesgartenschau statt.

 

 

 

 

Und wer hat’s gewusst? Mal wieder niemand.
Was gibt’s noch zu sehen?
Zeitz war einst bestimmt eine schöne Stadt. Leider weht heutzutage der Hauch des leisen Verfalls durch die Straßenzüge, denn viele historische Gebäude sind Ruinen. Laut der heimatkundlichen Literatur trägt an diesem Zustand wahlweise der Sozialismus oder der Kapitalismus die Schuld, je nachdem welches Feindbild man bevorzugt und pflegt. Am Ende fehlt einfach mal wieder Geld und Liebe und Engagement. Und vor allem Geld. Vielleicht geschieht ja irgendwann doch noch ein Wunder und der anonyme Spender von Görlitz hat mal wieder Lust alte Bausubstanz zu erhalten. Oder wir warten einfach weiter bis alles so marode ist, dass es abgerissen werden muss. Dann wird aber bitte hinterher nicht herumgejammert.


Der Dom St. Peter und Paul

 

Im Jahr 968 wurde das Bistum Zeitz gegründet und vermutlich auch mit dem Bau einer Bischofskirche begonnen. Zwischen 1028 und 1100 entstand ein romanischer Neubau, der im 14./15. Jahrhundert zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut wurde. Der Herzog von Sachsen-Zeitz ließ die Kirche im 17. Jahrhundert zur Schlosskapelle umbauen und die Türme entfernen.


Die Michaeliskirche

 

Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Kirche im Jahr 1154. Auch diese Kirche wurde durch alle Stilepochen mehrmals umgebaut, zum letzten Mal im Jahr 1844. Im Jahr 1976 verbrannte sich der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Protest gegen das politische System öffentlich vor dieser Kirche.


Das Franziskanerkloster

 


Das Kloster stammt aus dem 13. Jahrhundert und bestand bis zu seiner Auflösung 1541. 1542 predigte Martin Luther hier aus Anlass der Amtseinführung des ersten evangelischen Bischofs Nicolaus von Amsdorf. Da in der Region um Zeitz besonders viele Luthernachkommen lebten und leben, wird sie auch „Stadt der Luthernachkommen“ genannt und die Lutheriden-Vereinigung hat hier ihren Sitz.

Die Stephanskirche


Die Kirche wurde 1741 auf den Mauern der Vorgängerbauten, u. a. dem Kloster St. Stephan, errichtet.

Das Rathaus


Das Gebäude wurde zwischen 1505 und 1509 errichtet.

Das Unterirdische Zeitz (Der Eingang)

Unter der Altstadt findet sich ein Gebilde aus Gängen und Gewölben, die im 15. und 16. Jahrhundert zum Lagern und Reifen von Bierfässern genutzt wurden und die man heute besichtigen kann.

Das ehemalige Fabrikgebäude von E. A. Naether

Es wurde 1908 auf dem Fabrikgelände errichtet und steht heute leer und zum Verkauf.
Die Familie Naether hat mit mehreren Gebäuden das Stadtantlitz geprägt. Hier ist die Villa von Albin Naether zu sehen, die im Stil des Historismus gebaut wurde und absolut gar nicht protzig und irgendwie ein bisschen drüber wirkt.
Das Theater im Capitol

 

Das Capitol war eines von drei Filmtheatern und wurde bis 1996 noch als solches genutzt. Inzwischen ist es ein Theater.
Denkmäler und Skulpturen
 

Roßmarkt: „Spielende Pferde“ von Joachim Hering, Bronze auf afrikanischem Granit, 1991

Kann mir bitte jemand sagen, was dieses Skulpturenensemble darstellt? Ich nehme mal an, dass es ein historisches Ereignis oder eine lokale Sage zeigt. Zu Hülf.

 

 
Die Rückansicht des Mahnmals für die Opfer des Faschismus am Markt. Im Hintergrund steht das ehemalige Gewandhaus.

 

Ein Gedenkstein für die aus Zeitz stammenden Brüder und Afrikaforscher Clemens und Gustav Denhardt.
Schöne Fassadentierchen.
Und zum Schluss eine Ansammlung trauriger Gebäude, die niemand lieb hat…

 

Von 1877 bis 1960 existierte eine Drahtseilbahn, die Personen und Pferdefuhrwerke beförderte.

Die Rahnestraße

 

 

In diesem Haus wurde 1825 der Erbauer des Nord-Ostseekanals, Otto Baensch, geboren.