Geburtstag: 1200 (eine Siedlung wurde wohl schon um 1170 angelegt)
Einwohner: 14.693
Bekannt für: viel Streit um viel Flusswasser
Die selbsternannte Perle des Muldetals hat in diesem Jahrtausend bisher hauptsächlich mit hohen Pegelständen bei den Hochwassern von 2002 und 2013 von sich reden gemacht. Und mit allen Nachwirkungen, die damit einhergingen: Hochwasserschutz, Denkmalschutz, Naturschutz. Offensichtlich sind dies drei Themengebiete, die nur schwer zu vereinbaren sind und es wurde viel darüber diskutiert. Man mag die Argumente der einen oder der anderen Seite bevorzugen und darüber streiten wie zweckmäßig die Bürgerinitiativen in dieser Sache waren. Am Ende bleibt zu sagen, dass Grimma eine schöne Stadt voller netter Menschen (zumindest mir gegenüber) ist. Und deshalb besucht sie schnell, bevor sie wieder vollläuft und die Bürger einen schönen Blick auf die Mulde in ihrem Keller haben, der von keiner Hochwasserschutzmauer verbaut wurde.
Inhaltsverzeichnis
Was gibt’s da zu sehen? (ohne Anspruch auf Vollständigkeit; wird mit der Zeit erweitert… vielleicht)
Das Göschenhaus mit der Seume-Gedenkstätte
Dieses Museum ist mein persönlicher Favorit in der Stadt und ich kann einen Besuch nur empfehlen. Der Rundgang durch das Haus erfolgt ausschließlich mit einer Führung, aber die braucht man auch, wenn man einigermaßen unvorbereitet dahin geht und nicht wirklich weiß, wer Georg Joachim Göschen (1752-1828) oder Johann Gottfried Seume (1763-1810) ist (shame on me). Göschen war ein Verleger in Leipzig und brachte unter anderem die Werke von Goethe, Schiller, Wieland, Seume und vielen anderen Vertretern der Klassik heraus. Im Jahr 1795 kaufte er das Landgut in Hohnstädt bei Grimma als Sommersitz für seine Familie. Später verlegte er seine Druckerei und auch seinen Hauptwohnsitz nach Grimma, weil ihn Leipzig nervte oder irgendjemand in Leipzig. So genau habe ich mir das leider nicht gemerkt. Vorstellbar ist beides. Seume hat bei ihm hauptsächlich als Korrektor gearbeitet, bevor er dann nach Syrakus spazierte.
Das Museum ist sehr liebevoll gestaltet und im Besitz vieler authentischer Objekte, wie zum Beispiel Möbel und Haushaltsgegenstände, natürlich Bücher, die Spazierstöcke von Seume und den Beistelltisch auf dem Friedrich Schiller (1759-1805) seine Manuskripte ablegte, als er Göschen einst zwei Tage lang besuchte. Den durfte ich übrigens berühren! Für alle Schiller-Fangirls und -boys sollte ein Besuch also Pflicht sein. Es ist auch viel günstiger als Weimar.
Das Kreismuseum
Auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerkirchhofes richtete Magdalena von Staupitz (um 1485-1548) 1529 die erste Mädchenschule der Stadt in diesem Gebäude ein. Seit 1901 befindet sich in den Räumen eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte, die von den Anfängen der Stadt im 13. Jahrhundert bis zur Entwicklung wichtiger Industriezweige im 19. und frühen 20. Jahrhundert reicht. Daneben gibt es auch immer wechselnde Sonderausstellungen.
Die Klosterkirche St. Augustin
Die 1435 errichtete Saalkirche gehörte bis 1937 zur angrenzenden Fürsten- und Landesschule. Dann wurde die Stadt Eigentümerin und nutzt den Bau nur noch gelegentlich. Der Leerstand überwog mit der Zeit und das Gebäude verfiel. Anfang der 1990er Jahre wurde die Kirche wieder instand gesetzt und dient inzwischen als Veranstaltungsort für Konzerte.
Das Gymnasium St. Augustin
Im Jahr 1550 veranlasste der sächsische Kurfürst Moritz (1521-1553) die Einrichtung einer Fürstenschule in dem ehemaligen Klostergebäude des Augustiner-Eremiten-Ordens, welches um 1300 erbaut wurde. Im 19. Jahrhundert erfolgten mehrere notwendige Umbauten und Abrisse. Das heutige Schulgebäude im Neorenaissance-Stil wurde im Jahr 1891 eingeweiht.
Das Schloss
Von 1389 bis 1402 wurde die schon bestehende Burganlage zu einem Schloss ausgebaut, das den Wettinern im 15. und 16. Jahrhundert als eine Nebenresidenz diente. Herzog Albrecht (1443-1500), der Begründer der albertinischen Linie, wurde 1442 dort geboren. In der Folgezeit wurde Grimma als Justizstandort ausgebaut und ab 1880 war im Schloss das Amtsgericht mit einem Gefängnis untergebracht. Bis heute ist das Gebäude Sitz des Amtsgerichtes und eine Außenstelle der Staatsanwaltschaft Leipzig.
Die Pöppelmannbrücke
Die Steinbrücke wurde von 1716 bis 1719 nach den Plänen des Zwingerbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736) errichtet. Im Verlauf des Hochwassers 2002 wurde sie stark beschädigt und musste letztendlich gesprengt werden. Der Wiederaufbau erfolgte und seit 2012 ist sie wieder freigegeben, allerdings nur für den Fußgängerverkehr.
Das Rathaus
Das Rathaus wurde nach einem Stadtbrand im Jahr 1538 neugebaut und erhielt dabei seinen, das Altstadtbild von Grimma, prägenden Renaissancegiebel. Die Rathausgalerie wurde am Ende des 18. Jahrhunderts angebaut und diente zeitweise den in der Stadt stationierten Husaren als Unterkunft. Heute befindet sich darin die Städtische Galerie.
Das Seumehaus
In diesem Gebäude von 1550 befand sich ab 1797 die Druckerei von Georg Joachim Göschen (1752-1828). Johann Gottfried Seume (1763-1810) wohnte und arbeitete hier, bis er 1801 seinen sehr langen Spaziergang antrat.
Der Brunnen stammt aus dem Jahr 1912. Die weibliche Figur, im Volksmund wegen des Apfels in ihrer Hand „Eva“ genannt, schuf der Bildhauer Paul Pilz. Die Enthüllung der Figur verursachte, wohl aufgrund ihrer körperlichen Nacktheit, eine gewisse Empörung und wurde des Öfteren Opfer von sittlichem Vandalismus. Im Jahr ihrer Aufstellung beispielsweise wurde sie mit einem Höschen und einem Kopftuch bekleidet. (Wenn das heute einer machen würde, würde sich sofort eine Bürgerwehr gründen, die ‚Islamisierung‘ schreit und die Rechte der Frauen verteidigt.)
Die Frauenkirche
Der Kirchenbau geht auf einen romanischen Vorgängerbau aus dem Jahr 1170 zurück. Im 13. Jahrhundert wurde sie im Stile der Gotik erweitert. Die beiden das Stadtbild prägenden Türme sind 40 m hoch.
Neben der Kirche steht eine Lutherbüste, die von Ernst Rietschel (1804-1861) im Jahr 1883 geschaffen wurde. (Nach ihm wurde auch ein sehr leckerer Kuchen benannt. Also nach Rietschel, nicht nach Luther.)
Das Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes Hohnstädt
Lange bevor Hohnstädt ein Stadtteil von Grimma wurde, gehörte es als Rittergut zum Besitz der 1630 geadelten Familie von Döring. Das barocke Herrenhaus wurde um 1700 errichtet. Die Fenster- und Portaleinfassungen bestehen aus Rochlitzer Porphyr und Sandstein. Im Jahr 1787 wurde das Rittergut an Johanna Christiana Loth aus Leipzig verkauft. Im Jahr 1865 wechselte es nochmal den Besitzer und gehörte nun der Familie Platzmann bis zur Enteignung im Jahr 1945. Danach wurde das Herrenhaus als Kindergarten genutzt. Nach dessen Schließung steh es bis heute leer.
Die Hohnstädter Pfarrkirche
Die Ursprünge dieser Kirche liegen im 13. Jahrhundert. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr sie mehrere Umformungen. Ein größerer Umbau erfolgte von 1652 bis 1661. In den Jahren 1857 und 1895 wurde die Kirche nochmals umgebaut und räumlich vergrößert. Die Kirchturmspitze musste nach einem Unwetter im Jahr 1974 abgerissen werden. Sie wurde in den Jahren 2009 und 2010 wieder aufgesetzt.