Unterwegs auf dem Kulturweg der Vögte III

Das Vogtland ist vielleicht keine Region unendlicher Weiten, aber, was mich betrifft, ist es eine Region unbekannter Weiten. In Sachsen ist DAS Vogtland dieser kleine komische Zipfel irgendwo im westlichsten Westen des Freistaates. Manchen fällt vielleicht noch die Assoziation zu Stefanie Hertel ein oder zur Plauener Spitze. Und sonst so? Danke meiner lieben Freunde vom Blog „Vogtland-Zauber“ wusste ich wenigstens schon, dass das Vogtland sich über Sachsen hinaus bis nach Thüringen Bayern und Tschechien erstreckt und Plauen NICHT die größte Stadt in dieser Region ist (sorry, not sorry). Aber über die Historie dieses Landstriches wusste ich eigentlich so gut wie nichts. Und so begab ich mich zusammen mit dem Vogtland Tourismus auf den Kulturweg der Vögte und verbrachte ein paar spannende und verregnete Tage in diesen unbekannten Weiten.

Noch ein Servicehinweis: Ich habe mich durch zusätzliche Recherche ehrlich bemüht die Geschichte der Vögte, der Herren und der Adelsfamilie von Reuß zu entwirren. Es ist mir leider nicht gelungen, da in der Fachliteratur auch einige Unordnung bzw. Unkenntnis darüber herrscht, welcher Heinrich nun zu welcher Linie gehört und die Begriffe „Vogt von“ und „Herr von“ werden oft nicht klar voneinander getrennt. Vielen Dank für die Kopfschmerzen! Da ich nicht möchte, dass meine liebe Leserschaft einen Knoten im Hirn bekommt, so wie ich, habe ich die historischen Verortungen relativ einfach gehalten, so dass man es (hoffentlich) gut nachvollziehen kann. Im Zweifelsfall gilt für die vogtländische Geschichte, dass immer irgendein Heinrich mit dazugehöriger Ordnungszahl irgendwann irgendwo zugegen war.

Teil III – Das Sächsische Vogtland

Die Burg Mylau

Über dem kleinen Ort Mylau erhebt sich auf einem Bergsporn die gleichnamige Burg, versteckt hinter viel Grün, wie ein Dornröschenschloss. Die Ursprünge der Burg liegen wahrscheinlich in der Zeit der Ostkolonisation unter Friedrich I. Barbarossa im 12. Jahrhundert. Die urkundliche Ersterwähnung stammt aus dem Jahr 1212. Zwei Jahre später wurde mit Heinricus et Eberhardus de Milin ein erster Burgherr benannt. Im Jahr 1367 besuchte Karl IV. die Burg und verlieh der, unterhalb der Burg liegenden, Siedlung das Stadtrecht. Im selben Jahr geriet Mylau als Folge des Vogtländischen Krieges (1354-57) an die böhmische Krone. Im 15. Jahrhundert geriet Mylau endgültig in den Besitz des Kurfürstentums Sachsen, welches die Burg an verschiedene Adelsfamilien verlehnte, u. a. an die von Metzsch, von Schönberg, von Bose und von Planitz. Die Burg wurde unter allen Besitzern immer wieder umgebaut und wohnlicher gestaltet, da sie von Beginn an als Wehrburg konzipiert war. Ab dem Jahr 1772 gehörte die Burg bürgerlichen Besitzern, die sie einer neuen Funktion zuführten. In den Jahren 1808 bis 1828 war die Burg der Sitz der Baumwollspinnerei des Mylauer Textilunternehmers Christian Gotthelf Brückner. Danach stand sie einige Jahre leer, bis sie von 1868 bis 1894 als Kattun- und Wolldruckerei genutzt wurde. Schon im Jahr 1892 geriet die Burg in städtischen Besitz und der im selben Jahr gegründete Schlossverein tat alles für die Wiederherstellung der Anlage als Burg, denn die Fabriknutzung hatte vor allem in den Innenräumen seinen gestalterischen Tribut gefordert. Bis zum Jahr 1908 wurden die Räume wiederhergestellt. Diese Wiederherstellung folgte dem im 19. Jahrhundert so beliebten Stil des Historismus, der aber nicht allzu schwülstig oder überladend in den Räumen verteilt wurde. Die damals allgemein beliebte Burgen- und Mittelalterromantik (die absolut gar nichts mit der tatsächlichen Epoche zu tun hatte) wirkt sehr passend zum ganzen Flair der Burg und macht aus ihr eine kleine Märchenkulisse. Ab dem Jahr 1896 fanden dann das Rathaus der Stadt Mylau und schon ein erstes Museum ihren Platz in der Burg.

Das Museum bildet nicht nur die Historie der Burg ab, sondern auch der sie umgebenden Landschaft. So finden sich neben Räumen adliger Wohnkultur bes. der Familie Metzsch, auch Objekte zum Bau der Göltzschtalbrücke, eine naturkundliche Sammlung und einige historisch erhaltene Räume, wie der ehemalige Ratssaal und die 2012 restaurierte Kapelle.

Blick in den Innenhof

 

Die Aussicht vom 27 Meter hohen Bergfried auf das Örtchen Mylau

 

Blick in das Treppenhaus

 

Der Ratssaal mit Holzvertäfelung entstand während des Umbaus der Burg ab 1894. Als Vorlage für den repräsentativen Sitzungssaal diente der Sängersaal auf der Wartburg.

Ein Blick in die Dauerausstellung adliger Wohnkultur der Familie von Metzsch. Sie verlegte ihre Residenz im Jahr 1576 in das nahegelegene Rittergut Friesen. Die Familie wohnte dort bis zur Durchsetzung der Bodenreform im Jahr 1947. Das Interieur des Schlosses kam zuerst in das Museum in Reichenbach und später nach Mylau.

 

Zur Kunstsammlung der Familie von Metzsch gehörten auch zahlreiche Veduten aus dem 18. Jahrhundert.

 

Das Metzschzimmer

 

Die Decke der Burgkapelle

Das Schloss Voigtsberg

Ähnlich wie in Mylau, liegen auch die baulichen Wurzeln des Schlosses Voigtsberg im 12. Jahrhundert. In den Jahren 1232 bis 1249 wurde ein heute noch nachweisbarer Teil der Burg unter den Vögten von Straßberg errichtet, die diese Gegend bis ins Jahr 1320 beherrschten. Danach kam die Burg in den Besitz der Vögte von Plauen, bevor sie durch den Vogtländischen Krieg im Jahr 1356 an die Wettiner fiel. Im Verlauf der Jahrhunderte wird die Burg langsam zu einem Schloss umgebaut und wird mit frühbarocken Holzbalkendecken und Wandmalereien ausgestattet, von denen heute noch einige erhalten sind. Allerdings beginnt das Schloss schon ab 1609 wegen Leerstands zu verfallen. Während des Dreißigjährigen Krieges wird das Schloss mehrmals verwüstet und abgebrannt. Bis zum Jahr 1644 baut man es allerdings wieder auf. Von 1674 bis 1818 war das Schloss Sitz des kurfürstlichen Bergamtes und ab dem Jahr 1708 fand auch das Rentamt seinen Platz in der Vorburg.

Einer besonderen Nutzung wurde das Schloss ab dem Jahr 1874 zugeführt, denn seitdem diente es als Frauengefängnis. In den Jahren 1898 bis 1900 wird das Schloss für die Gefängnisnutzung umgebaut. Dabei fallen viele historische Details dem Abbruch zum Opfer, wie der alte Wehrgang oder auch die Zugbrücke. Das Frauengefängnis wurde im Jahr 1924 aufgelöst und die Hitlerjugend zog u. a. hier ein. Im Jahr 1937 wurde ein erstes Heimatmuseum eingerichtet, das aber 1944 wieder geschlossen werden musste, da nun Flüchtlinge im Schloss untergebracht wurden. In den Jahren 1961 bis 1967 nutzte die NVA das Schloss als Kaserne, danach ging es in den Besitz der Stadt Oelsnitz/V. über. Ein Jahr später konnte das Museum wiedereröffnet werden.

Wie viele andere Schlösser der ehemaligen DDR wurde auch Schloss Voigtsberg seit den 1990er Jahren umfassend saniert. Seit dem Jahr 2008 ist der Schlosskomplex wieder als Museum besuchbar. (Servicehinweis: Im Rahmen meiner Reise habe ich nur die Kernburg besucht, nicht das Teppichmuseum.)

Ein Blick in den Schlosshof

 

Der Bergfried ist eines der letzten Relikte aus dem 13. Jahrhundert. Er ist über 20 Meter hoch und hat eine Wandstärke von 3, 2 Meter. Zur Zeit ist er nicht begehbar.

 

Blick von der Aussichtsplattform auf die Stadt Oelsnitz/V.

 

Auch wenn das Schloss mehrfach umgebaut wurde, haben sich ein paar Elemente der frühbarocken Decken- und Wandbemalung erhalten.

 

Ein Teil der Dauerausstellung widmet sich dem Lebenswerk der Illustratorin Regine Heinecke.

 

Den Schwerpunkt der Arbeit Regine Heineckes bildeten Illustrationen von Märchenbüchern.

 

Die Schösserstube aus dem Jahr 1637 bildet mit Wand- und Deckenmalerei, den am besten erhaltenen Raum des Schlosses.

 

Auch das Turmzimmer, welches sich an die Schösserstube anschließt wurde mit floralen Malereien verziert.

 

Noch bis zum 27. Oktober 2019 ist die Sonderausstellung „Maria Magdalena. Glaube und Mythos“ im Schloss Voigtsberg zu sehen.

 

Unerwartetes Highlight im Fürstensaal: schlecht beleuchtet hängt im größten Raum des Schlosses doch tatsächlich ein Gemälde von Tizian. Das um 1548/49 entstandene Porträt zeigt Katharina von Österreich (1533-1572).

Transparenzhinweis: Vielen Dank an den Tourismusverband Vogtland e. V., der mich zur Pressereise auf dem Kulturweg des Vögte eingeladen hat. Der Beitrag spiegelt meine eigene Meinung wieder, denn die Gedanken bleiben frei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*