Wechselburg

Geburtstag: vor 1168

Einwohner: 1811

Bekannt für: den selbstverliehenen Titel „Perle des Muldentals“

„Öfter mal ´was Neues“ – dieses Motto gilt nicht für viele Menschen bei der Kleiderwahl oder der Partnersuche, sondern auch bei der Benennung von Städten und Orten. Und neben den großstädtischen Beispielen, die einem sofort in den Sinn kommen, wie Byzanz/Konstantinopel/Istanbul oder St. Petersburg/Petrograd/Leningrad gibt es auch in Sachsen so ein Beispiel. Im mittleren Westen des Freistaats liegt dieser Ort. Manche werden behaupten, es ist ein verschnarchtes Provinznest in dem absolut nix Spannendes passiert. Auf den ersten Blick mag das stimmen und auf den zweiten Blick auch. Trotzdem ist die Geschichte der Gemeinde Wechselburg ungemein spannend und gibt Aufschluss über die Anfänge der Wettiner in Sachsen.

Ursprünglich hieß der heutige Ort Zschillen und wurde urkundlich erstmalig im Jahr 1168 erwähnt. In diesem Jahr beschloss Graf Dedo von Groitzsch (vor 1142-1190) oberhalb des Ortes ein Augustiner-Chorherrenstift zu gründen. Die geistliche Einrichtung bestand bis zur Einführung der Reformation im Jahr 1543. Danach gingen das Kloster und sein gesamter Besitz an Herzog Moritz von Sachsen (1521-1553) über. Der Herzog und spätere Kurfürst tauschte noch im selben Jahr Zschillen und die Herrschaft Penig gegen Gebiete im Erzgebirge ein, die sich bis dahin im Besitz des Grafengeschlechts derer von Schönburg befanden. Aus dieser Zeit stammt auch der Ortsname „Wechselburg“, der sich bis heute erhalten hat. Aber auch der ursprüngliche Name ist nicht ganz verschwunden. Einer der Ortsteile der Gemeinde heißt bis heute Altzschillen.

Die Basilika „Heilig Kreuz“ und das Kloster

Die heute noch erhaltene romanische Basilika wurde zwischen 1160 und 1180 aus Rochlitzer Porphyr erbaut. Der Bau des Klosters erfolgte wahrscheinlich etwas später. Die ersten Mönche stammten aus dem Kloster auf dem Petersberg bei Halle, welches Dedos Vater Markgraf Konrad I. (um 1098/99-1157) gestiftet hatte. Wegen interner Streitigkeiten ging das Kloster allerdings schon im Jahr 1278 in den Besitz des Deutschen Ritterordens über, wo es bis zur Auflösung im Jahr 1543 verblieb. Nach dem Gebietstausch gehörte es bis zur Enteignung im Jahr 1945 der Familie von Schönburg. In dieser Zeit wurde die Kirche als Schlosskirche mehrmals renoviert. Beispielsweise wurde dabei der berühmte Lettner aus den 1230er Jahren abgetragen und erst wieder bei Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1952 bis 1972 an seiner ursprünglichen Stelle rekonstruiert.

Nach der Enteignung ging die Kirche in den Besitz des Bistums Dresden-Meißen über. Ab dem Jahr 1957 war die Basilika eine Wallfahrtskirche.

Nach 450 Jahren zogen im Jahr 1993 wieder Mönche aus dem Benediktinerorden in Wechselburg ein. Sie bewohnen einen Seitenflügel des ehemaligen Schlosses.

Der Lettner wurde um 1230 eingebaut. Er trennt das Mittelschiff der Kirche in einen Raum für die Laien und einen für die Mönche.

Das Grabmal Dedos von Groitzsch und seiner Frau Mechthild aus Rochlitzer Porphyr

Der Klostergarten

Der Klostergarten liegt neben dem Schloss und der Basilika auf dem Hang des Bergsporns zur Zwickauer Mulde hin. Er wurde erst im Jahr 2006 angelegt. Neben wunderschönen Blumen und Weinstöcken findet man auch viele Heilkräuter, wie Wermut, Fenchel und Liebstöckel. Die Anlage ist symmetrisch gestaltet und fußt zum einen auf einem Gartenkonzept nach dem Vorbild des Benediktinerabtes Walahfrid Strabo (808/809-849). Der zweite Teil des Gartens folgt dem Konzept eines Paradies- bzw. Mariengartens. Jeder Pflanze kommt dabei eine biblische Bedeutung zu. Von diesem gärtnerischen Kleinod hat man auch noch eine wundervolle Aussicht über die umgebende Landschaft. Der Klostergarten ist – außer im Winter – frei zugänglich. Aber wem die Anlage gefällt, der kann ja mal ein bisschen Hartgeld in den Spendentopf werfen. (Das ist keine Werbung. Ich mag einfach Gärten.)

Das Schloss Wechselburg

Das Geschlecht der Adelsfamilie von Schönburg (nicht zu verwechseln mit der Familie von Schönberg) gehörte zum ursächsischen Hochadel. Da diese Familie sowohl viel Besitz, als auch viele Mitglieder hatte, teilten sie beides oft auf und es entstanden viele Nebenlinien, die auch das eine und andere Mal im Mannesstamm ausstarben. Aber es blieb immer alles in der Familie.

Das Kloster Zschillen gehörte beim schon erwähnten Gebietstausch im Jahr 1543 zunächst den drei Brüdern Georg I. (1529-1585), Hugo I. (1530-1566) und Wolf II. von Schönburg (1532-1581). Der Enkelsohn Wolfs II., Wolf Heinrich I. (1605-1657) begründete die Linie Schönburg-Forderglauchau. Er residierte mit seiner Familie in Wechselburg. Dabei lebten sie zunächst im ehemaligen Klausurgebäude des Klosters. Das heutige Barockschloss, welches sich direkt neben der Basilika befindet, wurde in den Jahren 1753 bis 1769 von Johann Gottlieb Ohndorff (1702-1773) erbaut. Beim Neubau wurden Teile des romanischen Klausurgebäudes wiederverwendet. Nach der Enteignung des Schlosses diente es zunächst als Tuberkulose-Heilanstalt für Kinder. Danach war darin bis zum Jahr 2005 das Fachkrankenhaus für Jugend- und Kinderpsychiatrie untergebracht. Das Schloss selbst steht seitdem leer und sieht nicht mehr allzu sexy aus. Von der einstigen barocken illusionistischen Wandbemalung ist absolut gar nicht zu erkennen.

Umgeben wird das Gebäudeensemble aus Schloss und Basilika von verschiedenen ehemaligen Wirtschaftsgebäuden und Torhäusern, die heute als Wohnungen dienen.

Der Schlosspark Wechselburg

Zwischen der engen Zwickauer Muldenschleife und dem Schloss/Basilika-Ensemble ließ Graf Alban von Schönburg (1804-1865) in den 1820er Jahren einen englischen Landschaftspark anlegen. Er unterscheidet sich kaum von anderen adeligen englischen Landschaftsparks, welche in dieser Zeit entstanden sind. Nichtsdestotrotz ist er ganz zauberhaft. Auf dem Spaziergang durch den Park kann man beispielsweise die Schönburg-Eichen entdecken. Graf Joachim von Schönburg-Glauchau (1873-1943) ließ bei der Geburt jedes seiner acht Kinder einen Baum pflanzen.

Zur Muldenseite hin liegt die sogenannte „Neogotische Kapelle“, die auch „Einsiedelei“ oder „Eiskeller“ genannt wird. Tatsächlich wurde sie einst als Kapelle genutzt und beinhaltete einen Altar und Bänke aus Rochlitzer Porphyr. Im hinteren Teil wurden aber auch Eisblöcke gelagert. Während einer Munitionssprengung im Park im Jahr 1945 wurde die Anlage schwer beschädigt und in den 1950er Jahren wurde der obere Teil abgerissen. Die Reste des Torbogens konnten, sowie der komplette untere Teil, gerettet werden. Dieser ruinöse Rest bringt den einstmals angestrebten neogotisch-mysteriösen Charme erst recht zur Geltung.

Die Kirche St. Otto

Die Kirche St. Otto schließt die enge Bebauung des Bergsporns zum eigentlichen Ort Wechselburg ab. Ein erster Kirchenbau entstand in den Jahren 1190 bis 1200. Aus dieser Zeit stammt auch der für mitteldeutsche Verhältnisse eher untypische Name. Fränkische Siedler benannten die Kirche nach dem Bischof Otto von Bamberg (um 1060-1139). Dieser erste Kirchenbau brannte im Jahr 1604 ab. Der barocke Neubau erfolgte allerdings erst in den Jahren 1730 bis 1737. Sehr interessant ist die Marmorimitatbemalung der Emporen, die vor allem auf den ersten Blick beeindruckend wirkt.

Die Orgel baute Johann Jakob Schramm im Jahr 1781 ein.

Und zu guter Letzt…

Das ist das Rathaus in Wechselburg. So weit, so gut. Aber wann wurde es gebaut und von wem und wieso? War es schon immer ein Rathaus? Fragen über Fragen. Um Antwort wird gebeten.

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