Dornburg

Richtungsschilder der Sehenswürdigkeiten vor Ort

Geburtstag: 937
Einwohner: 1042
Bekannt für: drei Schlösser an der Klippe

Warum sollte man nur ein Schloss an eine Felsklippe setzen, wenn man das auch mit dreien machen kann? Das dachten sich wohl einige Herrscher, zu deren Herrschaftsgebiet Dornburg gehörte. Der kleine Ort, der sich malerisch über dem Saaletal erhebt, kann gleich drei Schlösser aus verschiedenen Epochen vorweisen. Doch Dornburg bietet noch mehr außer Schlossidylle, denn hier hat auch das Bauhaus Weimar seine Spuren hinterlassen.

Die Dornburger Schlösser

Das Alte Schloss

Auf dem hohen Kalksteinfelsen hat sich wohl schon im 9. Jahrhundert eine karolingische Burg befunden. Im 10. Jahrhundert war hier auch der Standort einer ottonischen Pfalz. Aus dieser Zeit stammt die urkundliche Ersterwähnung Dornburgs in einer Urkunde Ottos I. (912-973). In der Folgezeit wechselt die Burg immer wieder den Besitzer bis sie im Jahr 1353 an die Wettiner gelangt. Seit dem Jahr 1547 gehörte Dornburg dann dem ernestinischen Zweig der Wettiner. Das heute als „Altes Schloss“ bezeichnete Gebäude ist das älteste des Dreierensembles. Teile des 1560 bis 1574 errichteten Gebäudes sind mittelalterlichen Vorgängerbauten zuzuordnen, beispielsweise der Turm und der Nordflügel. Im Jahr 1717 zog der ernestinische Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach (1688-1748) aus dem Schloss aus und es wurde in einen Verwaltungssitz umgewandelt. Das Gebäude durchlief verschiedene Nutzungsphasen u. a. als Baumwollspinnerei und Altenheim, verfiel jedoch auch immer mehr. Im Jahr 1995 wurde mit Sanierungsarbeiten begonnen und dient seit 2004 als Tagungszentrum.

Das Alte Schloss steht nicht für reguläre Besuche offen. Trotzdem ist der Weg dorthin sehr schön und von außen kann man es sich natürlich ansehen.

Die ehemalige Fronveste

Das Renaissanceschloss

Das heute als Renaissance- oder Goetheschloss bezeichnete südlichste der drei Schlösser wurde in den Jahren 1539 bis 1547 von Volrad von Watzdorf errichtet. Sein Renaissancegepräge erhielt das Gutshaus zwischen 1605 bis 1608. Das Gebäude war zwar schon 1739 in den Besitz der Ernestiner gelangt, musste aber wenige Jahre später wieder versteigert werden. Im Jahr 1824 kaufte Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) das Gebäude, ließ es besonders innen umgestalten und benutzte es als Sommerresidenz. Vier Jahre später verstarb der Großherzog bereits. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), der Carl August sehr nahe gestanden und von ihm gefördert worden war, lebte vom 07. Juli bis zum 11. September 1828 im Renaissanceschloss. Seit dem Jahr 1922 befindet sich in den ehemaligen Wohnräumen des Dichters eine Gedenkstätte.
Die schönen Gärten, die heute die Schlösser miteinander verbinden, entstanden auch in der Zeit nach 1824. Für die Gestaltung war der Hofgärtner Carl August Christian Sckell (1801-1874) verantwortlich.

Die originale Brunnenfigur stammte von Dorothea von Philipsborn (1894-1971) aus dem Jahr 1961. 2000 wurde sie gestohlen. Durch die Initiative des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseums konnte sie bereits ein Jahr später durch eine Kopie von Vinzenz Wanitschke (1932-2012) ersetzt werden.

Das Appartement für Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach

Eines der Zimmer, das Goethe während seines Aufenthalts bewohnt hat.

Goehte hat auch ein intellektuell hochwertiges „JWG was here“ auf die Wand gekritzelt. Beamte dürfen echt alles.

Das Rokokoschlösschen

Das jüngste der drei Schlösser befindet sich in der Mitte und sieht gar nicht aus als wäre es aus Stein, sondern aus Zucker gebaut. Um mit den absolutistischen Fürsten seiner Zeit mithalten zu können, konzipierte Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach das Lustschloss, welches auch die terrassenartigen Hänge zur Saale hin mit einbezog. Für den Bau musste noch einiges an Bauland dazugekauft und mehr als zwanzig Bürgerhäuser abgerissen werden. Ein erster Bau aus dem Jahr 1732 hielt nicht lange und wurde wieder abgerissen. Unter dem Architekten Gottfried Heinrich Krohne (1703-1756) wurde das kleine Schlösschen 1736 bis 1741 errichtet und schuf besonders innen eine mit kräftigen Farben ausgestattete Rokokoperle. Auch der Marstall entstand in dieser Zeit, sowie ein seitlicher Pavillon, der als Küche dienen sollte. Ein weiterer Pavillon wurde gar nicht erst gebaut. Die herzogliche Familie nutzte das Schloss eher selten als Sommerresidenz. Zwischen 1816 und 1817 ließ der Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) das Schloss sanieren und teilweise klassizistisch umgestalten. Im Winter 1818/1819 stellte er es dem Landtag des Herzogtums als Sitzungssaals zur Verfügung, was ob der geringen Raumgrößen schwer vorstellbar ist.

Die schöne Stuckdecke im Wohnzimmer des Damenappartements

Der Gipsabguss der Melpomene nach Martin Gottlieb Klauer (1741-1801) im Festsaal/Marmorsaal

Der Festsaal oder Marmorsaal 

Das Bauhaus-Werkstatt-Museum im Marstall

Als das Bauhaus Weimar im Jahr 1919 gegründet wurde, gab es auch eine Keramikabteilung. Diese war allerdings nicht in Weimar angesiedelt, sondern im gut dreißig Kilometer entfernten Dornburg. Das hing u. a. damit zusammen, dass das Töpfereihandwerk in dieser Region zentriert war und somit gute Voraussetzungen für die Lehre bot. Außerdem war der ortsansässige Töpfermeister Max Krehan (1875-1925) für eine Zusammenarbeit mit dem Bauhaus bereit. Als Werkstatt diente der leerstehende Marstall, der auch heute noch in direkter Nachbarschaft zu den Schlössern steht. Die Arbeitsbedingungen waren zwar alles andere als idyllisch, aber unter Max Krehan, der als Werkmeister die handlichen Grundlagen vermittelte und Gerhard Marcks (1889-1981), der als Formmeister viel experimentierte, entstand eine kreative und produktive Arbeitsatmosphäre. Viele der hier Studierenden waren auch später auf diesem Gebiet erfolgreich, wie z. B. Theodor Bogler (1897-1968), Marguerite Friedlaender (1896-1985) und Otto Lindig (1895-1966).
Letzterer übernahm 1926 die Leitung der Ausbildungswerkstatt der neugegründeten Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst. Das Bauhaus musste aus finanziellen und politischen Gründen Weimar verlassen. Im Dessauer Bauhaus fand dann die keramische Abteilung keinen Platz mehr, obwohl während der Dornburger Zeit viele Gebrauchskeramiken produziert und vertrieben worden waren. Im Jahr 1930 musste die Hochschule ebenfalls auf politischen Druck hin schließen. Otto Lindig arbeitete als selbstständiger Meister weiter. Er produzierte weiter die Bauhausdesigns und bildete einige bekannte Keramiker*innen aus, wie z. B. Liebfriede Bernstiel (1915-1998), Walburga Külz (1921-2002) und Douglas Zadek (1913-1995). Lindig wechselte 1947 an die Landeskunstschule Hamburg.
Im Jahr 1949 nahm sich das Ehepaar Gerda und Heiner-Hans Körting der Dornburger Keramikwerkstätten an und führten die Töpfertradition weiter, wenn auch mit anderer stilistischer Richtung. Heute führt Ulrich Körting, der Sohn von Heiner-Hans Körting und seiner zweiten Frau Lisa, als Töpfermeister die Werkstatt in kleinerem Maßstab weiter. Denn im Großteil des ehemaligen Marstalls ist das Bauhaus-Werkstatt-Museum untergebracht, dass die ganze Geschichte und Entwicklung nachzeichnet und viele Objekte zeigt, die inzwischen Designklassiker geworden sind.

Transparenzhinweis: Ich danke dem Keramikmuseum Bürgel für seine Einladung nach Dornburg. Der Beitrag spiegelt meine eigene Meinung wider, denn die Gedanken bleiben frei.

Ein Blick in die originale Brenngutkammer des Muffelofens von 1938

Entdeckungen um den Marktplatz

Der kleine Ort erstreckt sich hinter dem Schlossensemble. Die heutige Anlage des Marktplatzes geht auf die Frühe Neuzeit zurück. Die längliche Freifläche wird an den jeweiligen Schmalseiten vom kleinen Rathaus und der Pfarrkirche St. Jacob flankiert.

Das Rathaus wurde 1723 errichtet.

Die Fassade des Rathauses zeigt das Wappen des Ortes: ein bärtiger Pilger des Jakobswegs.

Marktbrunnen Nr. 1: 1 von 5 Kleinstadtbrunnenpunkten.

Marktbrunnen Nr. 2: 3 von 5 Kleinstadtbrunnenpunkte.

Ein Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert fiel dem Stadtbrand von 1717 zum Opfer. Der Nachfolgebau stammt aus dem Jahr 1718.

Vor dem Kirchengebäude befindet sich dieser Findling aus Tertiärquarzit. Er ist ca. 40 Millionen Jahre alt und stammt damit aus einer Zeit, als Thüringen noch einen schönen Meeresstrand hatte.

Auch das ursprüngliche Pfarrhaus brannte 1717 ab. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1718 und beherbergte bis 1926 auch die Superintendentur für insgesamt 18 Kirchgemeinden.

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