Durchs dunkle Torhaus kann man schon einen kleinen Blick erhaschen.

Otterwisch

Einwohner: 1.363

Geburtstag: 1269

Bekannt für: Leichenfinger, ein Barockschloss und ein Wappen, welches einen Otter mit resting bitch face zeigt

Da mein Bewegungsradius derzeit stark eingeschränkt ist, ist das die perfekte Möglichkeit, um meine liebsten Leipziger Umlandsdörfer vorzustellen. Was diese Dörfer zu meinen Lieblingen macht, ist oft nicht so richtig zu erklären, aber es gibt einige Kriterien, die alle nahezu ausnahmslos erfüllen: freundliche Menschen, unerwartete Kulinarik, ein nettes Schloss und irgendwas einzigartig Schrulliges. Weiterlesen

Rezension: Der moderne Blick

In den Zeiten der Reisebeschränkungen entdeckten viele Menschen auf einmal ihre sie direkt umgebende Heimat. Denn auch in einem 15-km-Radius können noch unbekannte Ecken schlummern. Wem auch das nicht reicht, der muss sich anders behelfen. Entweder unsozial und rücksichtslos trotz allem in die weite Welt reisen, oder ein Buch zur Hand nehmen. (Servicehinweis: Das kann man auch außerhalb von Lockdown-Zeiten tun.) Weiterlesen

Seifertshain

Geburtstag: 1295

Einwohnerzahl: 368

Bekannt für: eine der vielen Klitschen rund um Leipzig zu sein

Wenn es ein Themengebiet gibt, bei welchem ich noch nie die Kot-Phrase „Früher war alles besser“ gehört habe, dann ist es der medizinische bzw. Gesundheitsbereich. Da fallen keine Sätze wie „Wisst ihr noch damals, als die Nachbarn während der Pest eingemauert wurden?“ oder „In der guten alten Zeit waren die Schulräume noch nicht so voll. Die meisten Kinder sind sowieso kaum ins Grundschulalter gekommen.“. Auch wenn mir in diesem Jahr wieder bewusst wurde, dass einige Menschen mit den hygienischen Grundlagen (regelmäßig Hände waschen, nicht in fremde Gesichter niesen) immer noch sehr sehr überfordert sind, hat sich doch im Bereich Gesundheitswesen in den letzten Jahrhunderten einiges getan. Das merkte ich im Besonderen, als ich in der kurzen Museumsöffnungsphase des Sommers 2020 das Sanitäts- und Lazarettmuseum in Seifertshain bei Leipzig besuchte. Weiterlesen

Lessing-Streetart

Kamenz

Geburtstag: 1225 (urkundliche Ersterwähnung als ‚oppidum‘)

Einwohner: 16.975

Bekannt für: Gotthold, Ephraim, Lessing

Sicher fallen mir, als jemandem, die in fast direkter Nachbarschaft zu dieser Großen Kreisstadt aufgewachsen ist, noch mehr Dinge zu Kamenz ein. Aber von meiner Leserschaft erwarte ich dies nicht. Interessanterweise schmückt sich noch ein anderes Provinzstädtchen mit dem Beinamen „Lessingstadt“. Vielleicht verschlägt es mich ja eines Tages auch dahin und dann kann ich vergleichen, wer mit dem Dichtererbe besser umgeht. Bis dahin ist Kamenz meine Lessingstadt No. 1.

Es ist übrigens sehr zu empfehlen, Städte zu besuchen, in denen man schon gefühlt hundertmal war, aber über die man eigentlich nichts weiß. Es gibt immer etwas zu entdecken.

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Weesenstein

Geburtstag: 1318 (urkundliche Ersterwähnung des Schlosses)

Einwohner: ~ 60

Bekannt für: ein noch weitestgehend unbekanntes Schloss

Während in diesem Jahr viele vom harten Schicksal gebeutelte Menschen ihren Urlaub im In- und nicht im Ausland verbringen müssen, hatte diese Problematik in den vorangegangenen Jahrhunderten nichts von ihrer gegenwärtigen dramatischen Schärfe. Denn wenn man ein normaler Mensch mit durchschnittlichem Einkommen war, konnte man sich einen Urlaub gar nicht leisten, weder finanziell noch zeitlich. Und wenn man dem höheren Adelsstand angehörte, lag die einzige Schwierigkeit in der Entscheidung, in welchem Sommerschloss man den die wärmeren Monate des Jahres verbringen sollte. Das war keine einfache Entscheidung, denn man wollte weit genug weg sein, damit überhaupt Urlaubsstimmung aufkam. Aber der Reiseweg durfte auch nicht zu weit sein, denn falls es zu Problemen kam, musste man auch schnell genug wieder in der Hauptresidenz verfügbar sein. Weiterlesen