Sagar

Sagar
Einwohnerzahl: 810
Geburtstag: 1366 (urkundliche Ersterwähnung)
Bekannt für: …
Wohin kommen eigentlich die ganzen Gerätschaften, die vom Fortschritt überholt werden? Auf den Industriefriedhof? In ein Museum? In ein Industriefriedhofmuseum? Wenn man als technisch überholtes Produkt Glück hat, kommt man in ein Museum, in dem es Menschen gibt, die einen in Schuss halten. Sozusagen ein Industriegnadenhof. Hier wird man gehegt und gepflegt und dem zahlenden Publikum auf Wunsch auch vorgeführt. Zumindest macht man es so im Museum Sagar für Handwerk und Gewerbe. Es ist schwierig zu sagen, welches Handwerk hier nicht dargeboten wird. Dazu kommen noch historisches Spielzeug, die Feuerwehr, die Jagd- und Forstwirtschaft und der Abbau der regionalen Bodenschätze.
Das Museum befindet sich auf dem ehemaligen Sägewerksgelände des Ortes am Mühlteich. Inzwischen gehört das Gelände der Kommune und wird von einem eigenen Förderverein verwaltet. (Wo Verein drauf steht, ist ehrenamtliche Arbeit drin. Also bei Gefallen ruhig mal eine kleine Spende dalassen. Das gilt für alle kulturellen Einrichtungen dieser Art.)
Sehr beeindruckend ist die immer noch funktionstüchtige Dampfmaschine, die 1897 von der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG Chemnitz hergestellt wurde. Sie treibt noch mehrere andere Maschinen in der Halle an, u. a. einen Holzschleifer, der für die Herstellung von Papier benötigt wurde. Wenn man die ganzen Maschinen in Aktion sieht, ist man dann doch nicht so traurig über die technische Entwicklung, denn sie sind unglaublich laut und geruchsintensiv.
In der Spielzeugausstellung gibt es noch ein wunderschönes Puppenhaus, das der Großvater der ehemaligen Besitzerin gebaut hat. Auch das Interieur ist handgemacht.
Auf dem Museumsgelände befindet sich noch ein Bücherflohmarkt. Wer also nichts mehr zu lesen hat oder seine Bücher tauschen möchte, ist dort gut aufgehoben. Es gilt wie immer die Regel: Man kann nie zu viele Bücher haben!

 

Sagar ist ein Ortsteil von Krauschwitz. Der Name leitet sich von der sorbischen Ortsbezeichnung Zagor/Sagor ab und bedeutet womöglich so etwas wie ‚hinter dem Berge‘. Seit seiner urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1366 gehörte Sagar zur Standesherrschaft Muskau.
Wenn niemand an der Kasse steht, einfach klingeln und warten.

 

Natürliche Gegebenheiten wie Waldreichtum, Wasserkraft und Bodenschätze bildeten in dieser Region die Grundlage für Handwerk und Gewerbe.
Kübelspritze um 1900
Firma G. A. Fischer, Görlitz
1947, in einer Zeit des absoluten Mangels, begann Heinrich Simmann (1883-1956, Stellmachermeister aus Keula), trotz seiner Einschränkung an der rechten Hand, mit dem Bau von „Villa Ursula“. Bei einem früheren Arbeitsunfall verlor er einen Finger, der von einem Arzt zwar wieder angenäht wurde, jedoch steif blieb.
Jeder Dachstein, jedes Möbelchen, selbst die aufwendig gearbeiteten Fenster und Türen entstanden mit einem hohen Anspruch auf Originalität.

 

Er fertigte die Möbelrohlinge aus echten Hölzern (z. B. Pflaume) und brachte die Sitze zum Polsterer. Auch legte er großen Wert auf Funktionalität. Simmans besaßen in ihrem Haus einen Tisch, der auszuziehen war. Genau diesen baute der Stellmachermeister für das Puppenhaus nach.

 

Die Werkstatt des Schumachers

 

Eine Rosshaarzupfmaschine

 

Ordnung muss sein

 

 

Zeit für den Butter-Song

 

 

Das Töpferhandwerk (etwas, was man in der Lausitz sehr gut kann)

 

unteres Foto: Kunsttöpferin Erna Pfitzinger (1898-1988)
Firstziegel

 

 

Das Schmiedewerkzeug

 

Die Dampfmaschinenhalle

 

Zwei-Zylinder-Dampfmaschine
Modell 365/2
Baujahr 1925
Deutsches Reichsgebrauchsmuster

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*