Zeitz

Geburtstag: 967 (erstmals urkundlich als Cici erwähnt)

Einwohnerzahl: 23.973

Bekannt für: einen Dom und viele produzierte Kinderwagen (kein direkter Zusammenhang)

Kinderwagen oder Tragetuch? Dies ist die Fragestellung mit der sich werdende Eltern unter anderem auseinandersetzen und mit der man hitzig geführte Debatten in Elternforen auslösen kann. Wenn man sich der Frage historisch nähert ist die Antwort ziemlich einfach. Das Tragetuch war zuerst da. Wie es zur Kinderwagenentwicklung kam und wieso man den am Anfang noch hinter sich hergezogen hat, beantwortet das Deutsche Kinderwagenmuseum in Zeitz.

Museum Schloss Moritzburg

Das Kinderwagenmuseum befindet sich im Schloss Moritzburg, der ehemaligen Residenz der Herzöge von Sachsen-Zeitz. Diese sogenannte Sekundogenitur bestand in den Jahren 1656/57 bis 1718. Die wettinische Nebenlinie starb nach 69 Jahren im Mannesstamm aus und das Herzogtum fiel wieder zurück an die kursächsische Hauptlinie. Nach dem Wiener Kongress im Jahr 1815 wurde Zeitz auf Beschluss Preußen zugeteilt und das Schloss diente bis zum Jahr 1920 als Landarmen- und Korrektionsanstalt. Im Jahr 1931 wurde bereits ein Museum eingerichtet, das ab 1946 wieder öffnete. Während des Krieges diente es als Lager für Zwangsarbeiter. Das Deutsche Kinderwagenmuseum hat seinen Platz seit dem Jahr 1996 im Schloss und wurde nach Renovierungsarbeiten 2016 wiedereröffnet. Am Beginn der Kinderwagenproduktion in Zeitz steht der gelernte Stellmacher Ernst Albert Naether (1825-1894), der neben Pferdewagen auch Gestelle für Kinderwagen fertigte und diese 1852 erstmals auf der Leipziger Messe anbot. Angekurbelt durch den Erfolg konzentrierte sich das Unternehmen E. A. Naether auf die Serienproduktion von Kinderwagen (später auch Puppenwagen, Rodelschlitten usw.) und gab den Großwagenbau auf. Die Arbeitsräume fand man ab 1860 zunächst im Schloss Moritzburg. Ernst Albert Naether war nicht der einzige Kinderwagenproduzent in der Stadt und während der Gründerzeit siedelten sich viele andere Unternehmer an. Bis zur Enteignung im Jahr 1946 befand sich das Unternehmen unter der Leitung der Familie Naether. Im Jahr 1950 wurden gingen die Produktionsanlagen in der neugegründeten VEB Zeitzer Kinderwagenindustrie (ZEKIWA) auf.

Das Torhaus wurde 1661 bis 1672 errichtet und zwischen 1996 bis 2004 umfassend saniert.

Das Torhaus wurde 1661 bis 1672 errichtet und zwischen 1996 bis 2004 umfassend saniert.

Auf den Grundmauern der zerstörten Bischofsburg wurde zwischen 1656 bis 1678 das Schloss Moritzburg gebaut.

Auf den Grundmauern der zerstörten Bischofsburg wurde zwischen 1656 bis 1678 das Schloss Moritzburg gebaut.

Seit den 1990er Jahren bis 2004 wurde das gesamte Schloss- und Schlossparkensemble umfassend saniert. 2004 fand hier die Landesgartenschau statt.

Seit den 1990er Jahren bis 2004 wurde das gesamte Schloss- und Schlossparkensemble umfassend saniert. 2004 fand hier die Landesgartenschau statt.

Obwohl sich Kinderwagen zunehmender Beliebtheit erfreuten, durften sie noch Ende des 19. Jahrhunderts nicht auf Bürgersteigen gefahren werde. Kinderwagen brauchten Nummernschilder und mussten auf der Straße fahren, nicht auf Gehwegen und Promenaden.

Und wer hat’s gewusst? Mal wieder niemand.

Was gibt’s noch zu sehen?

Zeitz war einst bestimmt eine schöne Stadt. Leider weht heutzutage der Hauch des leisen Verfalls durch die Straßenzüge, denn viele historische Gebäude sind Ruinen. Laut der heimatkundlichen Literatur trägt an diesem Zustand wahlweise der Sozialismus oder der Kapitalismus die Schuld, je nachdem welches Feindbild man bevorzugt und pflegt. Am Ende fehlt einfach mal wieder Geld und Liebe und Engagement. Und vor allem Geld. Vielleicht geschieht ja irgendwann doch noch ein Wunder und der anonyme Spender von Görlitz hat mal wieder Lust alte Bausubstanz zu erhalten. Oder wir warten einfach weiter bis alles so marode ist, dass es abgerissen werden muss. Dann wird aber bitte hinterher nicht herumgejammert.

Der Dom St. Peter und Paul

Im Jahr 968 wurde das Bistum Zeitz gegründet und vermutlich auch mit dem Bau einer Bischofskirche begonnen. Zwischen 1028 und 1100 entstand ein romanischer Neubau, der im 14./15. Jahrhundert zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut wurde. Der Herzog von Sachsen-Zeitz ließ die Kirche im 17. Jahrhundert zur Schlosskapelle umbauen und die Türme entfernen.

Die Michaeliskirche

Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Kirche im Jahr 1154. Auch diese Kirche wurde durch alle Stilepochen mehrmals umgebaut, zum letzten Mal im Jahr 1844. Im Jahr 1976 verbrannte sich der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz (1929-1976) aus Protest gegen das politische System öffentlich vor dieser Kirche.

Das Franziskanerkloster

Das Kloster stammt aus dem 13. Jahrhundert und bestand bis zu seiner Auflösung 1541. 1542 predigte Martin Luther (1483-1546) hier aus Anlass der Amtseinführung des ersten evangelischen Bischofs Nicolaus von Amsdorf (1483-1565). Da in der Region um Zeitz besonders viele Nachfahren Luthers lebten und leben, wird sie auch „Stadt der Luthernachkommen“ genannt und die Lutheriden-Vereinigung hat hier ihren Sitz.

Die Stephanskirche

Die Kirche wurde 1741 auf den Mauern der Vorgängerbauten, u. a. dem Kloster St. Stephan, errichtet.

Das Rathaus

Das Gebäude wurde zwischen 1505 und 1509 errichtet.

Das Unterirdische Zeitz (Der Eingang)

Unter der Altstadt findet sich ein Gebilde aus Gängen und Gewölben, die im 15. und 16. Jahrhundert zum Lagern und Reifen von Bierfässern genutzt wurden und die man heute besichtigen kann.

Das ehemalige Fabrikgebäude von E. A. Naether

Es wurde 1908 auf dem Fabrikgelände errichtet und steht heute leer und zum Verkauf.

Die Familie Naether hat mit mehreren Gebäuden das Stadtantlitz geprägt. Hier ist die Villa von Albin Naether zu sehen, die im Stil des Historismus gebaut wurde und absolut gar nicht protzig und irgendwie ein bisschen drüber wirkt.

Das Theater im Capitol

Das Capitol war eines von drei Filmtheatern und wurde bis 1996 noch als solches genutzt. Inzwischen ist es ein Theater.

Denkmäler und Skulpturen

Roßmarkt: "Spielende Pferde" von Joachim Hering (* 1931), Bronze auf afrikanischem Granit, 1991

Roßmarkt: „Spielende Pferde“ von Joachim Hering (* 1931), Bronze auf afrikanischem Granit, 1991

Kann mir bitte jemand sagen, was dieses Skulpturenensemble darstellt? Ich nehme mal an, dass es ein historisches Ereignis oder eine lokale Sage zeigt. Zu Hülf.

Kann mir bitte jemand sagen, was dieses Skulpturenensemble darstellt? Ich nehme mal an, dass es ein historisches Ereignis oder eine lokale Sage zeigt. Zu Hülf. Edit: Die Skulptur stellt den heiligen Georg und den Drachen dar, die auch das Wappen der Stadt zieren. Danke an Manja!

Die Rückansicht des Mahnmals für die Opfer des Faschismus am Markt. Im Hintergrund steht das ehemalige Gewandhaus.

Ein Gedenkstein für die aus Zeitz stammenden Brüder und Afrikaforscher Clemens (1852-1929) und Gustav Denhardt (1856-1917).

Ein Gedenkstein für die aus Zeitz stammenden Brüder und Afrikaforscher Clemens (1852-1929) und Gustav Denhardt (1856-1917).

Schöne Fassadentierchen.

Und zum Schluss eine Ansammlung trauriger Gebäude, die niemand lieb hat…

Von 1877 bis 1960 existierte eine Drahtseilbahn, die Personen und Pferdefuhrwerke beförderte.

Von 1877 bis 1960 existierte eine Drahtseilbahn, die Personen und Pferdefuhrwerke beförderte.

Die Rahnestraße

Die Rahnestraße

In diesem Haus wurde der Erbauer des Nord-Ostseekanals, Otto Baensch (1825-1898), geboren.

In diesem Haus wurde der Erbauer des Nord-Ostseekanals, Otto Baensch (1825-1898), geboren.

Keine Kommentare

    Manja

    Hallo Cindy,
    ein sehr schöner Beitrag. Ich bin ursprünglich aus Zeitz und es ist wahnsinnig schade zu sehen, wie die ehrwürdige Stadt verfällt. Gerade in der Rahnestraße, in der jedes Haus unbewohnt ist – ein wirkliches Trauerspiel …
    Und ein Kompliment für deinen tollen Blog! Ich habe dich über die Liste von blogs'n'pizza gefunden. Du hast am Ende des Tisches gesessen, oder?
    Ich habe auch einen Reiseblog. Dabei dreht sich alles ums Vogtland und wir veranstalten am 10.02. unseren ersten Instawalk nach Klingenthal – wenn du zeit uns Lust hast, kannst du auch gern mitkommen. Es würde auch toll in deinen Blog passen. Hier der Link zum Instawalk https://vogtland-zauber.de/instawalk-klingenthal-und-die-vogtland-arena/

    Und die Auflösung zur Skulptur – sie ist praktisch einen moderne Interpretation des Stadtwappens. Denn dort wurde der heilige Michael verewigt und er war der Drachentötet. Deshalb auch Schwert und Drachen.

    Liebe Grüße Manja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*