Döbeln

Geburtstag: 981 (erstmalige urkundliche Erwähnung)

Einwohner: 23.823

Bekannt für: Pferdestraßenbahn und Riesenstiefel

„Döbeln“ mag zwar nicht der schönste Stadtname aller Zeiten sein, aber wenn man eine der ältesten Städte in Sachsen ist, kratzt einen das wahrscheinlich wenig. Die Schönheit dieser Kleinstadt erkennt man am besten von oben, denn da sieht man den Kern ihrer Anlage. Zwischen zwei Armen der Freiberger Mulde liegt die historische Innenstadt mitsamt dem Rathaus auf einer Insel. Von dort breitete sie sich auf das Umland aus. Inzwischen überspannen 19 Brücken den Fluss.

Der Riesenstiefel

Die zwei Hauptattraktionen sind der Riesenstiefel und die Pferdestraßenbahn. Da ich noch nicht mit der Straßenbahn gefahren bin und auch das zugehörige Museum noch auf einen Besuch von mir wartet, folgt hier zunächst die Geschichte, wie Döbeln zu einem Riesenstiefel kam.

Im Jahr 1925 feierte die Schuhmacherinnung das 600. Jahr ihres Bestehens und zu diesem Anlass fertigten Döbelner Schuhmacher einen riesengroßen Stiefel aus zehn Rinderhäuten, der dann im Döbelner Rathaus zu bewundern war. Der Stiefel wurde zu einer Touristenattraktion und da Touris seit jeher kognitiv einige Einschränkungen aufweisen, wurde der Stiefel unter anderem als Mülleimer benutzt, da er oben offen war. Dazu kamen noch einige andere Verschleißerscheinungen und so beschloss man im Jahr 1957 den Stiefel nach Leisnig auf die Burg Mildenstein zu transportieren, um sie von Leisniger Schuhmachermeistern restaurieren zu lassen. Der Stiefel verblieb dort nach der Instandsetzung als Dauerleihgabe. Nach der Wende wurden Stimmen laut, die forderten der Stiefel solle zurück nach Döbeln. Leisnig war aber inzwischen auch als „Stiefelstadt“ bekannt und wollte ihn nicht mehr hergeben. Dazu kam, dass der Riesenstiefel auf Grund seines Alters nicht mehr transportfähig war. Wahrscheinlich hat das Gewicht von 200 kg und die Höhe von 3,7 m auch dazu beigetragen, den Transport ein wenig umständlich zu machen. Erwartungsgemäß ist auch dieser gesellschaftsspaltende Konflikt ein bisschen ausgeartet. Zur 950-Jahr-Feier der Stadt Leisnig im Jahr 1996 präsentierten zwei Leisniger Schuhmachermeister einen Riesenstiefel, der mit knapp 5 m Höhe größer war als der erste Stiefel und beweisen sollte, dass man in Leisnig so oder so den größeren hat. Im darauffolgenden Jahr landete er dann als weltgrößter Stulpenstiefel im Guinnessbuch der Rekorde. Nach weiterem Gezänk einigte man sich darauf, dass der erste Stiefel wieder nach Döbeln kommt, wo er heute im Sitzungssaal des Rathauses kostenfrei zu besichtigen ist. Es gibt übrigens seit 2003 einen dritten Stiefel, der vom Döbelner Brauhaus in Auftrag gegeben wurde. Er ist mit 3,9 m größer als der allererste Stiefel und wird auch „Schwarzbier-Stiefel“ genannt.

Ich hoffe, ich habe die Geschichte einigermaßen verständlich vermittelt. Ich muss zugeben, dass ich an manchen Stellen auch ein bisschen verwirrt war. Vielleicht kann ja jemand helfen, der die Faktenlage etwas genauer kennt. Am besten wäre jemand, der weder aus Leisnig oder Döbeln kommt und dem Problemstiefel emotional fernsteht. (UPDATE: Inzwischen wurde mir mitgeteilt, dass der Schwarzbier-Stiefel, der kleinste der drei Stiefel ist. Ich habe leider keine andere Schafthöhe gefunden, als die oben angegebene. Ich denke, der Größenunterschied bezieht sich darauf, ob der Schaft heruntergekrempelt ist oder nicht. Deshalb kommen hier nochmal etwas detailliertere Daten: Die Schafthöhe des ersten Döbelner Riesenstiefels beträgt 5 m, heruntergekrempelt 3, 7 m.)

Ich stehe dem ganzen Konflikt leider auch nicht emotionslos gegenüber, denn ich musste bei der Recherche darüber herzlich lachen. Und dann habe ich mit dem Kopf geschüttelt. Danach habe ich überlegt, ob der Streit um einen (bzw. mehrere) Riesenstiefel auch mit zu dieser ominösen „Deutschen Kultur“ gehört, über die man in letzter Zeit soviel schwadroniert. Auf jeden Fall sind solche Zänkereien sehr „deutsch“. Über den kulturellen Wert kann man sicher debattieren. Aber letztendlich freue ich mich über solche Geschichten, denn sie machen diesen Blog so viel lesenswerter.

Was gibt’s noch zu sehen? (Liste wie immer ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Das Rathaus

Das Rathaus wurde in den Jahren 1910 bis 1912 von den Architekten Karl Otto Richter und Hugo Licht (1841-1923) im Neorenaissancestil errichtet. Zur Eröffnung kam sogar der sächsische König Friedrich August III. (1865-1932).

Über dem Eingangsportal hängt den Schlussstein markierend die Stadtpatronin Doblina, die das Stadtwappen trägt. Die Männerfiguren rechts und links des Eingangs sollen  Klugheit und Tatkraft darstellen.

Über dem Eingangsportal hängt den Schlussstein markierend die Stadtpatronin Doblina, die das Stadtwappen trägt. Die Männerfiguren rechts und links des Eingangs sollen  Klugheit und Tatkraft darstellen.

Das Stadtmuseum / Die Kleine Galerie

Neben der Stadtverwaltung und der Touristeninformation befindet sich auch das Stadtmuseum in dem Gebäude, besser gesagt im Rathausturm. Auf diesen kann man auch heraustreten und die Stadt von oben bewundern.

Das Stadtmuseum im Rathausturm zeigt neben wechselnden Sonderausstellungen... (hier die Eierbechersammlung von Christiane Hasenwinkel)

Das Stadtmuseum im Rathausturm zeigt neben wechselnden Sonderausstellungen… (hier die Eierbechersammlung von Christiane Hasenwinkel)

... vor allem Exponate zur Geschichte der Stadt in einer Dauerausstellung.

… vor allem Exponate zur Geschichte der Stadt in einer Dauerausstellung.

Der Blick vom 59 m hohen Rathausturm auf die Stadt.

Der Blick vom 59 m hohen Rathausturm auf die Stadt.

Gut von oben zu erkennen: der Verlauf der Schienen für die Pferdestraßenbahn.

Gut von oben zu erkennen: der Verlauf der Schienen für die Pferdestraßenbahn.

Der Schlegelbrunnen

Gestiftet vom Leipziger Bürger Johann Carl Gotthilf Schlegel, zeigt der Brunnen von 1912 ein taubenfütterndes Mädchen.

Stadtkirche St. Nicolai

Das heute noch bestehende gotische Kirchengebäude wurde 1333 an Stelle einer vorher abgebrannten Kirche errichtet.

Die alte Mädchenschule

Der Bau aus dem Jahr 1819/20 ersetzte das vorhergehende ehemalige Herbergshaus der Meißner Franziskaner.

Die Färberhäuser

Die Fachwerkhäuser stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und liegen am sogenannten Oberwerder.

Der Stiefelbrunnen

Die Großplastik von Vinzenz Wanitschke (1932-2012) wurde im Jahr 2001 feierlich eingeweiht. Die 2,3 m hohe Bronze zeigt die Fertigung des Stiefels durch mehrere Handwerker.

Das ehemalige Kino „Capitol“

Das Gebäude wurde in den 1930er Jahren errichtet.

Kirche St. Johannis

Die Saalkirche wurde in der Zeit um 1910 errichtet.

Das Postamt

Das Gebäude wurde 1895 bis 1897 im Stil der englischen Spätgotik errichtet.

Das Stadtbad

Das Stadtbad wurde im Jahr 1936 eingeweiht und in den letzten Jahren mehrfach saniert. Die Skulpturen schuf Otto Rost (1887-1970).

Das Amtsgericht

Das Gebäude wurde 1899 bis 1900 im Stil der Neogotik errichtet. Es wird derzeit umfangreich saniert.

Der Bahnhof

Das heutige Bahnhofsgebäude wurde 1867/68 errichtet. Da zwischen dem Bahnhof und der Innenstadt gut zwei Kilometer Strecke zu überbrücken sind und das für den aufkommenden Personenverkehr im 19. Jahrhundert eher hinderlich war, wurde die Döbelner Pferdebahn eingerichtet, die auch heute noch fährt und ein touristisches Highlight ist.

Das Haus der Kreisverwaltung der Deutschen Arbeitsfront

Das Gebäude wurde in den 1930er Jahren errichtet und diente nach Zusammenbruch des Dritten Reiches als Verwaltungsgebäude für den FDGB-Vorstand und als Volksbücherei.

Leise verfallender Jugendstil in der Franz-Mehring-Straße

Die Gebäude wurden in den Jahren 1904 bis 1905 errichtet. Leider hat sie niemand lieb. Tatsächlich muss man aber sagen, dass in Döbelns Innenstadt kaum ein historisches Gebäude unsaniert ist. Das sollte hier auch einmal lobend erwähnt werden.

Ich könnte hier theoretisch jedes Haus des historischen Stadtkerns hineinsetzen, aber das soll vorerst reichen. Ich will ja auch nicht zu viel verraten. Fahrt einfach alle nach Döbeln und seht euch alles in echt an.

… und zum Schluss

Stolpersteine

Stolpersteine

Ok, liebe Döbelner, jetzt brauche ich wirklich eure Hilfe! Was sind das für niedliche Tierchen, die man überall in der Innenstadt findet?

Fassadentierchen

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