Schnaditz

Geburtstag: 1237 (urkundliche Erwähnung der in der Burg lebenden Ritter)

Einwohner: 362

Bekannt für: den Ursprungsort einer Novelle

Bei der Erwähnung des Schlosses Schnaditz sollte es bei allen Menschen, die auf dem Gymnasium Deutsch als Leistungskurs belegt haben, schon ein bisschen klingeln. Leider trifft das nicht auf mich zu, da es bei mir nur zum Grundkurs gereicht hat und ich deshalb, was Literatur angeht, einigermaßen ungebildet bin.

Allen anderen Menschen, die etwas mehr von den Klassikern der deutschen Literatur verstehen, ist inzwischen vielleicht eingefallen, dass ein gewisser Michael Kohlhaas in der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist (1777-1811)  das Schloss anzündete. Die literarische Hauptfigur geht auf die historische Figur des Hans Kohlhase (um 1500-1540) und seine Auseinandersetzungen mit dem damaligen Rechtswesen zurück. Im Jahr 1532 war er auf dem Weg zur Herbstmesse in Leipzig und machte Rast in Wellaune. Dabei geriet er in einen Streit mit den Untertanen des Rittergutsbesitzers Günther von Zaschnitz (auch Zaschwitz), die ihm vorwarfen zwei Pferde gestohlen zu haben und diese dann von ihm einbehielten. Der Ursprung des ganzen Konflikts ist ein bisschen verworren, da die Zeugenaussagen sich widersprechen und keiner von seiner Sicht abrückte. Der Fall durchlief mehrere Instanzen und landete schließlich beim brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. Nestor (1484-1535), den Kohlhase um Vermittlung beim sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. (1503-1554) bat. Da keine rechtliche Einigung zustande kam und die juristischen Mittel für Kohlhase ausgeschöpft schienen, kündigte er Günther von Zaschnitz und dem Land Sachsen 1534 eine Fehde an. Günther von Zaschnitz verstarb im selben Jahr. Hans Kohlhase führte seine Fehde aber bis 1540 weiter und zog plündernd und brandschatzend mit seinen Getreuen durch das Land. Schließlich wurde die Bande von Häschern des Kurfürsten von Brandenburg in Berlin aufgegriffen und verhaftet. Am 22. März 1540 wurde Hans Kohlhase wegen Landfriedensbruchs zum Tode verurteilt und hingerichtet. Heinrich von Kleist verarbeitete den historischen Stoff mit einigen dramaturgischen Änderungen. Die Novelle „Michael Kohlhaas“ erschien 1810 und die darin verarbeitete Auseinandersetzung mit den Begriffen Recht und Gerechtigkeit, sowie Rache und Selbstjustiz haben nichts an Aktualität eingebüßt. Wer Lust auf geistreiche Sommerlektüre hat, darf sie sich gern zu Gemüte führen und wer keine Lust darauf hat, dem kann ich nur die sehr gute Verfilmung mit einem herausragenden dänischen Hauptdarsteller ans Herz legen.

Tatsächliche ist nicht nachgewiesen, dass Hans Kohlhase jemals in Schnaditz war. Die im 13. Jahrhundert als Wasserburg gebaute Anlage geriet 1463 an die Adelsfamilie von Zaschnitz. Günther von Zaschnitz veranlasste um 1520 bis 1530 die heute noch sichtbaren Umbauten in ein spätgotisches Schloss. Bis 1655 blieb die Familie von Zaschnitz im Besitz des Rittergutes. Bis zur Enteignung des Grundes 1945 folgten viele adlige und bürgerliche Besitzer. Während der DDR-Zeit wurde das Schloss als Wohnhaus, Verwaltungssitz, Friseursalon, Kindergarten und Poststelle genutzt. Im Jahr 1999 kam es im Zuge der Eingemeindung des Ortes an die nahegelegene Stadt Bad Düben. Im Jahr 2014 wurde es an eine amerikanische Investorengruppe verkauft, welche beim Kauf Investitionen versprach und dann nahezu nichts tat. Seit März 2018 ist die Stadt Bad Düben durch Rückabwicklung des Kaufvertrags wieder Eigentümerin des Schlosses.

Der Wassergraben umgab einst die gesamte Burganlage. Heute ist nur noch der östliche Teil davon erhalten, der auch durch den angrenzenden Schlosspark führt.

Der Wassergraben umgab einst die gesamte Burganlage. Heute ist nur noch der östliche Teil davon erhalten, der auch durch den angrenzenden Schlosspark führt.

Der Wehrturm misst 29 Meter.

Der Wehrturm misst 29 Meter.

Das Allianzwappen des Ehepaares Günther von Zaschnitz und Sophie von Poigk an der Außenseite

Das Allianzwappen des Ehepaares Günther von Zaschnitz und Sophie von Poigk befindet sich an der Außenseite.

Die ehemalige Hofdurchfahrt In den Innenräumen sind noch einige gotische Gewölbe erhalten.

Die ehemalige Hofdurchfahrt. In den Innenräumen sind noch einige gotische Gewölbe erhalten.

Der Hibiskus blüht auf dem Schlossgelände ganz zauberhaft.

Der nebenan liegende Hof erinnert an die "guten alten Zeiten" anno 1237.

Der nebenan liegende Hof erinnert an die „guten alten Zeiten“ anno 1237.

An eine Parkanlage erinnert nicht mehr viel, bis auf vereinzelte Rhododendren.

An eine Parkanlage erinnert nicht mehr viel, bis auf vereinzelte Rhododendren.

Dieses leerstehende (Vereins-?)Gebäude steht am Eingang des Schlossparks. Aus dem Inneren waren Klopfgeräusche zu hören, aber da ich nicht die Hauptdarstellerin meines eigenen Horrorfilms werden wollte, habe ich nicht nachgesehen, woher genau die Geräusche kamen.

Dieses leerstehende (Vereins-?)Gebäude steht am Eingang des Schlossparks. Aus dem Inneren waren Klopfgeräusche zu hören, aber da ich nicht die Hauptdarstellerin meines eigenen Horrorfilms werden wollte, habe ich nicht nachgesehen, woher genau die Geräusche kamen.

Aber ein bisschen Idylle lässt sich schon finden.

Aber ein bisschen Idylle lässt sich schon finden.

Die Pfarrkirche wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der Grundriss wurde nach dem Antoniuskreuz angelegt.

Die Pfarrkirche wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der Grundriss wurde nach dem Antoniuskreuz angelegt.

Der Turm stammt aus dem Jahr 1716.

Der Turm stammt aus dem Jahr 1716.

Freitagmittag auf dem Dorf

Freitagmittag auf dem Dorf

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