Unterwegs auf dem Kulturweg der Vögte I

Das Vogtland ist vielleicht keine Region unendlicher Weiten, aber, was mich betrifft, ist es eine Region unbekannter Weiten. In Sachsen ist DAS Vogtland dieser kleine komische Zipfel irgendwo im westlichsten Westen des Freistaates. Manchen fällt vielleicht noch die Assoziation zu Stefanie Hertel ein oder zur Plauener Spitze. Und sonst so? Dank meiner lieben Freunde vom Blog „Vogtland-Zauber“ wusste ich wenigstens schon, dass das Vogtland sich über Sachsen hinaus bis nach Thüringen Bayern und Tschechien erstreckt und Plauen NICHT die größte Stadt in dieser Region ist (sorry, not sorry). Aber über die Historie dieses Landstriches wusste ich eigentlich so gut wie nichts. Und so begab ich mich zusammen mit dem Vogtland Tourismus auf den Kulturweg der Vögte und verbrachte ein paar spannende und verregnete Tage in diesen unbekannten Weiten.

Noch ein Servicehinweis: Ich habe mich durch zusätzliche Recherche ehrlich bemüht die Geschichte der Vögte, der Herren und der Adelsfamilie von Reuß zu entwirren. Es ist mir leider nicht gelungen, da in der Fachliteratur auch einige Unordnung bzw. Unkenntnis darüber herrscht, welcher Heinrich nun zu welcher Linie gehört und die Begriffe „Vogt von“ und „Herr von“ oft nicht klar voneinander getrennt werden. Vielen Dank für die Kopfschmerzen! Da ich nicht möchte, dass meine liebe Leserschaft einen Knoten im Hirn bekommt, so wie ich, habe ich die historischen Verortungen relativ einfach gehalten, so dass man sie (hoffentlich) gut nachvollziehen kann. Im Zweifelsfall gilt für die vogtländische Geschichte, dass immer irgendein Heinrich mit dazugehöriger Ordnungszahl irgendwann irgendwo zugegen war.

 

Teil I – Das Thüringer Vogtland

Gera

Eine Reise durch das Vogtland sollte man am besten in der größten Stadt dieser Kulturlandschaft beginnen. Die meisten würden jetzt wohl nach Plauen aufbrechen, aber die Kenner wissen natürlich, dass diese Stadt nicht gemeint ist. Denn genauso wie die Wiege des Vogtlands, die Stadt Weida, in Thüringen liegt, so befindet sich auch die größte Stadt des Vogtlands in diesem Bundesland.

Erstmalige Erwähnung fand Gera als Landschaftsbezeichnung im Jahr 995. Ab dem Jahr 999 war diese Region im Besitz des Stiftes Quedlinburg. Im Jahr 1209 setzte die Äbtissin des Stifts Quedlinburg Heinrich II., Vogt von Weida, als Verwalter von Gera ein. Sein Sohn, Heinrich IV., nannte sich ab 1238 schon „Vogt von Gera“. Die Linie der Vögte starb im Jahr 1562 aus und Gera kam in den Besitz der Adelsfamilie Reuß, die die Stadt im Jahr 1564 zu ihrer Residenz erhob. Im selben Jahr teilte sich das Haus Reuß in drei Linien auf: Reuß älterer Linie, Reuß mittlerer Linie und Reuß jüngerer Linie. Die mittlere Linie starb im Jahr 1616 aus. Die Reuß älterer Linie regierten das gleichnamige Fürstentum mit der Landeshauptstadt Greiz. Da der letzte Fürst der älteren Linie, Heinrich XXIV. auf Grund einer Hirnschädigung für nicht regierungsfähig erklärt wurde, übernahm der Fürst Heinrich XIV., Regent der jüngeren Linie, ab dem Jahr 1902 auch die Regentschaft über Greiz. Die Personalunion der Fürstentümer endete im Jahr 1918 mit Fürst Heinrich XXVI. Das Haus Reuß hatte durch Teilungen sehr viele Nebenlinien. Die Linie Reuß-Köstritz existiert heute noch.

Ein abendlicher Spaziergang durch Gera kann sehr schön sein. Blick auf den Stadtteil Untermhaus

Das Schloss Osterstein

Auf dem Hainberg oberhalb der Stadt bauten die Vögte von Weida im 12./13. Jahrhundert eine Burganlage von der heute nur noch einige Teile zu sehen sind, denn der Großteil der Anlage fiel dem Bombenangriff vom 06. April 1945 zum Opfer, wobei das Schloss komplett ausbrannte. Von der ehemaligen Residenz der Reuß ist somit so gut wie nichts mehr zu sehen. Nur ein paar ruinöse, notdürftig gesicherte Wirtschaftsgebäude und die ehemalige Schlosswache sind noch erhalten.  Weithin sichtbar ist dagegen der mächtige Bergfried aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der obere Teil des Turms stammt allerdings aus dem Jahr 1865. Trotz der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg war Schloss Osterstein auch während der DDR-Zeit ein beliebtes Ausflugsziel, denn von hier hatte man einen wunderbaren Ausblick auf die dem Berg zu Füßen liegende Stadt. Aus diesem Grund wurde hier in den 1960er Jahren das Terrassencafé anstelle der Ruinen des Schlosses gebaut.

Einer der Wege zum ehemaligen Schloss führt über die Wolfsbrücke, die auf Grund ihres historistischen Aussehens wohl aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Der Bergfried

 

Das Terrassencafé Osterstein

 

Die übrig gebliebenen Wirtschaftsgebäude und die Schlosswache

 

Die Wolfsbrücke

 

Der abendliche Blick über Gera vom Schlossberg aus.

Der Küchengarten

Der Küchengarten reicht vom Theater über die Orangerie bis zum Ufer der Weißen Elster. Erstmals erwähnt wurde der Park im Jahr 1631 und sein Name leitet sich von der Nutzung ab, die aber den adligen Bewohnern von Schloss Osterstein vorbehalten war. Erst nach der Abdankung des reußischen Fürsten im Jahr 1918 wurde die Grünanlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Durch den Bombenangriff vom 06. April 1945 erlitt auch der Küchengarten erhebliche Schäden.

Nach dem Tod von Josef Stalin im Jahr 1953 wandelte man den Park in eine Gedenkstätte um und nannte ihn „Stalinpark“. Als Anfang der 1960er Jahre die Stalinverehrung nachließ, weil herauskam, dass er doch nicht der Supertyp war, für den ihn alle hielten (konnte ja keiner ahnen, ne) wurde der Park wieder umbenannt, diesmal in „Park der Opfer des Faschismus“. Diesen überhaupt nicht sperrigen Titel behielt die Anlage bis 1991. Seitdem heißt sie wieder „Küchengarten“. Für die Bundesgartenschau im Jahr 2007 wurde der Küchengarten wieder in einen barocken Lustgarten umgewandelt.

Umrahmt wird die Parkanlage vom Gebäude der Orangerie aus dem Jahr 1732. Das Hauptgebäude wurde 1748/49 fertiggestellt. Auch die Orangerie wurde im Rahmen eines Projektes der Bundesgartenschau wieder instandgesetzt. Seit dem Jahr 1947 wird der halbkreisförmige Gebäudekomplex als Museum genutzt. Von 1957 bis 1963 diente es als „Museum für Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung des Bezirkes Gera“. Seit dem Jahr 1972 beherbergen die Räumlichkeiten die Kunstsammlung Gera. Die Kunstsammlung umfasst Kunstwerke vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Zu sehen sind natürlich auch Werke des berühmtesten Kindes der Stadt, des Malers und Grafikers Otto Dix.

Das Theater

Das stattliche Gebäude des Theaters bildet den östlichen Abschluss des Küchengartens. Der Bau ist ein Mix aus Jugendstil und Historismus und wurde unter dem Architekten Heinrich Seeling im Jahr 1902 errichtet. Den Grund und Boden, der eigentlich zum herrschaftlichen Park gehörte, steuerte Fürst Heinrich XIV. zur Bebauung bei.

Das Portal des Theaters macht ordentlich was her. Auf dem dreieckigen Giebel thront ein güldener Genius auf einer Sphinx. Weiter unten ist das Motto des Hauses angebracht „Musis sacrum“ – „den Musen geweiht“. Ebenso im Portal vertreten sind zwei Büsten der Top-MCs der deutschen Klassik, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe.

Zur blauen Stunde sieht das Theater durch die hauseigene Beleuchtung besonders beeindruckend aus.

Die Marienkirche

Obwohl die Marienkirche im Stadtteil Untermhaus nicht so wirkt, ist sie eine der ältesten Kirchen der ganzen Stadt. Bereits im 12. Jahrhundert soll sich an dieser Stelle eine Marienkapelle befunden haben, deren Reste heute den Altarraum bilden. Der größte Teil der Kirche wurde allerdings um 1440 gebaut und ist damit der Spätgotik zuzuordnen. Von 1802 bis 1854 war sie die Garnisonskirche des reußischen Militärs. Seinen neogotischen Anstrich erhielt das Gebäude im Jahr 1882, als die Kirche aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl erweitert werden musste. Seitdem zieren zwei Türmchen die Westfassade. Im Inneren baute man ein hölzernes Tonnengewölbe ein, dessen Bögen eine sehr schöne organische Atmosphäre erzeugen.

Links neben der Marienkirche steht übrigens das Geburtshaus von Otto Dix.

Das Altarretabel gehört mit zu den ältesten Ausstattungsstücken der Kirche und wurde im Jahr 1460 von zwei Hallenser Kaufleuten gestiftet.

Das Altarretabel gehört mit zu den ältesten Ausstattungsstücken der Kirche und wurde im Jahr 1460 von zwei Hallenser Kaufleuten gestiftet.

Hotel – Restaurant Zwergschlösschen

Einst lebten in den Höhlen oberhalb der Weißen Elster der König Coryllis und sein Zwergenvolk. Die Menschen konnten von ihnen Hilfe erbitten, wenn sie drei glatte Elsterkiesel hinter sich in die Höhe warfen und dabei dreimal „Coryllis erscheine!“ riefen. Das Verhältnis zwischen den Zwergen und den Menschen wurde irgendwann immer schlechter und die Zwerge verließen daraufhin das Elstertal.

Die Spuren dieser Sage sind in der Stadt Gera immer noch zu finden, so zum Beispiel im Hotel und Restaurant Zwergschlösschen, welches sich unweit der der Weißen Elster befindet. Das Gebäude im Schweizerhaus-Stil ist schon über 100 Jahre alt.

Der Hotelbetrieb befindet sich seit drei Generationen im Besitz der Familie Lips. Jedes Zimmer ist nach einer anderen kulturellen Sehenswürdigkeit in Gera benannt, wie „Küchengarten“, „Tierpark“ oder „Theater“. (Ich selbst durfte im „Schloss Osterstein“ nächtigen.)

Sowohl im Hotel als auch im angeschlossenen Restaurant wird auf Nachhaltigkeit geachtet. Die Küche bietet eine Hauptkarte mit regionalen Gerichten und eine monatlich wechselnde Saisonkarte an.

Das Zwergschlösschen zur Blauen Stunde

 

Zimmer „Schloss Osterstein“ 

 

Weida

Verirren kann man sich in Weida dank dieser hübschen Gullydeckel nicht.

Die Osterburg

Auch wenn das Vogtland heute automatisch mit Sachsen verbunden wird, liegt seine Wiege in Thüringen. Denn in Weida ließ sich im 12. Jahrhundert eine Familie von Reichsministerialen nieder, die ihr Herrschaftsgebiet in den folgenden Jahren ausbauten. Weida war bis zum 15. Jahrhundert die Residenz dieser Familie, die sich die Vögte von Weida nannten. Die Stadt Weida bildet somit den Ursprung des „terra advocatorum“ – des Vogtlandes. Residiert wurde in der Osterburg, die in den Jahren 1163 und 1193 unter dem Vogt Erkenbert II. errichtet wurde. Sie wurde früher auch das „feste Haus zu Weida“ genannt. Im 15. Jahrhundert gingen die Stadt und die Burg an die Wettiner über, u. a. gehörte Weida zum Besitz der kurzlebigen Sekundogenitur Sachsen-Zeitz. Die Burg wurde immer wieder umgebaut. Von größeren Umbauten verschont blieb der Bergfried, der mit seinen 54 Metern Höhe und den drei Zinnenkränzen einen großen Anteil am klassischen Charme der Burg hat. Der Turm ist einer der höchsten, ältesten und mit einer Mauerstärke von 5,7 Meter auch einer der gewaltigsten Bergfriede in Deutschland. Der Aufstieg ist etwas eng und beschwerlich, lohnt sich aber, denn oben angekommen steht man in der Wohnung des letzten Türmers. Er war auf beiden Augen blind und lebte und arbeite von 1890 bis 1917 als Türmer auf der Osterburg.

Auf dem Schlosshof

Auf dem Schlosshof

Der Blick vom Bergfried auf das Schloss und die Stadt Weida

Der Blick vom Bergfried auf das Schloss und die Stadt Weida

Das Dominikanerinnenkloster/Kornhaus

Wie andere Herrscher auch stifteten die Vögte von Weida Klöster. Eins davon befindet sich heute mitten in der Stadt und wurde im Jahr 1293 erstmalig erwähnt. Das Kloster der Dominikanerinnen wurde nach der Reformation aufgehoben. Die Klosterkirche, die heute noch zu finden ist, wurde von der Stadt als Kornhaus benutzt. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude in ein Wohn- und Geschäftshaus umgebaut und beherbergte eine Weinhandlung und ein Wirtshaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Flüchtlingsheim. Ab den 1980er Jahren stand es leer und verfiel. Die Restaurierung dieses Denkmals wurde im letzten Jahr abgeschlossen. Einer endgültigen Nutzung wurde es aber noch nicht zugeführt.

Die Peterskirche

In der Stadt finden sich nicht nur die Überreste von Klöstern, sondern auch viele Kirchen. Die romanische Peterskirche aus dem 12. Jahrhundert unterstand dem nicht weit entfernten Dominikanerinnenkloster. Nach der Reformation gelangte auch dieses Gebäude in den Besitz der Stadt, blieb aber ungenutzt und stand ab dem Jahr 1570 leer. Während des Dreißigjährigen Krieges, durch den im Jahr 1633 ein großer Stadtbrand verursacht wurde, erlitt die Kirche Schäden am Nordturm und dem kompletten Kirchenschiff, die nie wieder instandgesetzt wurden. Auf den Grundmauern des Kirchenschiffes wurde in den Jahren 1830/31 ein Gebäude errichtet, welches unter anderem als Mädchenschule diente. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde die Kirche saniert. Sie steht immer noch leer.

Die Stadtkirche St. Marien

Neben dem Frauenkloster der Dominikanerinnen fand auch der Franziskanerorden im 13. Jahrhundert in Weida seinen Sitz. Die heutige turmlose Stadtkirche ist die ehemalige Klosterkirche der Mönche. Erbaut wurde sie um 1350. Auch dieses Kloster wurde nach der Reformation aufgelöst und die Kirche protestantisch umgewidmet. Infolge des Dreißigjährigen Krieges brannte sie im Jahr 1633 ab, wurde aber von 1645 bis 1648 dank schwedischer Geldspenden wieder aufgebaut. Der letzte Herzog von Sachsen-Zeitz, Moritz Wilhelm, hat in dieser Kirche seine Grablege, denn er verlegte im Jahr 1717 seine Residenz von Zeitz auf die Osterburg. Ein Jahr später verstarb er hier.

Die Ruine der Widenkirche

Die Ruine der Widenkirche befindet sich oberhalb des Zentrums von Weida. Sie wurde in der Mitte des 12. Jahrhunderts als Marienkapelle errichtet. Ihr Name leitet sich von dem Wort „widmen“ ab. Um 1230 wurden zwei Türme angebaut und im 14. Jahrhundert erhielt die Kirche noch einen gotischen Anbau. Auch diese Kirche verdankt ihren ruinösen, aber trotzdem sehr mystischen, Charakter dem großen Stadtbrand von 1633. Der Südturm wurde im Jahr 1803 abgetragen. Der Nordturm wurde in den Jahren 1996/97 restauriert und enthält noch die Kirchenglocken. Außerdem befindet sich an diesem Turm ein hölzerner Anbau, der von den Einheimischen „Käsekorb“ genannt wird. Woher dieser Begriff stammt, ist allerdings unbekannt.

Der begehbare Bilderrahmen

Direkt neben der Ruine der Widenkirche steht ein wunderschöner großer Rahmen. In ihn eingeschlossen ist die postkartenromantische Sicht auf die Osterburg und die ihr zu Füßen liegende Stadt (seeeeehr instagramig). Der Rahmen entstand als Projekt des Kinder- und Jugendparlaments der Stadt Weida im Jahr 2016 (Kinder an die Macht!).

Sieben – Laden und Café

Nach der ganzen Kultur, die man in Weida konsumieren kann, gestaltet sich die Nahrungsaufnahme schon etwas schwieriger. Eine gute Chance dem Hunger zu entfliehen, hat man im Café Sieben. Das Café befindet sich in einem der kleinen Wohnhäuser rund um die Peterskirche und bei schönem Wetter kann man auch im kleinen Innenhof sitzen, der direkt an die Kirchenmauer angrenzt. Neben herzhaften und süßen Crêpes, Kuchen und weiteren Leckereien der „kleinen Küche“ gibt es auch Tee (in großen Tassen) und Kaffee. Neben dem Café sind auch ein kleiner Laden und Ferienwohnungen in dem Gebäude untergebracht.

 

Wünschendorf/Elster

Die Gemeinde Wünschendorf/Elster, gelegen zwischen Weida und Gera, bietet ziemlich viele Sehenswürdigkeiten aus den mittelalterlichen (und gar nicht finsteren) Anfängen des Vogtlands.

Die Veitskirche

Die Veitskirche soll im Jahr 974 aus einer Burgkapelle der Vorfahren der Vögte von Weida entstanden sein. Damit ist sie die älteste Kirche im Vogtland und eine der ältesten Kirchen in Thüringen. Bis ins 12. Jahrhundert war hier die Grablege der Weidaer Vögte.

Bis ins 17. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach umgebaut. Der älteste Bauteil wird heute die „Ottonische Kapelle“ genannt. Durch den massiven Glockenturm erinnert das Aussehen des Gebäudes an eine Wehrkirche. Das Portal des Turmes versetzte man im 16. Jahrhundert aus dem nahe gelegenen Kloster Mildenfurth hierher.

Die Klosterruine Cronschwitz

Wer hätte nicht gerne eine Klosterruine im Garten? Für eine Familie im Ortsteil Cronschwitz ist dieser Traum wahr geworden. Wenn man klingelt und ganz lieb fragt, wird man eingelassen und darf sie sich ansehen. Aber wie kam denn nun die Ruine in den Garten?

Im Jahr 1238 wurde das Kloster als Adligenstift von Jutta von Straßberg gegründet. Sie war gerade frisch im Kloster Mildenfurth von Heinrich IV., Vogt von Weida (später Gera), geschieden worden. Denn Heinrich wollte gerne in einen der damals angesagtesten Ritterorden, den Deutschen Orden, eintreten. Dieser Eintritt erforderte allerdings Ehelosigkeit. Damit seine zukünftige Exfrau trotzdem standesgemäß versorgt wurde, durfte sie ihr eigenes Kloster gründen und deren erste Priorin werden. Cronschwitz entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der reichsten Klöster im ganzen Vogtland.

Heinrich IV. war inzwischen zum Landmeister des neugegründeten Deutschordensstaates aufgestiegen. Als er um 1248/49 starb, wurde er im Kloster seiner Exfrau beigesetzt. Damit wurde Cronschwitz zur Grablege der Vögte und zur Unterkunft vieler vögtischer Töchter.

Das Kloster bestand bis 1534/1544. Die Klosterkirche und die sie umgebenden Wirtschaftsgebäude verfielen zu Ruinen. Erst im 17. Jahrhundert kaufte der Kurfürst Johann Georg I. das Gut und wandelte es in ein Kammergut um, welches bis ins Jahr 1945 verpachtet wurde. Die übrigen Teile der Klosteranlage werden, aufgrund der dichten Bebauung, unter den angrenzenden Höfen und Gebäuden vermutet.

Eines der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Klosters dient heute als Wohnhaus.

Eines der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Klosters dient heute als Wohnhaus.

 

Zu einem anständigen Kloster gehört mindestens eine Katze.

 

Die Frage aller Fragen bei der Erhaltung der Ruine ist, ob der Efeuwuchs schädlich für das Gestein ist oder alles zusammenhält?

Das Kloster Mildenfurth

Das Kloster Mildenfurth wurde um 1193 von Heinrich II., Vogt von Weida, und seiner Frau Berta gegründet. Es unterstand dem Kloster Unserer Lieben Frauen in Magdeburg und war mit Prämonstratenserchorherren besetzt. Das heute noch zu besichtigende Hauptgebäude, die Klosterkirche, wurde zwischen 1200 und 1250 als dreischiffige romanische Basilika errichtet. Im 15. Jahrhundert kam das Kloster durch einen Verkauf an die Wettiner. Bis zur Auflösung durch die Reformation im Jahr 1529 blieben die Mönche in Mildenfurth. Im Jahr 1543 kaufte Mathes von Wallenrod, ein Berater des sächsischen Kurfürsten und Hauptmann der Veste Coburg, das ehemalige Stift und baute die Kirche zum Schloss um. Die renaissancezeitlichen Gebäudeteile heben sich stark vom romanisch-kirchlichen Unterbau ab und wirken wie aufgesetzt.

Von 1816 bis 1918 gehörte das gesamte Gut zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Seit dem Jahr 1968 arbeitet und lebt der Künstler Volkmar Kühn direkt neben dem ehemaligen Kloster. Seine Skulpturen sind auf dem ehemaligen Klostergelände und im Gewölbekeller verteilt und bilden einen schönen Kontrast zu dem alten Gemäuer.

Im Vordergrund ist die Skulptur "Zugeschüttet" aus dem Jahr 1996 zu sehen.

Im Vordergrund ist die Skulptur „Zugeschüttet“ aus dem Jahr 1996 zu sehen.

Die Burgruine Reichenfels bei Hohenleuben

Unweit der kleinen Stadt Hohenleuben liegt die Burgruine Reichenfels. Erstmals wurde die Burg 1356 erwähnt, als sie in den Besitz der Vögte von Gera gelangte. Vorher gehörte sie den Vögten von Weida und wurde wahrscheinlich schon um 1200 erbaut (oder im 12. Jahrhundert; die Info-Broschüren und die Fachliteratur sind da etwas uneins). Die Burg diente als Verwaltungssitz der Pflege Reichenfels. Bis zum 17. Jahrhundert hatte die Anlage mit wechselnden Besitzern und dem schrittweisen Verfall zu kämpfen. Ein versuchter Wiederaufbau in den Jahren 1804 bis 1811 scheiterte letztendlich. Bis auf ein paar Mauerreste blieb nach der letzten Abtragung in den Jahren 1900 bis 1903 nicht viel übrig. Aber Ruinen sind ja auch etwas Schönes und die ganze Anlage verströmt eine nette nostalgisch-verklärte Aura. Auf dem Gelände ist außerdem noch ein Museum zu finden. Das Gebäude mutet älter an, stammt aber erst aus dem Jahr 1938. Innen befindet sich alles zur Geschichte der Region um Hohenleuben-Reichenfels, u. a. auch ein Modell der Burg.

Zeulenroda – Die Karpfenpfeiferstadt

Gegenüber dem Rathaus in Zeulenroda steht der Karpenpfeifer-Brunnen, der im Jahr 2010 von dem Jenaer Bildhauer Karl-Heinz Appelt geschaffen wurde. Der Spitzname „Karpfenpfeifer“ für die Einwohner von Zeulenroda geht auf folgende Geschichte zurück: Einst wurde die Hochzeit einer Greizer Fürstentochter in der Residenzstadt gefeiert. Zu dem Fest waren auch zwölf Bürger aus Zeulenroda eingeladen. Das Festmahl beinhaltete unter anderem ein Karpfengericht nach vogtländischem Rezept. Die Karpfen dafür stammten aus dem einzigen Teich in Greiz, dem Binsenteich am Schlossberg. Dieser Teich war aber durch Schlamm stark verschmutzt, was sich auch auf den Geschmack der Fische auswirkte. Die Zeulenrodaer Bürger besaßen zu dieser Zeit über 100 Fischteiche und eine hervorragende Fischzucht, weshalb sie von den fürstlichen Karpfen mehr als enttäuscht waren. Und deshalb ließen sie das Gericht mit folgenden Worten in die Hofküche zurückgehen: „Wir pfeifen auf solche Schlammkarpfen!“ Der Hofkoch zeigte sich davon natürlich nicht begeistert und bezeichnete die Bürger aus Zeulenroda verächtlich als „Karpfenpfeifer“. Dieser Spitzname hat sich bis heute erhalten.

Das Zeulenrodaer Meer

Beim Zeulenrodaer Meer handelt es sich natürlich nicht um ein richtiges Meer, sondern um die Talsperre Zeulenroda, die im Jahr 1977 eingeweiht wurde. Bis zum Jahr 2012 war sie zusammen mit der benachbarten Weidatalsperre eine sogenannte Trinkwassertalsperre. Das bedeutet, dass man darin nicht Baden gehen durfte und auch sonst keine touristische Nutzung, bis auf Wanderwege, möglich war. Das hat sich nun zum Glück geändert. Man kann auf unterschiedlichen Wegen das Meer erkunden und die schöne Landschaft genießen.

Zu Fuß erschließen kann man beide Talsperren auf dem 45 Kilometer langen Wanderweg, welcher schon mehrfach ausgezeichnet wurde.

Mit der Aufhebung der Trinkwassertalsperre hat sich auch ein umfangreiches Wassersportangebot entwickelt. Nur Motorboote dürfen nicht fahren. Bei schönem Wetter nutzen Badegäste am besten das Strandbad. Ein absoluter und oft unterschätzter Pluspunkt der Anlage ist, dass sie komplett barrierefrei ist. Denn hier soll jeder Besucher auf seine Kosten kommen. Abends kann man dann im Restaurant „da Rosario“ den Tag mit Blick auf die Talsperre ausklingen lassen.

An regnerischen Maitagen hat man den Badestrand ganz für sich.

An regnerischen Maitagen hat man den Badestrand ganz für sich.

Das Bio-Seehotel

Kaum zu übersehen ist am Rande des Zeulenrodaer Meers das Bio-Seehotel. Die Architektur ist sehr wuchtig und geht auf den Ursprung des Gebäudes als FDGB-Ferienheim zu DDR-Zeiten zurück. Im Jahr 1997 wurde das Hotel endgültig geschlossen. Zwei Jahre später übernahm die Bauerfeind AG das Gebäude und im Jahr 2001 konnte es nach umfangreicher Sanierung als Tagungshotel neu eröffnet werden. Seinen Charakter als solches hat es noch nicht ganz verloren, doch mit der touristischen Nutzbarkeit des Zeulenrodaer Meeres, wurde bzw. wird die Vier-Sterne-Anlage auch in den Blick von Familien und Wellnessurlaubern gerückt. Genauso wie an der Talsperre, wird auch hier auf Barrierefreiheit geachtet und zwar nicht nur bei der Gestaltung der Zimmer, sondern auch in dem riesigen (von mir aus Zeitgründen nicht genutzten) Wellnessbereich. Ich bin mir sicher man kann eine Woche in dem Hotel Urlaub machen und suuuuper entspannt wieder abreisen, ohne das Gebäude einmal verlassen zu haben, weil man sich nur im Panorama Spa aufgehalten hat. Meine Highlights im Wellnessbereich, an denen ich allerdings nur vorbeigelaufen bin, waren: der Panoramablick im Schwimmbad, die Schneekammer im Saunabereich, der komplette Beautybereich.

Das Bio-Seehotel heißt natürlich nicht ohne Grund so. Auf ökologische Nachhaltigkeit und Qualität wurde hier schon geachtet, bevor es ein absolut begrüßenswerter Trend wurde. Das Haus hat seine eigene Bio-Fleischerei und Bio-Bäckerei und auch bei den regionalen Lieferanten wird auf diese Güte Wert gelegt. Und was soll ich sagen, das Essen war ganz hervorragend. Zum Abendessen hat man nicht nur den schönsten Panoramablick auf die Talsperre, sondern kann auch zwischen Karte und Büfett wählen. Auch das Frühstücksbüfett war ganz wunderbar und ließ keine Wünsche offen. Ich denke noch oft an den Kaiserschmarrn und die Meeresfrüchte zurück, wenn ich vor meiner kargen Schüssel Cornflakes sitze.

Der Teppich vor der Rezeption wird täglich um 0.00 Uhr gewechselt.

 

Der erste Teller vom Abendbüfett

 

Der Kaiserschmarrn vom Frühstücksbüfett

 

Die Eiskammer im Saunabereich

Die Eiskammer im Saunabereich

 

Der Pool mit Panoramablick

Der Pool mit Panoramablick

 

Einer der vielen Behandlungsräume des Panorama Spas

 

Ein kleines kunsthistorisches Highlight findet man in einem der großen Veranstaltungsräume: das Mosaik "Weltall-Erde-Mensch" von Gerhard Stengel aus dem Jahr 1981.

Ein kleines kunsthistorisches Highlight findet man in einem der großen Veranstaltungsräume: das Mosaik „Weltall-Erde-Mensch“ von Gerhard Stengel aus dem Jahr 1981.

Transparenzhinweis: Vielen Dank an den Tourismusverband Vogtland e. V., der mich zur Pressereise auf dem Kulturweg des Vögte eingeladen hat. Der Beitrag spiegelt meine eigene Meinung wieder, denn die Gedanken bleiben frei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*