Rammenau

Einwohner: 1.540

Geburtstag: 1213 (nicht mehr im Original erhaltene Urkunde), 1228 (älteste im Original überlieferte Urkunde)

Bekannt für: ein Barockschloss in Sachsen, das mal nicht August gebaut hat und einen halbwegs berühmten Mann

Was sollte man nicht tun, wenn man nicht das Geld dafür hat? Ein Haus bauen. Was tun aber trotzdem viele Menschen, obwohl sie gar nicht das Geld dafür haben? Ein Haus bauen. Da früher alles besser war, hat man natürlich nicht nur Häuser gebaut, wenn man gar nicht das Geld dazu hatte, sondern gleich ganze Schlosskomplexe. So geschehen in dem so idyllisch am Westrand der Lausitz gelegenen Ort Rammenau.

Das Barockschloss

Ernst Ferdinand von Knoch (1677-1745) hatte das Rittergut 1711 gekauft und wollte für sich eine repräsentativere Residenz schaffen. Die Planungen sollen angeblich von Johann Christoph Knöffel (1686-1752), dem Baumeister etlicher sächsischer Barock- und Rokokobauten, stammen. Der Bau des Gebäudeensembles, bestehend aus Schloss, Ehrenhof, Torhaus und Wirtschaftshaus, begann um 1720. Dabei bekommt besonders das Schloss alle architektonischen Highlights verpasst, die im Barockzeitalter gerade en vogue waren, wie z. B. ein Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel, ein Mansardwalmdach und eine illusionistische Wandbemalung.

Das Schloss liegt in der Johann-Gottlieb-Fichte-Straße. Anlässlich des 200. Geburtstages des Philosophen im Jahr 1962 wurde die Straße nach ihm benannt. Alle anderen Straßen wurden erst im Jahr 1972 mit einem Namen versehen.

Das Schloss liegt in der Johann-Gottlieb-Fichte-Straße. Anlässlich des 200. Geburtstages des Philosophen im Jahr 1962 wurde die Straße nach ihm benannt. Alle anderen Straßen wurden erst im Jahr 1972 mit einem Namen versehen.

Neben Rammenau besaß von Knoch noch weitere Rittergüter u. a. in Elstra und Gödlau. Doch die damit erzielten Einnahmen reichten nicht aus und der kurfürstlich-sächsische Kammerherr ging 1744 in Konkurs. Das Rammenauer Rittergut, inklusive halbfertigem Schloss, kam unter den Hammer und wurde von Franz Josef von Hofmann (1696-1749), Geheimer Kämmerer am Sächsischen Hof, ersteigert. Im Jahr 1748 wurde das Schloss unter dem neuen Besitzer fertiggestellt. Da Franz Joseph von Hofmann keine eigenen Kinder hatte, erbte sein Neffe das Rittergut. Johann Albericus von Hoffmann (1717-1780) wurde 1778 unter dem Namen „von Hoffmannsegg“ in den Reichsgrafenstand erhoben.

Im Jahr 1880 verkaufte Conradin Centurius von Hoffmannsegg (1827-1898) das Rittergut und das Schloss von Rammenau an die Familie von Posern. In dieser Familie verblieb das Rittergut bis zur Enteignung im Jahr 1945. Die letzte Besitzerin Margarete von Helldorff, geb. von Posern (1876-1948) sorgte bereits 1937 für die Einrichtung eines Johann-Gottlieb-Fichte-Museums im Schloss und im Jahr 1939 kam das barocke Anwesen auf die Landesdenkmalliste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzte die Rote Armee für einige Zeit das Schloss. Das Inventar wurde nach Dresden verbracht. Ab 1951 nutzte die Hochschule für Bildende Künste in Dresden das vom Krieg nahezu verschonte Schloss als Landesstudienheim. In den 1960er Jahren fanden umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Im Jahr 1967 wurde ein Museum und ein Jahr später ein Schlossrestaurant eröffnet. Im Jahr 1993 wurde das Barockschloss Teil des Schlösserlandes Sachsen und wurde abermals umfassend restauriert und saniert.

Auf den Schlosswegen finden sich unterschiedliche Platten, die auf die historischen Ereignisse des Gebäudes verweisen, wie hier z. B. auf die Grundsteinlegung.

Die Ausstattung der Innenräume des Schlosses ist nicht so barock wie die Außenhaut vermuten lässt. Tatsächlich ist ihre Entstehung nicht exakt zeitlich zu fixieren. Da die meisten Räume im klassizistischen Stil gehalten sind, geht man davon aus, dass ihre Umgestaltung zwischen den Jahren 1800 bis 1830 stattfand.

In den Räumen des Erdgeschosses ist die Ausstellung zur Schlossgeschichte untergebracht.

In den Räumen des Erdgeschosses ist die Ausstellung zur Schlossgeschichte untergebracht.

Das Treppenhaus weist eine illusionistische Wandbemalung auf.

Das Treppenhaus weist eine illusionistische Wandbemalung auf.

Der Blick vom Ankleiderzimmer der Herren in das Pfauenzimmer/Bulgarisches Zimmer

Der Blick vom Ankleidezimmer der Herren in das Pfauenzimmer/Bulgarisches Zimmer

Detail aus dem Pfauenzimmer/Bulgarischen Zimmer. Die Bemalung orientiert sich am pompejanischen Stil der Antike. Warum der Raum ab 1937 als Bulgarisches Zimmer bezeichnet wurde, ist nicht bekannt.

Wanddetail aus dem Pfauenzimmer/Bulgarischen Zimmer. Die Bemalung orientiert sich am pompejanischen Stil der Antike. Warum der Raum ab 1937 als Bulgarisches Zimmer bezeichnet wurde, ist nicht bekannt.

Die Supraporte des Ankleidezimmers der Dame zeigt Muffelwild.

Das Pompejanische Zimmer ist in seiner Ausmalung der Villa des Cicero in Pompeji nachempfunden. Als Vorlage dienten - wie bei vielen anderen antikisierenden Raumausmalungen des Schlosses - die Stiche des Buches "Le Antichitá di Ercolano"(1757-1792).

Das Pompejanische Zimmer ist in seiner Ausmalung der Villa des Cicero in Pompeji nachempfunden. Als Vorlage dienten – wie bei vielen anderen antikisierenden Raumausmalungen des Schlosses – die Stiche des Buches „Le Antichitá di Ercolano“(1757-1792).

Der Spiegelsaal ist der größte und höchste Raum des Schlosses. Bei seiner ursprünglichen Ausstattung war der Raum in schlichtem Weiß gehalten. Das gülden-beige Farbmuster wurde erst im Jahr 1901 angebracht. Der vergoldete Bronzekronleuchter stammt ursprünglich aus dem Brühlschen Palais aus Dresden, welches im Jahr 1900 abgetragen wurde.

Der Spiegelsaal ist der größte und höchste Raum des Schlosses. Bei seiner ursprünglichen Ausstattung war der Raum in schlichtem Weiß gehalten. Das gülden-beige Farbmuster wurde erst im Jahr 1901 angebracht. Der vergoldete Bronzekronleuchter stammt ursprünglich aus dem Brühlschen Palais aus Dresden, welches im Jahr 1900 abgetragen wurde.

Auch der Park hinter dem Barockschloss entstammt nicht der Zeit vor, sondern nach 1800. An der Stelle, an welcher sich heute der englische Landschaftspark erstreckt, befand sich ein kleinerer Lustgarten. Die Umgestaltung in den Jahren 1825 bis 1835 leitete der damalige Besitzer Johann Centurius von Hoffmannsegg (1766-1849). Als Botaniker und Besitzer zahlreicher Gärtnereien und Baumschulen galt er als Fachmann auf diesem Gebiet. Über die Pflanzenwelt Portugals publizierte er im Jahr 1840 mit einem Forschungskollegen das Buch „Flore Portugaise“. Im Park steht auch das erste Fichtedenkmal aus dem Jahr 1862. Es wurde anlässlich des 100. Geburtstages des Philosophen im Dorf aufgestellt. Anlässlich seines 200. Geburtstags wurde das Denkmal in den Schlosspark umgesetzt, der in Fichtepark umbenannt wurde.

Das Schloss von der Gartenseite aus gesehen

Das „alte“ Fichtedenkmal

Die Kirche

Wahrscheinlich stand schon seit der Gründung der Gemeinde eine Kapelle auf dem Kirchenberg. Eine kleinere hölzerne Kirche brannte während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1642 ab. Ein ebenfalls hölzerner Nachfolgebau musste im Jahr 1736 abgetragen werden. Die heutige Kirche entstand in den Jahren 1736 bis 1749. Dabei handelt es sich um einen schlichten quadratischen Bau mit einem Dachreiter. Es muss ja nicht immer gleich ein ganzer Turm sein.

Das neue Fichtedenkmal

Ein Blick sagt oft mehr als tausend Worte. Nichts illustriert diese Alltagsweisheit mehr als das Gesicht der – mit der Gesamtsituation unzufrieden scheinenden – Büste des neuen Fichtedenkmals. Rückblickend betrachtet, war Bronze vielleicht nicht die beste Materialwahl. Denn bei der Aufstellung sieht Bronze immer ganz hübsch aus, aber ein paar Jahre später ballert die Korrosion eben ordentlich rein und Patina steht leider nicht jedem Kopf.

Die Denkmalsanlage, die aus der Büste, einer sie umgebenden halbrunden Sandsteinbank und Bepflanzung besteht, wurde aus Anlass des 150. Geburtstages Johann Gottlieb Fichtes vom Sächsischen Kunstverein gestiftet und vom Bildhauer Walter Sintenis (1867-1911) ausgeführt.

Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) war neben Immanuel Kant (1724-1804) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) einer der bekanntesten Philosophen seiner Zeit. Aus ärmlichen Verhältnissen in Rammenau stammend, hat er es trotz fehlendem Uni-Abschluss zu mehreren Lehrstühlen an verschiedenen Universitäten gebracht. Auf Grund seiner – im Angesicht der napoleonischen Kriege – patriotisch-deutschen Haltung und einer Prise Antisemitismus ist er auch heute noch bei Rechten besorgten Bürgern beliebt.

Gegenüber des Fichtedenkmals befindet sich ein Gedenkstein samt Infotafel, der an das abgerissene Geburtshaus des Philosophen erinnern soll.

Das Kriegermahnmal

Kein Dorf ohne Kriegermahnmal. Das Rammenauer Exemplar wurde für 72 aus dem Ort stammende Gefallene des Ersten Weltkriegs aufgestellt. Auf dem Granitquader findet man neben den Namen der Männer zwei Reliefs, einen sterbenden Krieger und eine stillende Mutter. Denn nichts drückt Mütterlichkeit deutlicher aus, als mit knapp 20 Jahren für nichts und wieder nichts in einem Krieg alter Männer zu sterben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*