Lützen

Geburtstag: 1269

Einwohner: 8625

Bekannt für: einen in der Schlacht erschossenen schwedischen König

Same shit – different century. Ähnlich wie Mühlberg an der Elbe ist die Kleinstadt Lützen nur deshalb bekannt, weil sich in ihrer Nähe verschiedene Menschen aus verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Gründen gegenseitig die Lebenserwartung verkürzt haben. Das wohl prominenteste und marketingtechnisch verwertbarste Opfer war Gustav II. Adolf (1594-1632), König von Schweden. Er fiel am 6./16. November 1632 in der Schlacht. Am Fundort seines Leichnams wurde noch im selben Jahr ein Findling aus Granit aufgestellt. Dieser Stein wurde mit der Zeit ein beliebtes Ausflugsziel. Und weil es damals noch keine Tourismusinformation mit einem Andenkenshop gab, fingen die Menschen an sich kleine Stücke aus dem großen Stein zu brechen. (Kein Kommentar -,-)  Weiterlesen

Naumburg

Einwohnerzahl: 33.012
Geburtstag: 1012 (urkundliche Ersterwähnung)
Bekannt für: den Dom; die Stifterfiguren im Dom; sehr viele Menschen, die sich die Stifterfiguren im Dom ansehen
Beim Besuch von Städten oder Städtchen, die mal ein Bistumssitz waren und immer noch einen Dom haben, habe ich mir angewöhnt mit dem Zug anzureisen. Städte, die im Mittelalter erbaut worden sind, haben meistens einen relativ eng bebauten Stadtkern, enge Straßen (die meistens Einbahnstraßen sind) und Baustellen, weil das originale Kopfsteinpflaster von drölfhundertsowieso dauernd ausgebessert werden muss. Für Naumburg hatte sich diese Entscheidung definitiv gelohnt. Da es bei den Touris ziemlich beliebt ist, gibt es nämlich keine kostenlosen Parkplätze (zumindest soweit ich das einschätzen kann). Wie erwartet besteht der Stadtkern aus Einbahnstraßen, Baustellen und an meinem Besuchstag war auch noch Markttag (mit ordentlich Lokalkolorit). Mit dem Auto in diese Stadt zu kommen, schien mir relativ schwierig. In solchen Fällen neigt der durchschnittliche deutsche Autofahrer zu geringfügigen Tobsuchtsanfällen, wie ich in der Touristeninfo später beobachten durfte. In diesem Moment beglückwünschte ich mich selbst zu meiner Entscheidung with the Deutsche Bahn getravelled zu sein. Der Weg vom Bahnhof zum Stadtzentrum ist nicht gerade der kürzeste, aber wenigstens ist alles ausgeschildert. Bei Sonnenschein hat man auch einen schönen Blick ins Saaletal. Als ich mich dem Dom näherte und das Kopfsteinpflaster (im Volksmund „Katzenköppe“ genannt) begann, fiel mir dann aber schon die erste Fehlentscheidung meinerseits auf: Ich trug keine flachen Schuhe. Ich dachte mir, ‚Ach, scheiß drauf. Als Kulturjunkie halte ich das aus. Ist ja nicht das erste Mal. Und ich bin auch schon in hohen Schuhen sechs Stunden lang durch ein Museum gelaufen. So what.‘ Rückblickend betrachtet war das ein sehr, sehr dummer Gedanke. Aber manchmal muss man sich seine unbedachte Kleiderwahl eben schön reden und in dem Moment war es sowieso nicht zu ändern.
Ich bin mit ziemlich großen Erwartungen nach Naumburg gefahren, was den Dom und sein Interiour betraf. Als ich an ihm vorbeilief, war ich ziemlich beindruckt. Von außen macht er wirklich was her, schon allein durch seine Größe. Also nix wie rein. Der Eintritt in den Dom ist nicht kostenlos, was dadurch zu erklären ist, dass es sich eher um ein museumsähnliches Gebäude handelt. Es ist also nicht mehr in der Hauptsache ein sakrales Gebäude. Und da dort jedes Jahr Touri-Gruppen en masse durchgeschleust werden, muss das alles irgendwie organsiert und erhalten werden und niemand macht so etwas kostenlos. An der Kasse bekommt man einen großen beidseitig bedruckten laminierten Plan. (Ich liebe laminierte Pläne.) Tja, was soll ich sagen. Innen ist auch alles groß und hoch und fast unüberschaubar. Selbst für Anfang November war der Dom gut besucht. Aber irgendwie wollte bei mir keine Stimmung aufkommen. Wenn ich Gotteshäuser besuche, setze ich mich meistens erstmal hin und lasse alles auf mich wirken. Meistens werde ich dann ruhig und irgendwie besinnlich. (Ich weiß nicht, wie ich das sonst beschreiben soll. Aber vielleicht versteht der geneigte Leser ja, was ich meine.) Der Dom wirkte auf mich relativ steril. Ich schaute auf meinen Plan und lief die Kunstdenkmäler ab. So wie alle anderen auch. Als ich bei den Stifterfiguren ankam war mein erster Gedanke: ‚Aha. Na gut. Gesehen. Kann ich von der To-do-Liste streichen.‘ Ich weiß natürlich welchen kulturhistorischen Wert sie haben und kenne auch die Historie dahinter. Aber der Funke wollte trotzdem nicht so richtig überspringen. Außerdem kriegt Uta, meines Erachtens nach, viel zu viel Aufmerksamkeit. Nach eingehender Betrachtung gefiel mir Reglindis viel besser, aber das ist vielleicht Geschmackssache. So, also Dom abgehakt. Zum Domgelände gehören des Weiteren noch der Domgarten, der Kreuzgang, eine Ausstellung, die Marienkirche und das Domschatzgewölbe. Das Domschatzgewölbe war sehr schön. Fans von Lucas Cranach oder allgemein sakraler Kunst sind hier richtig. Wunderschöne Altarretabeln und eine Pieta, die mich sehr beeindruckt hat. Zusammenfassend und abschließend für dieses Domkapitel (haha, Wortspiel) ist meine Ansicht folgende: Es ist nicht so, dass es mir nicht gefallen hat. Aber andere Städte haben auch schöne Dome.

Außenansichten

Außenansichten – Marienkirche

Innenansichten – Der Ostchor 

Innenansichten – Das Kapitell mit den schachspielenden Affen – ein kleines Highlight 

Innenansichten – Westchor mit den Stifterfiguren des Markgrafen Hermann und Reglindis

 

Innenansichten – Westchor mit den Stifterfiguren des Markgrafen Ekkehard II. und Uta von Ballenstedts

Außenansichten – Der Kreuzgang

Außenansichten – Die Tür zum Domschatzgewölbe 

Innenansichten – Pietá

Außenansichten – Der Domgarten 

So, kommen wir nun zur Stadt an sich. In diesem Falle bin ich dem Ratschlag der Stadtwebsite gefolgt und hab mir in der Touristeninfo einen Audioguide geholt. Ich bin sonst nicht wirklich Fan von Audioguides, aber hier lohnte es sich. Man bekommt von der netten Touristen-Info-Dame noch einen Stadtplan (leider nicht laminiert) in die Hand gedrückt und los geht’s. Naumburg ist wirklich eine schöne Stadt. Angefangen beim Markt und den repräsentativen restaurierten Gebäudefronten, die darum herum stehen. Dann gibt es noch haufenweise Fassadentierchen. Ich habe bestimmt nicht alle erwischt. Die Stadt ist auch geteilt in eine Domstadt und eine Ratsstadt, das sieht man auch an der Architektur der Häuser, wenn man darauf achtet. (Domstadt = kleine Häuser, Ratsstadt = große, schön geschmückte Häuser) Was gibt’s noch? Ein Nietzsche-Denkmal. Der gute Friedrich hat nämlich in seiner Kindheit hier gewohnt. Es gibt auch ein Nietzsche-Haus, dass ich mir aber nicht von innen angesehen habe. Naumburg hat noch viele andere kleine Museen zu bieten, die ich mir bei Gelegenheit noch ansehen muss.

Die Domstadt 

Ein Gebäude der Ratsstadt

 

Die Jüdengasse: Auf Betreiben des Naumburger Bischofs Johannes III. beschlossen am 14. Mai 1494 die Ratsherren, unterstützt von der gesamten Bürgerschaft, die Ausweisung der jüdischen Bevölkerung aus der Stadt Naumburg.

Der Markplatz mit der Stadtkirche St. Wenzel

Ach ja, zum Abschluss war ich auch noch in der Stadtkirche St. Wenzel. Eine schöne barocke Kirche. Kann man sich ansehen. Cranach hängt da auch rum. Also zwei seiner Gemälde. Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob der Eintritt frei war. Da ich immer was in die Kollekte gebe, ist es hin wie her. Falls auf der Orgel gespielt wird oder man auf den Turm möchte, muss man aber schon was löhnen.
Auf dem Stadtplan habe ich 13 von 17 möglichen Sehenswürdigkeiten abgegrast. Also für Fußläufige ist das durchaus lohnenswert. Nach diesem Stadtrundgang bin ich dann zurück zum Bahnhof gelaufen/geschlurft. Der Weg zurück war gefühlt doppelt so lang, wie der Hinweg. Zum Glück musste ich nicht noch nach Hause fahren.

Das Friedrich-Nietzsche-Denkmal: Von 1849 bis ca. 1857 lebte die Friedrich Nietzsche mit seiner Familie in der Domstadt.

Beim zweiten Besuch habe ich mir das Stadtmuseum „Hohe Lilie“ am Markt vorgenommen. Zu meinem Glück war Tag der offenen Tür im Museum, aber sonst kostet der Eintritt erträgliche 3 Euro. Ich denke, das kann man sich ruhig mal gönnen. Das Haus, die sogenannte Kemenate, ist das älteste Gebäude in der Stadt. Es durchlief mehrere Bauphasen, die im Erdgeschoss kurz erläutert werden und im Obergeschoss auch zu sehen sind. Alle Räume sind restauriert. Eine positive Abwechslung war der, im Gegensatz zu anderen Kleinstadt-/Heimatmuseen, nicht chronologische, sondern thematische Aufbau der Stadtgeschichte. Im Erdgeschoss findet man allerlei Erläuterungen zur demographischen Stadtentwicklung, Wasserversorgung, Rechtsprechung, sowie Handel und Gewerbe. Die Ausstellungsstücke stammen aus allen möglichen Jahrhunderten seit dem Mittelalter und werden in großen Glasvitrinen präsentiert. Die Objekte sind zum großen Teil Originale und gehören dem Museum bzw. der Stadt. Ergänzt werden sie durch Leihgaben aus der Umgebung. Die Stücke liegen außerdem auf verschiedenen Sichtebenen, so dass auch kleiner gewachsene Menschen, a.k.a. Kinder, etwas zu sehen bekommen. Da dieses Museum alles in allem recht klein ist und man nicht so lange aufmerksam sein muss, eignet es sich sowieso hervorragend für Kinder, auch wenn es nichts zum Anfassen gibt. Aber, liebe Eltern, wenn ihr schon mit euren Kindern ins Museum geht (was ich total begrüße), dann erklärt auch, was es zu sehen gibt. Vor allem wenn eure Kinder noch nicht lesen können. Woher soll denn ein Kind wissen was eine Elle ist oder was ein Gerber gemacht hat? Fördert die Neugier und tötet sie nicht. So, das war’s jetzt erstmal mit Erziehungstipps von der Kinderlosen.
Im Obergeschoss geht man dann doch dazu über, die Stadtgeschichte chronologisch abzuarbeiten, angefangen bei der Frühen Neuzeit und dem Naumburger Bischofsstreit (zwischen Stadtrat und Bischof war selten gute Stimmung) über das Bürgerrecht bis hin zum Wechsel der Stadt von Sachsen nach Preußen nach dem Wiener Kongress 1815. Die Chronologie hört bei „Naumburg als Garnisonsstadt“ ca. an der Jahrhundertwende auf. Ich hoffe nicht, dass ich die Räume mit der Behandlung der Zeitgeschichte übersehen habe. Aber ich nehme an, dass deren Fehlen dadurch zu erklären ist, dass schlicht die Aufarbeitung fehlt oder auch noch keine passenden Ausstellungsstücke vorhanden sind.

Außenansichten – Das Stadtmuseum

Innenansichten – Das Stadtmuseum

 

Dieser Raum diente 500 Jahre als Kirche. Urspünglich handelte es sich um eine Schlotküche.

 

 

 

Die Kammherstellung hat in Naumburg eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Urkundlich lassen sich die ersten spezialisierten Kammmacher im 17. Jh. nachweisen.  

Hervorzuheben ist außerdem die Sonderausstellung „Schwarz gemalt und weiß gewaschen“, die noch bis 18. Juni 2017 zu sehen ist. Behandelt werden die Assoziationen, die diese unbunten Farben in uns hervorrufen und wie tief sie gesellschaftlich verwurzelt sind, z. B. in unserer Sprache, Kleidung usw.
Naumburg war auch beim zweiten Mal wieder eine Augenweide und ich muss wohl noch drittes Mal wiederkommen, da ich immer noch nicht alles gesehen habe.

Schwarz und Weiß bilden Extreme. Weiß reflektiert das gesamte sichtbare Spektrum des Lichts, während es Schwarz absorbiert. Schwarz und Weiß bilden so den größtmöglichen Gegensatz, den härtesten Kontrast, ein kategorisches Entweder/Oder.
 

Und dies gilt auch für die mit den Farben verbundenen Bedeutungen.

Die weiße Weste – In der Welt der Dinge (z. B. Kleidung) wir traditionell monochromen Farben mehr Bedeutung zugemessen als vielfarbigen, gestreiften, melierte, gefleckten Oberflächen.

Schwarz und Weiß sind unbunte Farben, also eigentlich keine Farben.

 
Diese Bedeutungsfelder sind kulturell definiert (also nicht universell gültig), über Jahrhunderte durch Erfahrungen und Tradition verfestigt.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Zum Schluss gibt’s noch eine Runde bunte Fassadentierchen.