Püchau

Einwohner: 309

Geburtstag: 924 (schriftliche Ersterwähnung)

Bekannt für: ein nahezu biblisches Alter

Bei aller ästhetischen Kritik, die ich an Architektur und Kunstwerken aus der Zeit des Historismus habe, gibt es zum Glück immer wieder Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist das Schloss Püchau im gleichnamigen Ort. Schon im Jahr 924 befand sich auf dem dortigen Bergsporn eine Burg. In ebendiese flüchtete, laut der Chronik Thietmar von Merseburgs (975-1018), Heinrich I. (um 976-936) vor einfallenden ungarischen Truppen. Die Nennung der „urbs bichni“ macht Püchau damit zum am frühesten schriftlich belegten Ort Sachsens. Weiterlesen

Das Wappen der Stadt zeigt eine Zinnmauer mit offenem Tor und dahinter einen spitzbedachten übereck stehenden Turm.

Naunhof

Einwohner: 8618

Geburtstag: irgendwann zwischen 1150 und 1223

Bekannt für: eine Autobahnausfahrt kurz vor der schönsten Stadt im gesamten Sachsenland

Es gibt bekanntlich nichts, was man nicht sammeln kann. Wenn man eine Sammelleidenschaft für etwas ausgearbeitet hat, sollte man sich vergewissern, dass man auch genug Platz für seine Objekte hat. Ansonsten ist die Gefahr, gesellschaftlich als Messie geächtet zu werden, relativ hoch. Da ja jetzt gerade alle wieder in die Stadt ziehen, ist auf dem Land genug Platz für das Hobby „Sammeln von Zeug“. Sofern man also einen Ort gefunden hat, an dem man alles hegen und pflegen kann, was man so anhäuft, sollte man unbedingt ein Museum daraus machen. Manche Orte haben sogar Raum genug für zwei kleine Museen dieser Art. Weiterlesen

In Großbothen weiß man, wie man Feste feiert, auch wenn sie gar nicht richtig fallen.

Großbothen

Einwohner: 3.396

Geburtstag: 1291 (urkundliche Ersterwähnung)

Bekannt für: …

Wenn man nicht die Sehenswürdigkeit findet, zu der man eigentlich wollte, sollte man nicht gleich frustriert die Heimreise antreten, sondern einfach solange weiterfahren, bis sich etwas anderes findet. Dann kann es nämlich passieren, dass man eine kleine Museumsperle findet, wie zum Beispiel den Wilhelm Ostwald Park. Weiterlesen

Frohburg

Einwohner: 10.204

Geburtstag: 1198 (urkundliche Erwähnung als Siedlung)

Bekannt für: Menschen, die auf motorisierten Zweirädern im Dreieck rennen

Man kann in Frohburg nicht nur dreieckige Rennen besuchen, sondern auch das gleichnamige Schloss. Es mag vielleicht nicht vielversprechend aussehen, aber wie wir 90er-Kinder in „Die Schöne und das Biest“ gelernt haben, sollte man sich davon nicht täuschen lassen, da man die Schönheit im Verborgenen findet. Und das gilt hier ebenso.

Das Schloss

Im Schloss findet man neben klassizistischen Highlights wie dem Steinsaal und weiteren wiederhergestellten Räumen, eine Sammlung historischen Spielzeugs (mit den gar nicht gruseligen Puppen) und einen beachtlichen Bestand an Keramiken von Kurt Feuerriegel (1880-1961).

Historischer Abriss des Schlosses

um 1200 mittelalterliche Burganlage bestehend aus drei unterschiedlichen Gebäuden mit umgebendem Mauerwerk
bis 1509 mehrfacher Umbau bis zu seinem heutigen Grundriss
1695 unter dem Besitzer Georg Friedrich von Born erfolgte eine barocke Modernisierung
1777 durch öffentlichen Verkauf gelangte das Schloss an den Kammer-Kommissionsrat und Kreisamtmann Johann Gottfried Blümner
1798-1815 im Besitz von Ernst Blümner; Gestaltung der klassizistischen Räume
bis 1945 bis zur Zwangsenteignung im Besitz der Nachfahren Blümners, der Familie Krug von Nidda und von Falkenstein
1946-1974 Nutzung als Kindergarten
ab 1952 im Besitz der Stadt Frohburg
1975 Einrichtung des Museums
2006-2010 umfassende Fassadensanierung
Schloss Frohburg erhebt sich auf einer Anhöhe über der Wyhra.

Schloss Frohburg erhebt sich auf einer Anhöhe über der Wyhra.

Der Steinsaal - Die Raumausmalung orientiert sich weitgehend an antiken Motiven.

Der Steinsaal – Die Raumausmalung orientiert sich weitgehend an antiken Motiven.

Kurz nachdem der 21-Jährige Schlossbesitzer Erich Blümner 1804 von einer Bildungsreise aus Italien zurückkam, lies er den Saal umbauen und neu einrichten.

Kurz nachdem der 21-Jährige Schlossbesitzer Erich Blümner 1804 von einer Bildungsreise aus Italien zurückkam, lies er den Saal umbauen und neu einrichten.

Das Wandbild "Nemisee" zeigt arkadische Landschaften und wurde 1805 von Karl Ludwig Kaaz (1773-1810) geschaffen.

Das Wandbild „Nemisee“ zeigt arkadische Landschaften und wurde 1805 von Karl Ludwig Kaaz (1773-1810) geschaffen.

Die Holzbalkendecke mit Schiffskehlung

Das barocke Treppenhaus im Westflügel

Das barocke Treppenhaus im Westflügel

Das ehemalige Empfangszimmer

Das ehemalige Empfangszimmer

Der Bildersaal mit seinem illusionistisch gemalten Tonnengewölbe

Der Bildersaal mit seinem illusionistisch gemalten Tonnengewölbe

Es wird nicht besser, je länger man das Bild ansieht.

Being Einzelkind – true story

Der Mauerteich, im Hintergrund die Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes

Der Mauerteich, im Hintergrund die Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes

Das ehemalige Gutshaus des Rittergutes ist ein Barockbau mit Mansardendach und Gauben. Es wurde 2014 saniert.

Das ehemalige Gutshaus des Rittergutes ist ein Barockbau mit Mansardendach und Gauben. Es wurde 2014 saniert.

Kurt Feuerriegel

Kurt Feuerriegel (1880-1961) wurde in Meißen geboren und besuchte die Königlich-Sächsische Kunstgewerbeschule in Dresden. Nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Studium wurde Feuerriegel von der sächsischen Regierung beauftragt, das, sich im Niedergang befindende, Töpferhandwerk der Stadt Frohburg neu zu beleben. Im November 1910 kaufte er die alte Kummersche Töpferei und gründete die Werkstätte Sächsischer Kunsttöpfereien. Gefördert wurde die breite Produktpalette, die von Fayencen bis zu Fassadenschmuck reichte, auch vom Besitzer des Schlosses Friedrich Krug von Nidda und von und von Falkenstein (1860-1934). Im Jahr 1960 stellte Kurt Feuerriegel die Produktion ein. Im Jahr darauf verstarb er in Frohburg.

Das Zusammenspiel von Handwerk und Kunst war Kurt Feuerriegel bei seiner Arbeit sehr wichtig.

Das Zusammenspiel von Handwerk und Kunst war Kurt Feuerriegel bei seiner Arbeit sehr wichtig.

Sein besonderer Anteil während des künstlerischen Schaffens lag beim Entwerfen und Modellieren, bei Versuchen mit Farben und Glasuren sowie in der Lehrtätigkeit.

Sein besonderer Anteil während des künstlerischen Schaffens lag beim Entwerfen und Modellieren, bei Versuchen mit Farben und Glasuren sowie in der Lehrtätigkeit.

Die Werkstätte Sächsischer Kunsttöpfereien gewann auf Grund der Begabung Feuerriegels schnell an Bedeutung.

Die Werkstätte Sächsischer Kunsttöpfereien gewann auf Grund der Begabung Feuerriegels schnell an Bedeutung.

Die Stadt

Die Stadt Frohburg ist an sich nicht besser oder schlechter als andere Kleinstädte dieser Größe. Und es war auch ganz schön ausgestorben, als ich da war. Das lag wahrscheinlich daran, dass es an einem Werktag war. Mittags. Da darf man vielleicht auch nicht zu überkritisch sein. Außerdem hat Ausgestorbenheit den Vorteil, dass einem nicht ständig Personen ins Bild laufen, wenn man schöne Häuser fotografieren will. Leider habe ich nicht viele fotografiert, weil mein Akku leer war. Ja, ja, immer sind die anderen Schuld. Aber es gibt zum Glück noch andere Rittergüter und Schlösser in der Gegend, da führt mich mein Weg sicher nochmal nach Frohburg.

Ich gehe mal stark davon aus, das das Relief auch aus der Werkstatt von Feuerriegel stammt. Ich habe aber leider keine Informationen dazu gefunden.

Ich gehe mal stark davon aus, das das Relief auch aus der Werkstatt von Feuerriegel stammt. Ich habe aber leider keine Informationen dazu gefunden.

Ein hübsches Gebäude am Markt

Der Centaurenbrunnen auf dem Marktplatz (1899)

Der Centaurenbrunnen auf dem Marktplatz (1899)

Das Rathaus (1877)

Das Rathaus (1877)

Die Kirche "St. Michaelis" (1233 erbaut)

Die Kirche „St. Michaelis“ (1233 erbaut)

Altenhain

Einwohner: 876

Geburtstag: 1358 (urkundliche Ersterwähnung)

Bekannt für: 8 Platzierungen im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“, 4x Platz 1

Was macht man mit verfallenen Rittergütern und dazugehörigen Schlössern oder Herrenhäusern? Die eine Möglichkeit ist, rumzuheulen (gern in sozialen Netzwerken), weil alles verfällt und sich niemand darum kümmert. Die andere (und viel produktivere) Möglichkeit ist, den Verfallsprozess aufzuhalten, indem man vom Sofa aufsteht und viel Zeit, Geld und Tatkraft investiert. Das ist natürlich anstrengend, vor allem wenn man bedenkt, wie oft man bei diesem Vorhaben die Sätze ‚Wieso tust du dir das an? Was soll das? Das schaffst du sowieso nicht.‘ hört. Aber hinterher finden es dann alle ganz toll und rennen einem die Bude ein.

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