Sagar

Sagar
Einwohnerzahl: 810
Geburtstag: 1366 (urkundliche Ersterwähnung)
Bekannt für: …
Wohin kommen eigentlich die ganzen Gerätschaften, die vom Fortschritt überholt werden? Auf den Industriefriedhof? In ein Museum? In ein Industriefriedhofmuseum? Wenn man als technisch überholtes Produkt Glück hat, kommt man in ein Museum, in dem es Menschen gibt, die einen in Schuss halten. Sozusagen ein Industriegnadenhof. Hier wird man gehegt und gepflegt und dem zahlenden Publikum auf Wunsch auch vorgeführt. Zumindest macht man es so im Museum Sagar für Handwerk und Gewerbe. Es ist schwierig zu sagen, welches Handwerk hier nicht dargeboten wird. Dazu kommen noch historisches Spielzeug, die Feuerwehr, die Jagd- und Forstwirtschaft und der Abbau der regionalen Bodenschätze.
Das Museum befindet sich auf dem ehemaligen Sägewerksgelände des Ortes am Mühlteich. Inzwischen gehört das Gelände der Kommune und wird von einem eigenen Förderverein verwaltet. (Wo Verein drauf steht, ist ehrenamtliche Arbeit drin. Also bei Gefallen ruhig mal eine kleine Spende dalassen. Das gilt für alle kulturellen Einrichtungen dieser Art.)
Sehr beeindruckend ist die immer noch funktionstüchtige Dampfmaschine, die 1897 von der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG Chemnitz hergestellt wurde. Sie treibt noch mehrere andere Maschinen in der Halle an, u. a. einen Holzschleifer, der für die Herstellung von Papier benötigt wurde. Wenn man die ganzen Maschinen in Aktion sieht, ist man dann doch nicht so traurig über die technische Entwicklung, denn sie sind unglaublich laut und geruchsintensiv.
In der Spielzeugausstellung gibt es noch ein wunderschönes Puppenhaus, das der Großvater der ehemaligen Besitzerin gebaut hat. Auch das Interieur ist handgemacht.
Auf dem Museumsgelände befindet sich noch ein Bücherflohmarkt. Wer also nichts mehr zu lesen hat oder seine Bücher tauschen möchte, ist dort gut aufgehoben. Es gilt wie immer die Regel: Man kann nie zu viele Bücher haben!

 

Sagar ist ein Ortsteil von Krauschwitz. Der Name leitet sich von der sorbischen Ortsbezeichnung Zagor/Sagor ab und bedeutet womöglich so etwas wie ‚hinter dem Berge‘. Seit seiner urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1366 gehörte Sagar zur Standesherrschaft Muskau.
Wenn niemand an der Kasse steht, einfach klingeln und warten.

 

Natürliche Gegebenheiten wie Waldreichtum, Wasserkraft und Bodenschätze bildeten in dieser Region die Grundlage für Handwerk und Gewerbe.
Kübelspritze um 1900
Firma G. A. Fischer, Görlitz
1947, in einer Zeit des absoluten Mangels, begann Heinrich Simmann (1883-1956, Stellmachermeister aus Keula), trotz seiner Einschränkung an der rechten Hand, mit dem Bau von „Villa Ursula“. Bei einem früheren Arbeitsunfall verlor er einen Finger, der von einem Arzt zwar wieder angenäht wurde, jedoch steif blieb.
Jeder Dachstein, jedes Möbelchen, selbst die aufwendig gearbeiteten Fenster und Türen entstanden mit einem hohen Anspruch auf Originalität.

 

Er fertigte die Möbelrohlinge aus echten Hölzern (z. B. Pflaume) und brachte die Sitze zum Polsterer. Auch legte er großen Wert auf Funktionalität. Simmans besaßen in ihrem Haus einen Tisch, der auszuziehen war. Genau diesen baute der Stellmachermeister für das Puppenhaus nach.

 

Die Werkstatt des Schumachers

 

Eine Rosshaarzupfmaschine

 

Ordnung muss sein

 

 

Zeit für den Butter-Song

 

 

Das Töpferhandwerk (etwas, was man in der Lausitz sehr gut kann)

 

unteres Foto: Kunsttöpferin Erna Pfitzinger (1898-1988)
Firstziegel

 

 

Das Schmiedewerkzeug

 

Die Dampfmaschinenhalle

 

Zwei-Zylinder-Dampfmaschine
Modell 365/2
Baujahr 1925
Deutsches Reichsgebrauchsmuster

Bad Muskau

Einwohnerzahl: 3646
Geburtstag: 1253 (erstmals urkundlich erwähnt; auf der Stadtwebsite steht auch noch die Zahl 1249; leider weiß ich nicht, was es damit auf sich hat)
Bekannt für: einen Fürsten, der Ahnung vom Gärtnern hatte; den Polenmarkt; 1 nice Neiße
Insider-Tipp: Nicht dem Parkleitsystem vertrauen, denn es folgt dem Motto: „Wenn du nicht genug Parkplätze für Besucher hast, verwirre sie mit Pfeil-Schildern.“
Wer mit der Aussicht auf ein leckeres Eis extra in den Fürst-Pückler-Park nach Bad Muskau fährt, kann sich den Weg sparen und sollte lieber zur nächstgelegen Kühltruhe pilgern. Wer jedoch Bock hat auf ein Schloss mit einem riesigen Park im englischen Stil, durch den die kürzeste Tour 45 Minuten dauert, ist hier absolut richtig.

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Das Museum im Stasi-Bunker

 
Die Sonne scheint und die Vögel zwitschern. Die ganze Natur summt und brummt. Was könnte es Schöneres geben? Ein Besuch im Stasi-Bunker in Machern, zum Beispiel. Ganz idyllisch im Naherholungsgebiet Lübschützer Teiche gelegen, stößt man, nach einem netten Spaziergang durch die Waldgartensiedlung, auf ein Gelände mit vielen mehr oder weniger gut erhaltenen Gebäuden. Vor jedem Gebäude steht ein kleines Info-Täfelchen und klärt darüber auf, welche Funktion diese hatten. Die allerwichtigste Funktion der Bauten ist hingegen die Tarnung des gesamten Areals. Es soll der Anschein erweckt werden, dass hier alles in bester Ordnung und durchschnittlich spießig ist. Wenn man dann die große Halle betritt, ist es aber vorbei mit der Spießigkeit. Eine in Beton gegossene Treppe führt nach unten und es eröffnet sich ein spannendes Kapitel der DDR-Geschichte.
Die sogenannte Ausweichführungsstelle wurde 1968 bis 1971 erbaut und sollte im Spannungs- und Mobilmachungsfall dazu dienen, der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig, die in der „Runden Ecke“ residierte, den Machtanspruch auch im Ausnahmefall zu sichern. So ein Ausnahmefall war, zum Beispiel, der Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Denn falls man es nicht schaffte, den wütenden Mob zeitnah niederzuknüppeln, musste man ja irgendwohin, wo man in Ruhe weiterarbeiten konnte.
Aber auch für den nuklearen Ernstfall war der Bunker jederzeit vorbereitet. Einhundert führende Stasigenossen, inklusive Verbindungsoffizieren des KGB hätten in dem 1.435 qm großen Bunkerinneren Platz gehabt. Praktisch wurde der Bunker nie genutzt, da es nach 1953 zu keinem der postulierten Ausnahmefälle kam. Wenn man heute durch den Bunker spaziert und sich die Ausstattung ansieht, fragt man sich schon wer hier eigentlich wen verarscht. Der Bunker hätte mit nur 5 m Tiefe keiner Bombardierung standgehalten. Die Nutzung des Bunkers war für zehn Tage geplant. Ich bin kein Atomphysiker, aber im Falle eines nuklearen Angriffs halte ich das doch für etwas knapp bemessen. In dieser Hinsicht offenbaren sich noch andere Skurrilitäten. In jedem der Stollen stehen Luftaufbereiter, die mit Asbestplatten versehen waren. Die Luftversorgung ist sowieso eine sehr interessante Sache, denn von außen durfte ja keine Frischluft zugeführt werden. Es gab viele Schadstofffiltersysteme und zwei Dieselmotoren, die die Stromversorgung für zwei Monate gesichert hätten. Aber wohin mit den ganzen Abgasen, wenn man sie nicht nach draußen ableiten kann, weil dort noch der Fallout vor sich hinwabert? Man durfte nicht mal die Toilettenspülung betätigen, da sonst zu viel Luft von außen angezogen worden wäre. Der Plan war, dass der Stuhlgang in Plastiktüten verstaut und in tonnenähnlichen Eimern gelagert werden sollte. Einhundert Menschen deren Fäkalien zehn Tage lang in Eimern lagern. Ich weiß schon, weshalb ich kein Geheimagent geworden bin. Bei Michael Westen mag das alles sehr stylish aussehen, wie er im silbergrauen Anzug durch die Gegend rennt, aber die Realität ist, wie so oft, ästhetisch nur schwer zu ertragen.
Wieder oben in der Halle angekommen gibt es noch eine kleine Ausstellung mit Erläuterungen zum Bunker, zum Kalten Krieg und dem MfS. Anschließend kann man noch über das 5,2 ha große Gelände flanieren und die restlichen Gebäude ansehen, die mit zum Objekt gehören und als Ferienanlage des VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung getarnt waren. Dann läuft man zurück durch die Kleingärtneridylle und am Parkplatz angekommen, muss man entweder lachen, weinen oder mit dem Kopf schütteln. Das sei jedem selbst überlassen.
Historischer Abriss
Stasi-Bunker
1968-71
Bau des Bunkers am Rande der Gartensiedlung
1970er
Bau der Legendierungshalle mit Schlosserei als Sichtschutz
04. Dezember 1989
Entdeckung des Bunkers durch den Pfarrer der Stadt Machern
Januar 1990
bei einer Pressekonferenz wird der Bunker erstmals für Öffentlichkeit zugänglich
Waldgartenverein Lübschützer Teiche e. V.

Anfang 1920er
Nutzung der Teiche für den Badebetrieb
1929
Entstehung einer Zeltstadt für Erwerbslose
01. Juli 1933
Gründung der Laubenkolonie am Sorgenberg
23. Juli 1933
gewaltsame Auflösung des Zeltlagers durch SS u. a.
04. April 1946
offizielle Gründung der später sogenannten Alfred-Frank-Siedlung
1954-1958
Bau eines Erholungs- und Schulungsheimes
1963
Lübschützer Teiche werden zum Naherholungsgebiet erklärt
ab 1972
Bau von Bungalows durch verschiedene Leipziger Betriebe
1990
Eintragung des Vereins als Wochenendsiedlerverein Lübschützer Teiche (später Umbenennung in Waldgartenverein)
01. Januar 2000
Ankauf der Siedlungsgrundstücke durch den Verein selbst
Die Bunkeranlage war als Ferienobjekt getarnt und offizieller Teil der Alfred-Frank-Siedlung. Die Bewohner der Siedlung hatten nach eigenen Angaben keine Kenntnis von der Existenz des Bunkers.

 

Haupteingang

 

Wohnhaus des Bunkerkommandanten

Das Haus täuschte die zivile Nutzung des Geländes vor. Das Kellergeschoss diente den sechs MfS-Mitarbeitern der Wartungsmannschaft als Pausen- und Schulungsraum. Der Bunkerkommandant war Referatsleiter im Dienstrang eines Majors. Seine Frau arbeitete als Putz- und Küchenhilfe beim MfS. Das Haus ist heute Eigentum der Gerichshainer Bau- und Wohnungs-GmbH.

 

Offizier für Verbindung und Koordinierung
Gäste

 

Leiter der Bezirksverwaltung

 

 

 

Das Herzstück der Anlage
Nachrichtenzentrale
Schalt- und Übertragungsstelle
Nachrichtenzentrale
Fernschreibvermittlung
Fernschreibstelle
Chiffrierstelle

 

Medizinischer Punkt

 

Legendierungshalle mit Schlosserei

Zur Tarnung der Bunkereingänge, vor allem gegenüber westlicher Satellitenaufklärung, wurde diese Halle gebaut. Ihre leichte Bauweise aus Fertigteilen sollte die Verschüttung der Eingänge im Falle einer Zerstörung verhindern. In einem abgeteilten Seitenraum befand sich eine Schlosserwerkstatt. Die restliche Fläche diente zur Lagerung der Mobilmachungsreserve.

 

Tischlerwerkstatt

In diesem Flachbau befand sich eine vollständig eingerichtete Tischlerwerkstatt. Da das Gelände und der Bunker von keiner zivilen Firma betreten werden durfte, mussten alle arbeiten von den MfS-Mitarbeitern selbständig ausgeführt werden. Die originale Inneneinrichtung blieb nicht erhalten.

Zittau

Zittau
Einwohner: 27.712
Geburtstag: 1238 (schriftliche Ersterwähnung; im 10. Jahrhundert gab es dort schon einen slawischen Weiler, der aber nicht genügend Besorgtbürger aufwies, um eine Germanisierung des Slawenlandes aufzuhalten; so schnell kann’s gehen)
Bekannt für: Lage im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien a. k. a. letzte Ecke von Sachsen; Fastentücher; ein eigenes Gebirge mit einem schönen Berg
Der Handel prägte über Jahrhunderte das Leben in und um Zittau. Zoll- und Kaufmarken mit dem Zittauer „Z“ standen für zertifizierte Zuverlässigkeit.
Zu Anfang dieses Beitrags möchte ich mich bei der Stadt Zittau dafür entschuldigen, dass ich es für ein kleines langweiliges Nest gehalten habe. So langweilig war es bei meinem zweiten Besuch gar nicht. Den ersten vergesse ich einfach. Er war sowieso eher eine Verkettung unglücklicher Umstände bestehend aus Regenwetter, einem Google-Maps-losen Mobiltelefon (für partiell orientierungslose Menschen, wie mich ist das die Hölle; wie habe ich bloß immer nach Hause gefunden) und allgemeiner Übellaunigkeit meinerseits.
Beim zweiten Mal war ich besser vorbereitet und wollte mir die Zittauer Fastentücher ansehen. Aber so richtig recherchiert hatte ich nichts, außer den Öffnungszeiten der Städtischen Museen Zittau. Und wegen dieser fehlenden Recherche hatte ich gedacht, die Fastentücher seien sowas wie ein Schweißtuch von Jesus. Ich hatte mich vorher schon darüber lustig gemacht, warum ich mir ein Stofftuch ansehen soll, in das Jesus möglicherweise vor 2000 Jahren reingeniest hat. An dieser Stelle nochmals ein dickes Sorry an Zittau. Ich nehme hiermit alle dummen Witze zurück und entschuldige mich für meine Bildungslücke.
Aber genau dafür sind Museen ja da, um kulturelle Bildungslücken zu füllen. Zittau besitzt nicht nur ein Fastentuch, sondern gleich zwei. Das Kleine Zittauer Fastentuch ist im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster zu besichtigen.
wissenswertes Wissenswertes über das Kleine Zittauer Fastentuch
– monumentale Kreuzigungsszene, umrahmt von mehr als 40 Symbolen der Passion, sog. Arma              Christi
– 1573 von einem unbekannten Maler nach der Vorlage des Lütticher Künstlers Lambert Lombard         geschaffen
– einziges Fastentuch, dass von einer evangelischen Gemeinde in Auftrag gegeben wurde
– bis 1684 verhüllte es den Hochaltar in der Johanniskirche während der vorösterlichen Fastenzeit
– 1854 bis 1968 wurde es im Stadtmuseum ausgestellt
– 4,3 m x 3,4 m (15 m²)
– 1 von 7 Exemplaren des Arma-Christi-Typs weltweit
Das Kulturhistorische Museum Franziskanerkloster

 

   Nur ein Ausschnitt aus dem Kleinen Fastentuch

 

Das Museum im ehemaligen Franziskanerkloster hat aber nicht nur eins der Fastentücher zu bieten, sondern auf zwei Etagen noch die Geschichte Zittaus bzw. der Oberlausitz. Die Räumlichkeiten sind hell, aber abgedunkelt, um die ausgestellten Kunstwerke zu schützen. Das indirekte Licht lässt den Besucher aber alles erkennen. Die Infostelen sind in Erinnerung an das einst florierende Tuchmachergewerbe auf Textil gedruckt. Inhaltlich ist das Kulturhistorische Museum geordnet wie jedes Regionalmuseum: ein bisschen chronologisch, ein bisschen thematisch. Im ehemaligen Dormitorium, dem Schlaftrakt der Mönche, werden pro Raum Themen behandelt, wie zum Beispiel das Bürgertum, das Schulwesen, Handwerk und Zünfte. Teilweise waren mir die Räume ein bisschen zu voll gestellt, obwohl man dadurch erahnt, wieviel Platz so ein Mönch in seinem Zimmer hatte. Nämlich gar keinen. Und die Biedermeiermöbel muten in so einem engen niedrigen Raum schon etwas skurril an. Die Sammlung der Epitaphien und Heiligenfiguren im Kapitelsaal und der Sakristei ist sehr schön. Die Epitaphien, aus dem 17. Jahrhundert stammend, sind zum großen Teil in sehr gutem Zustand. Das habe ich in diesem Umfang auch noch nicht gesehen. Die Sonderausstellung konnte ich mir leider aus Zeitgründen nicht mehr ansehen, da ich vor der Schließung noch zum Großen Fastentuch flitzen musste (und zulange im sonnigen Klosterhof herumsaß). Ach, den Keller hätte ich fast vergessen. Dieser hatte einen sehr authentischen Geruch. Man findet einen Brunnen und diverse Folterinstrumente. Da ich mich in diesem Bereich nicht so gut auskenne, möchte ich keine Einschätzung über deren Zustand und Benutzbarkeit abgeben.

Ursula Sax (*1935)
Kruzifix, 2006
Packpapier

 

 

 Unter Hauben, über Schwellen
 Der Zittauer Jungbrunnen
Jede Zeit hat ihre Wunschbilder. Ein solches aus der Spätgotik zeigt dieser einstmals einzig beheizbare Raum im Obergeschoss des Klosters: Ein steinerner Brunnen ist das Ziel aller Kranken und Alten – vom König über die Nonnen bis zum Ziegenhirt. Die Vision vom Jungbrunnen gehörte zu den beliebtesten Themen des Mittelalters. Die Zittauer Darstellung ist nördlich der Alpen einzigartig. Wahrscheinlich wurde sie für den Aufenthalt hoher Gäste gemalt.
 
In Salon und guter Stube

 

Blick auf den Klosterhof
 Seit 1675 dient der Klosterhof als bürgerlicher Gottesacker, wo zahlreiche Kaufmanns- und Ratsfamilien ihre letzte Ruhe fanden.
 
 In einzigartiger Weise reihen sich prächtige Grufthäuser aneiander.

 

 Daniel Martin (?) (1700-1776 Klosterfreiheit/Ostritz)
Taufgestell mit Darstellungen der vier Evangelisten
um 1700
aus der Kirche Friedersorf bei Hirschfeld (nicht mehr bestehend)
Holz, polychrome Fassung

 

 

 Vesperbild/Pietà
Oberlausitz, um 1450
Laubholz, geschnitzt, teilweise mit Leinwand beklebt, Reste der farbigen Originalfassung
aus der Kirche Kleinschönau/Sieniawka
 
Ein Raum des Kellergewölbes
So, nun zum Großen Zittauer Fastentuch. Dieses kann man sich im Museum Kirche zum Heiligen Kreuz ansehen. Wer sich kulturell mal so richtig gönnen will, holt sich das Kombiticket für die Städtischen Museen Zittau (das kostet 8 Euro und ist somit billiger als jedes Kinoticket; außer man geht in den Regina Palast Leipzig zum Filme gucken, dann gleicht sich das ungefähr wieder aus, aber ich schweife ab).
wissenswertes Wissenswertes über das Große Zittauer Fastentuch
– 90 Szenen des Alten und Neuen Testaments
– 1472 von einem unbekannten Meister geschaffen
– 1472 bis 1672 verhüllte es den Altarraum der Johanniskirche während der Fastenzeit
– ab 1672 im Franziskanerkloster aufbewahrt
– 1840 wurde es wiederentdeckt und als Leihgabe im Palais des Großen Gartens in Dresden                     ausgestellt
– 1873 wieder nach Zittau zurückgeholt
– 1933 letztmalige Ausstellung
– im Juni 1945 wurde es stark beschädigt, aber komplett erhalten geborgen
– 1994/95 Restaurierung
– seit 1999 wird es ausgestellt in der größten Museumsvitrine der Welt
– 8,2 m x 6,8 m (56 m²)
– 1 einzigartiges Exemplar

 

 Der Eingang zum Museum Kirche zum Heiligen Kreuz
 

 

 

 

Meine spontane Reaktion beim Erblicken des Großen Fastentuchs war einfach nur ein überwältigtes Kieferrunterklappen. 56 m² Leinen sind ziemlich viel Stoff und große Sachen sind auf den ersten Blick eben immer beeindruckend. Auf den zweiten Blick sieht man dann die wunderschöne Kunstfertigkeit der 90 Bilderszenen.

Ein sehr schlechtes Foto von einem sehr schönen Kunstwerk
 
Wenn man sich schon eine Kombikarte holt, kann man sich auch noch die totale Gönnung geben und einen Audioguide ausleihen. Der ist kostenlos. Einen persönlichen Führer gibt’s auch. Der ist nicht kostenlos. Aber wenn man Glück hat, so wie ich, platzt man gerade in die Kirche, wenn eine Führung ist. Ich wurde höflich gebeten mich hinzusetzen, ruhig zu sein und zuzuhören. Diese Erläuterungen sind schon echt nicht verkehrt. Wenn man wie ich in einem postsozialistisch-atheistischen Haushalt aufgewachsen ist, hat man nur Bibel-Halbwissen. Mein Geschichtsstudium hat daran auch nicht viel geändert, weshalb ich bei religiöser Kunst meistens die Kunsthistorikerin meines Vertrauens zu Rate ziehe. Aber der nette ältere Herr hat’s in diesem Fall auch getan. Er beschrieb fast jedes Bildchen des Tuches. Zum Beispiel, dass die Erschaffung der Welt einen Tag länger als üblich dauerte, da Gott auch noch die vier Elemente schuf. Des Weiteren erzählte er noch viel zur Herstellung und zur wechselvollen Geschichte. Das Fastentuch wurde während des Zweiten Weltkriegs gestohlen und von sowjetischen Soldaten als Saunaabdichtung benutzt. Als sie abzogen, ließen sie es im Wald zurück. Ein Spaziergänger fand es zerrissen und nass und brachte es wieder in das Zittauer Museum. Aufgrund der Feuchtigkeit sind einige der 90 Bilder fast ausgewaschen und schwer zu erkennen. Bis es in den 1990er Jahren restauriert wurde, wurde das Tuch nicht ausgestellt.
Seit 1999 kann man das Tuch wieder in seiner ganzen Größe und fast vollen Pracht bewundern und die Museumsvitrine in der es sich präsentiert steht sogar im Guiness-Buch der Weltrekorde. Ich zweifle ja ein bisschen an der Aktualität dieses Rekordes. Denn das Pommersche Museum in Greifswald hat einen ziemlich großen Teppich und der wird auch in einer ziemlich großen Vitrine ausgestellt. Aber ich bin ja bloß ´ne Frau. Was weiß ich schon von Raumvolumen.

Abschließend möchte ich noch mein Highlight benennen. Neben den zwei bemalten Tüchern natürlich. Es kommt in der Gesamtpräsentation ein bisschen schlecht weg, aber ist trotzdem etwas Besonderes. Es handelt sich dabei um die Kirche zum Heiligen Kreuz in der das Große Fastentuch ausgestellt ist. Diese Kirche ist eine sogenannte Einsäulenkirche, das heißt das ganze Gebäude wird nur von einer Säule getragen. Auf diese Säule läuft man beim Betreten des Gebäudes direkt zu. Diese Kirchenart ist inzwischen sehr selten geworden. Als die Gemeinden anwuchsen und mehr Raum brauchten, hat man meistens die alte Bausubstanz abgerissen und ein größeres Gebäude, z. B. eine gotische Hallenkirche, gebaut. Die kleine, mehr als 600 Jahre alte Kirche hat auch eine ziemlich interessante Geschichte und sieht ein bisschen heruntergewirtschaftet aus, da sie während der DDR-Zeit leer stand und als Treffpunkt für Jugendliche diente, die darin Lagerfeuer anzündeten. Auch der die Kirche umgebende Friedhof ist ziemlich überwachsen und strahlt so einen wunderbaren morbiden Charme aus.

 Die Säule
 

 

Zittau hat noch viel mehr zu bieten als diese zwei Fastentücher. Noch viele Kirchen und viele schöne restaurierte Häuser und deshalb bleibt mir am Ende dieses Beitrages nur zu sagen, „Heute ist nicht alle Tage…“ (wer nicht weiß, wie dieses Zitat weitergeht, hatte keine rosarote Kindheit).

Beucha

Beucha
Einwohnerzahl: 3036
Geburtstag: 1378 (die Kirche steht schon seit 1280 dort)

Bekannt für: ein braunes Hinweisschild am Autobahnrand, welches der einzige Grund war, wieso ich mich überhaupt dahin verirrt habe

 

„Wehrkirche Beucha“ prangt in weißen Lettern auf braunem Untergrund auf einem Schild an der A14 kurz vor Leipzig. Über das Design kann man sich streiten, aber seinen Zweck hat das Schild immerhin erfüllt. Ich wollte wissen, was es mit dieser Kirche auf sich hat. Auf Instagram stieß ich dann auf schöne Bilder einer Kirche, die malerisch oberhalb eines Sees auf einem Hang steht. Als Bewohner der Leipziger Tieflandsbucht fragte ich mich, wo den bitte so ein hoher Berg (147m ü NN) in der Umgebung sein soll. Die Antwort ergab sich automatisch beim Durchfahren des Leipziger Landes. Hier wird bzw. wurde einfach alles abgebaut, was die Natur hergibt: Kohle, Porphyr, Granit (und Granitporphyr; danke Wikipedia, dass ich deinetwegen nicht dumm sterben muss). Auch in Beucha wurde Granit abgebaut (und wohl auch Granitporphyr). Der ehemalige Steinbruch wurde 1958 stillgelegt und es wurde seitdem kein Wasser mehr abgepumpt. So, jetzt wisst ihr Bescheid. Es wurde also nichts aufeinandergeschichtet, sondern drumherum weggeschaufelt. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit sich einen Berg zu basteln.
Ich weiß nicht, ob man in dem See auch Baden kann, aber alles in allem würde ich es nicht empfehlen vom Kirchberg aus zu springen. Obwohl auch kein Schild dran war, dass man es nicht darf. Naja, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Vielleicht habe ich das Schild auch nur nicht gesehen. Falls Erfahrungsberichte beim Leser vorhanden sind, bitte ich um Mitteilung.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich lohnt den touristischen Hinweistafeln auch mal zu folgen, besonders wenn man die angepriesene Sehenswürdigkeit schon von der Autobahn aus sehen kann.
 
 Der Wasserturm am Fuß des Kirchberges markiert den Eingang zum Friedhof und zur Kirche.
Er wurde 1913 fertiggestellt.
 Eine Eiche für Jubiläums-Martin. Freut er sich bestimmt drüber.

 

 Um das Jahr 1000 wurde der Berg bereits als slawische Wallanlage genutzt.
 
 1429 wurde die Kirche von Hussiten zerstört und danach in größerem Umfang wieder aufgebaut.
 
 1813 diente der Kirchberg als Aussichtspunkt während der Völkerschlacht.
 
 1945 wurde die Kirche durch einen Bombenabwurf beschädigt und 1949 wieder aufgebaut.
 

 

 Am gegenüberliegenden Punkt des Kirchbruchs stehen zwei Säulen… 
 
…aus örtlich abgebautem Hartgestein.
 
1989 wurde die Kirche wegen Baufälligkeit gesperrt und 1997 feierlich eingeweiht.